Abtreibung: Eine Frage des Gewissens

+
Modelle von Embryos in der zehnten Woche.

Twistringen – Was hat die katholische Kirche eigentlich gegen Abtreibung?! Ja klar, man zerstört dadurch Menschenleben. Da stimme ich voll und ganz zu. Aber gibt es nicht auch Sonderfälle, bei denen auch die Kirche einer Abtreibung zustimmen sollte?

Denn auch ein Baby kann ein Leben zerstören. Und in vielen Fällen machen die Betroffenen sich ja nicht nur selbst, sondern auch dem Kind das Leben kaputt. Was ist zum Beispiel nach Vergewaltigungen? Wer möchte ein Baby, das einen immer daran erinnert, was an so einem Tag passiert ist? Oder bei einer Behinderung? Wenn feststeht, dass das Baby schwerbehindert ist – sollte man da nicht auch abtreiben dürfen? Ein Kind, das sein halbes Leben an Schläuchen im Krankenhaus liegt, hat doch kein schönes Leben.

Also mal ehrlich, liebe katholische Kirche: Wozu gibt es das Gesetz? Nicht umsonst darf man erst nach einer Beratung und ausgiebiger Bedenkzeit abtreiben. Und das auch nur für eine kurze Zeit, in der das Leben des Fötus’ noch nicht so vorangeschritten ist. Selbst nach einer Vergewaltigung darf man nur in den ersten zwölf Wochen abtreiben. Der einzige Fall, der es in Deutschland rechtlich erlaubt, während der ganzen Schwangerschaft abzutreiben, ist, wenn das Leben der werdenden Mutter in Gefahr ist. Wenn ich jetzt, mit 16, schwanger wäre, würde ich durchdrehen.

Na klar, es ist ein Lebewesen, das in einem heranwächst, und man hätte vorsichtiger sein und besser verhüten müssen. Aber was passiert ist, ist passiert. Und „Da muss man dann halt die Konsequenzen für tragen“ ist kein angemessener Spruch in solch einer Situation. Man kann ein Lebewesen doch nicht als Bestrafung nehmen. Mit 16, mitten in der Ausbildung oder Schulzeit – wie soll man da ein Kind großziehen? Und was für Aussichten wären es für eine Familie, wenn die Mutter zur Schule geht und der Vater vielleicht auch noch vorzeitig die Biege gemacht hat?!

Also, an alle gläubigen Katholiken: Verzichtet mal lieber ganz auf die traute Zweisamkeit, denn Verhütung ist tabu, und wenn Ihr schwanger werdet, was ja nicht unwahrscheinlich ist, müsst Ihr das Kind auch auf jeden Fall austragen. Sonst wäre die katholische Kirche wohl nicht mehr so stolz auf Euch. Die evangelische Kirche sieht das Ganze glücklicherweise etwas lockerer als die katholische. Die katholische Kirche macht nur eine einzige Ausnahme bei der Abtreibung: die sogenannte „indirekte Abtreibung“. Das heißt, dass das Leben der Mutter bei einer Geburt gefährdet wäre und man der Mutter durch die Abtreibung hilft. Die evangelische Kirche sieht es als Gewissensfrage, ob man abtreibt oder nicht.

Glücklicherweise haben die Gesetzemacher einen guten Überblick über das Thema. Denn die Zwölf-Wochen-Regelung finde ich echt in Ordnung. Bis zum Ende dieser Zeit sollte jeder gemerkt haben, dass er schwanger ist und kann sich untersuchen und beraten lassen. Ich finde, in Sonderfällen sollte Abtreibung in Ordnung sein. Denkt doch mal an die Schwangeren, die vergewaltigt wurden und das Kind nicht wollen. Ich glaube nicht, dass viele junge Frauen in diesem Fall eine Schwangerschaft über sich ergehen lassen würden, um das Kind dann wegzugeben, nur damit die katholische Kirche glücklich ist. Und auch wenn die werdende Mutter sich noch in der Ausbildung oder Schule befindet, sollte es ihr selbst überlassen sein, ob sie abtreibt oder nicht. In solchen Fällen sollte Abtreibung absolut in Ordnung sein. Und da ist es meiner Meinung nach ein Glück, dass unsere Gesetze nicht nach dem Willen der katholischen Kirche gehen.

Wenn man allerdings eine feste Lebensgrundlage hat und schwanger wird, sollte man das Kind zur Welt bringen. Manchmal entpuppen sich vermeintliche Fehler doch noch als Glück. Für den Fall, dass man das Kind nicht möchte oder aus zeitlichen oder finanziellen Gründen nicht großziehen kann, gibt es genug andere Möglichkeiten, zum Beispiel das Baby zur Adoption freizugeben.

Nadine Bultjer (16 Jahre) aus Twistringen

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Brustkrebs: Es sind nicht nur Knoten – diese Anzeichen solltet ihr ernst nehmen

Brustkrebs: Es sind nicht nur Knoten – diese Anzeichen solltet ihr ernst nehmen

Brustkrebs: Es sind nicht nur Knoten – diese Anzeichen solltet ihr ernst nehmen
Drei Locken für Gott

Drei Locken für Gott

Drei Locken für Gott
„Äääh – wie lange bist Du denn schon Tandem-Pilot...?"

„Äääh – wie lange bist Du denn schon Tandem-Pilot...?"

„Äääh – wie lange bist Du denn schon Tandem-Pilot...?"
Worüber lachst Du?

Worüber lachst Du?

Worüber lachst Du?

Kommentare