Zwischen Orient und Okzident im BLG-Forum

Avi Avital Foto: Guy Hecht

Bremen - Von Wolfgang Denker. Seit Jahren ist es ein Markenzeichen des Bremer Musikfestes, neben den groß besetzten Abenden auch veritable Überraschungen anzubieten: Dafür steht die Reihe „Musikfest Surprise“, am Donnerstag unter dem Motto „Avital meets Sollima“ mit einem mitreißenden Konzert von Avi Avital, Giovanni Sollima und Itamar Doari.

Der in Israel als Sohn marokkanischer Einwanderer geborene Avi Avital wird weltweit als Botschafter der Mandoline gefeiert. Neben seiner Beschäftigung mit dem (überschaubaren) klassischen Repertoire für dieses Instrument pendelt er zwischen Klassik, Jazz und Weltmusik. Mehr als 100 Kompositionen sind schon für ihn geschrieben worden.

Der aus Sizilien stammende Cellist und Komponist Giovanni Sollima ist ebenfalls ein Grenzgänger zwischen Barock und Jazz bis hin zur Avantgarde. In seinen eigenen, von der Musik seiner Heimat inspirierten Kompositionen strebt er die Verschmelzung von Klassik, Rock und Folklore an. Das ist aber noch nicht alles: Auch der aus Israel stammende Perkussionist Itamar Doari steht im BLG-Forum auf der Bühne – ein Meister seines Fachs.

Doch was verbindet diese drei Künstlerpersönlichkeiten? Neben der Vorliebe für experimentelle Musik ist es die Liebe zum Mediterranen. Entsprechend besteht auch ihr Programm aus klassischen, bearbeiteten und improvisierten Stücken. Da erklingt Musik mit türkischem, israelischem, marokkanischem, italienischem und spanischem Einschlag in bunter Folge – Klänge vom Orient bis zum Okzident. Und fast immer bestimmen stringenter Rhythmus und irrwitziges Tempo den Duktus.

Eine ruhigere Stimmung bleibt eher die Ausnahme, wie etwa in dem langsamen, träumerischen Satz einer Sonate von Domenico Scarlatti, die von Avital und Sollima geradezu verspielt genommen wird. Auch mit einer italienischen Tarantella, die von Eliodoro Sollima, dem Vater von Giovanni Sollima, ursprünglich für Klavier komponiert wurde, kommt mediterranes Flair auf. Pointiert spielen sich die drei Musiker dabei immer wieder die Bälle zu. Aber auch solistisch glänzen sie: Avitals Fingerfertigkeit und die aufregenden Klänge, die er seiner Mandoline entlockt, sind atemberaubend. Giovanni Sollima scheint mit seinem Cello geradezu zu verwachsen, wenn er in seinem Solo sein Instrument „quält“ und ihm eine Spannweite entlockt, die vom Geräusch bis zur Kantilene reicht. Fabelhaft passt dazu, was Itamar Doari aus seinen Perkussionsinstrumenten mit vertrackten Rhythmen, mit ausgefeilter Dynamik und unglaublichen dynamischen Variationen herauszaubert. Kein Wunder, dass sich das Publikum mehrere Zugaben erklatscht.

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