Zwischen Abscheu und Gier

Sebastian Fitzeks neuer Thriller „Der Insasse“ fesselt und verstört

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Sebastian Fitzek

Eine Kindesentführung liefert für sich genommen genug Stoff für einen ordentlichen Krimi. Wenn dann noch Sebastian Fitzek Hand anlegt, kann sich der Leser sicher sein, dass die Story gruselig, grausam und nur schwer vorhersehbar sein wird. Mit seinem neuestem Psychothriller „Der Insasse“ legt der Star-Autor eine Geschichte im Bestseller-Format vor, die erneut ganz tief in menschliche Abgründe blicken lässt.

Syke - Von Jan Dirk Wiewelhove. Im Zentrum des Plots stehen Guido Tramnitz, ein gut aussehender Psychopath und Serienmörder auf der einen, auf der anderen Seite der leicht reizbare Brandmeister Till Berkhoff, dem ohne jede Vorwarnung der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Gegen die Anweisung der Mama hat Berkhoff seinen sechsjährigen Sohn Max kurz zu dem 17 Jahre alten Nachbarsmädchen Anna gehen lassen, das der Junge anhimmelt. Schließlich muss er ihr sein neues Lego-Meisterwerk präsentieren.

Trotz aller Vorsicht und eines gemeinsamen Codeworts, das Fremde von Bekannten unterscheiden soll, wird der kleine Max jedoch entführt. Von diesem Moment an geht das Leben von Till Berkhoff den Bach runter. Die Familie zerbricht, der Job ist weg.

Aber eine Leiche von Max wird nie gefunden. Auch die Verurteilung des vermeintlichen Max-Mörders Tramnitz bringt keine Klarheit. Berkhoffs letzter Strohhalm ist, doch noch Gewissheit über den Verbleib des Sohnes zu erlangen. Deshalb fasst er einen geradezu grotesken Plan. Er will sich in die Psychiatrie einweisen lassen, in der Tramnitz untergebracht ist, um mehr über das abscheuliche Verbrechen zu erfahren.

Selbst der Geruch des modrigen Kellers wird spürbar

Fitzek versteht es, die Atmosphäre so detailgetreu zu beschreiben, dass der Leser selbst den Geruch eines modrigen Kellers in der Nase spüren kann. Immer wieder droht die Story allerdings auch, zu überdreht, zu übertrieben zu sein.

Tramnitz liebt es, Macht über seine Mitmenschen, entführte Kinder inklusive, auszuüben. Er will seine Opfer nicht einfach nur töten, sondern sie möglichst lange am Leben erhalten, um seine Überlegenheit auszukosten.

Bei dem Plot aus Lügen und Intrigen innerhalb der Psychiatrie sowie Szenen, in denen Realität und Fiktion verwischen, ist die Grenze zwischen Abscheu und der Gier nach den nächsten Seiten hauchdünn.

Doch so einfach weglegen kann man einen Fitzek nicht. Zu groß ist das Verlangen, das Ende dieses Psychothrillers zu erleben. Fans des Genres können hier blind zugreifen. Zartbesaitete sollten derweil nicht mit diesem Werk des Berliner Autors starten.

Weiterlesen:

Sebastian Fitzek, „Der Insasse“, 384 Seiten, Droemer Verlag, 22,99 Euro.

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