Margot Käßmann und der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor in der Glocke

Zweifel und Tod

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Von tiefem Ernst durchzogen: Margot Käßmann las in Bremen nicht nur weihnachtliche Texte.

Bremen - Von Wolfgang Denker. Margot Käßmann wird im Programmheft zum Weihnachtskonzert mit dem Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg zu recht als „die bekannteste Theologin Deutschlands“ bezeichnet.

Und die populärste ist sie wohl auch, möchte man hinzufügen. Zwei restlos ausverkaufte Konzerte in der Bremer Glocke sagen alles. Erstaunlich war nur die Zusammensetzung des Publikums, das zu mindestens 90 Prozent aus älteren Damen bestand.

Margot Käßmann erwies sich als geschickte und sehr ansprechende Rezitatorin. Abgesehen von der Weihnachtsgeschichte (nach Lukas) hatten allerdings die ausgewählten Texte, viele davon aus ihren eigenen Büchern, nicht alle unbedingt nur mit Weihnachten zu tun.

Von der Suche nach Gott, von der Selbstbesinnung („Wüstenzeiten“), von einer ambivalenten Liebe zur Kirche („Kathedralen“ von Pascal Mercier), von Zweifeln und vom Tod war viel die Rede. Aber es war wohl auch nicht Käßmanns Absicht, ein unterhaltsames Weihnachtskaleidoskop aufzublättern. Viele Dinge hätten auch in eine normale Predigt gepasst. Aber „Weinachten bei Familie Luther“ (von Elke Strauchenbruch), die Gedichte, die Heinrich Zille zugeschickt wurden oder die Schilderungen der hektischen Weihnachtsvorbereitungen (aus ihrem Buch „Wenn Dunkelheit leuchtet“) warfen ein etwas heitereres Licht auf das Fest.

Der ausgezeichnete Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor steuerte ein reichhaltiges Programm bei. Der Duktus war allerdings überwiegend getragen und eher schwermütig. So gab es jeweils kurze Ausschnitte aus dem „Weihnachtsoratorium“ und der „Johannes-Passion“ von Bach, aus Händels „Judas Maccabaeus“ oder aus „Die Israeliten in der Wüste“ (vom Namensgeber des Chors). Daneben erklangen unter anderem Kompositionen von Beethoven, Reger und Brahms, das beliebte „Ave verum corpus“ von Mozart und das melodiöse „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ aus dem „Elias“ von Mendelssohn. Das bemerkenswerteste und ausgefallenste Stück war „Es ist ein Ros’ entsprungen“ in einer Fassung von Jan Sandström. Hier entwickelte der Chor sphärische, geheimnisvolle Klänge, die wie aus einer anderen Welt herüberwehten.

Insgesamt stellten die Sängerinnen und Sänger mit über 50 Personen ihre Qualitäten unter der versierten Leitung von Sibylle Wagner eindrucksvoll unter Beweis. Nur manchmal traten bei den Sopranen kleine Probleme in der Höhe auf. Meistens wurde a capella gesungen, bei einigen Stücken traten Christopher Bender oder Beste Toparlak mit Orgel und Harfe hinzu. Beide glänzten auch solistisch: Bender gleich zu Beginn mit einer Improvisation über „Es kommt ein Schiff geladen“, bei der er die Orgel mächtig und kraftvoll aufrauschen ließ. Und Toparlak, eine Schülerin von Xavier de Maistre, bezauberte mit dem einfühlsam gespielten Impromptu-Caprice von Gabriel Pierné. Ein Weihnachtskonzert, das von tiefem Ernst durchzogen war.

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