Zwei Konzerte zu Klaus Huberts 90.

Das Prinzip Hoffnung

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Zwei Konzerte ehren Klaus Hubert.

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Mit zwei Konzerten im Sendesaal rückt ins Bewusstsein, dass in Bremen einer der großen Komponisten – neben Luigi Nono, Helmuth Lachenmann, György Ligeti, Bernd Alois Zimmermann – der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts lebt und nun seinen 90. Geburtstag feiert: Klaus Huber. Er lebt hier, weil seine Frau Younghi Pagh Paan langjährige Professorin für Komposition an der hiesigen Hochschule für Musik war. Huber selbst bildete unzählige, heute bekannte Komponisten aus zwei Generationen an der Hochschule für Musik in Freiburg aus und leitete dort das Institut für Neue Musik. Unter seiner Leitung erreichte es Weltgeltung. - Von Ute Schalz-Laurenze.

Sein Alter hat ihn zudem nicht daran gehindert, die Überzeugung, dass jegliche Ästhetik sich politischer und moralischer Motivation verdanken sollte, immer schärfer hervortreten zu lassen: „Ich versuche, in der Musik, die ich mache, das Bewusstsein meiner Zeitgenossen, die wie wir alle zu schlafenden Komplizen weltweiter Ausbeutung geworden sind, hier und jetzt zu erreichen, zu wecken“.

Dieser Appell schlägt sich in der Kompositionstechnik auf faszinierende und klangsinnliche Weise nieder. Huber nimmt vielfältig auf historische Musik und Texte Bezug, auf Texte der Bibel ebenso wie auf solche des nicaraguanischen Revolutionärs Ernesto Cardenal, der Sozialistin und Mystikerin Simone Weill sowie der archetypischen Bilderwelt des russischen Dichters Ossip Mandelstam. Er begann spät und setzt sich auch heute noch mit außereuropäischen Tonsystemen auseinander, hauptsächlich der Mikrotonalität und Dritteltönigkeit der arabischen Musik.

„Ich will ihr Denken (des Publikums) und Fühlen aufbrechen, erschüttern. Gerade um so viel, dass das Prinzip Hoffnung am Horizont aufzudämmern vermag – die konkrete Utopie: die Veränderung der Zukunft durch die Gegenwart“. Zwei Konzerte im Sendesaal spiegeln in den kommenden Tagen die Aktualität von Hubers Werk beispielhaft. Da sind zunächst einmal am 9. November die beiden Streichquartette, von denen das spätere sich mit dem Phänomen des Zeitbegriffes in der Musik auf faszinierende Weise auseinandersetzt. Der Cellist des „Q3Gdreigenerationenquartettes“ Walter Grimmer beschäftigt sich seit 40 Jahren mit dem Werk Hubers. Dazu erklingt das sogenannte „Dissonanzenquartett“ von Mozart, ein von Huber hochverehrtes Werk.

Das Konzert am 18. November ist ein Orchesterkonzert, das ebenfalls Hubers Mozartliebe reflektiert: in der Aufführung von „Intarsi“, einem Kammerkonzert für Klavier und siebzehn Instrumente. Von Mozart erklingt das Klavierkonzert KV 595, sein letztes, sein traurigstes, sein einsamstes. Die Kompromisslosigkeit von Anton Webern, alles Überflüssige wegzulassen, hatte starken Einfluss auf Huber: In diesem Konzert sind die fünf Stücke für Orchester op. 10 aus dem Jahr 1911 zu hören, von denen das kürzeste 15 Sekunden und das längste knapp zwei Minuten lang ist.

Konzerte zum 90. Geburstag von Klaus Huber im Sendesaal Bremen: Am Sonntag, 20 Uhr, mit dem „Q3Gdreigenerationenquartett“. Am 18. November, 20 Uhr, mit „Sinfonia Insieme“ und dem Orchester der Hochschule für Künste.

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