Kunsthalle Bremen zeigt „Und jetzt Du!“

Zucker für die Augen

Katzen gehen eigentlich immer, auch aus Stoff: Paula Modersohn-Beckers „Katze in einem Kinderarm“ nahm Diana Spanier als Vorlage für ein eigenes Kunstwerk. 
Fotos: Kunsthalle Bremen; Diana Spanier
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Katzen gehen eigentlich immer, auch aus Stoff: Paula Modersohn-Beckers „Katze in einem Kinderarm“ nahm Diana Spanier als Vorlage für ein eigenes Kunstwerk. Fotos: Kunsthalle Bremen; Diana Spanier
  • Rolf Stein
    vonRolf Stein
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Bremen – Die Idee war so gut, dass sie um die Welt ging. Die Museen waren geschlossen, und auch der Rest des öffentlichen Lebens war weitgehend lahmgelegt, als das Coronavirus sich ausbreitete. Da rief die Niederländerin Anneloes Officer auf ihrer Instagram-Seite tussenkunstenquarantaine (Zu Deutsch: Zwischen Kunst und Quarantäne) dazu auf, unter Verwendung von Haushaltsgegenständen Kunstwerke zuhause nachzustellen und die Ergebnisse via Instagram zu verbreiten. Die Bremer Kunsthalle schloss sich dem gern an und rief ihr Publikum auf, ihre Fotos einzusenden. Mehr als hundert kamen zusammen, 77 davon sind jetzt in der durchaus anregenden Ausstellung „Und jetzt du!“ im Südfoyer des Hauses zu sehen.

Zur Auswahl stand mit dem Online-Katalog der Kunsthalle beinahe die komplette Sammlung, einschließlich der im Depot vorhandenen Kunstwerke. Wobei sich einige Künstler besonderer Beliebtheit erfreuten, darunter die Gemälde von Paula Modersohn-Becker, die „Sylvette“ von Pablo Picasso und – eher überraschend – die Installation „Enlight my space“ von der Schweizer Künstlerin Pipilotti Rist.

Häufig griffen die Teilnehmer, die nach Informationen der Kunsthalle aus dem Bremer Raum, aber teilweise sogar aus Bayern kommen, für ihre Beschäftigung mit dem Bestand der Kunsthalle auf Porträts oder andere Menschendarstellungen zurück, aber es gibt auch Auseinandersetzungen mit dem magischen Realismus des Bremer Malers Norbert Schwontkowski, und sogar der Computerkunst von Georg Nees – echter „eye candy“ übrigens, wenn der Wortwitz erlaubt ist: Christina Pietsch hat die quadratischen Strukturen der unbetitelten Vorlage mit Zuckerwürfeln nachgebaut. Hier wird Nees‘ Abstraktion auf, nun ja, süße Weise wieder in den Alltag überführt.

Ganz anders spielt Diana Spaniers Anverwandlung von Paula Modersohn-Beckers „Katze in einem Kinderarm“ (um 1903) mit Künstlichkeit und Natur. Mit herzigen Knopfaugen schmiegt sich hier ein Stofftier an seine Trägerin. Von beträchtlichem Reiz sind auch die Auseinandersetzungen mit Norbert Schwontkowskis Gemälden, die noch bis zum 2. August in der Sonderausstellung „Some of my secrets“ in der Kunsthalle hängen. In drastischer Klarheit erstehen dessen Sonnenschirme in dem Bild „Sopot“ neu: Als Würstchen am Stiel. Und natürlich darf bei solch einem Anlass auch der Mund-Nase-Schutz nicht fehlen, um den derzeit heftig gestritten wird, mal lässig in der Hand gehalten, statt eines Blatts Papier, mal im Gesicht, wo in der Vorlage ein mächtiger Bart die Züge verdeckt.

Wer nun denkt, die Kunsthalle sei nun medienwirksam auf einen Trend aufgesprungen, irrt: Bereits vor zehn Jahren rief das Haus dazu auf, Kunstwerke nachzustellen, erzählt Direktor Christoph Grunenberg. Auch damals sei das Musem geschlossen gewesen, die Ergebnisse wurden seinerzeit am Bauzaun präsentiert. Nur dass es damals eben noch nicht per Instagram in die Welt hinausging.

Sehen

Ab Mittwoch bis 6. September, Kunsthalle Bremen.

Von Rolf Stein

Unvollendet blieb Albrecht Dürers „Johannes der Täufer“ (l., um 1505), Karl-Holger Meyer hat sich seinen eigenen Reim darauf gemacht. Fotos: Kunsthalle Bremen; Karl-Holger Meyer

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