Start in die Spielzeit

„Zorro“ am Stadttheater Bremerhaven: Schluss mit Staub

Diego de la Vega bevor er Zorro wurde: Vikrant Subramanian mit Dorothea Maria Müller (Inez) und dem Ensemble des Stadttheaters Bremerhaven. - Foto: Manja Hermann
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Diego de la Vega bevor er Zorro wurde: Vikrant Subramanian mit Dorothea Maria Müller (Inez) und dem Ensemble des Stadttheaters Bremerhaven.

Bremerhaven - Von Mareike Bannasch. Er hat dichte schwarze Locken, strahlend weiße Zähne und ist ziemlich gut gebaut. Ganz zu schweigen von seinem Mut und seiner Schnelligkeit. Eben ein echter Traumtyp. Dass er eigentlich nur mit schwarzem Hut, schwarzer Maske und schwarzem Cape unterwegs ist? Macht ihn noch attraktiver. Schließlich ist er ein Held, der seinesgleichen sucht – kein Wunder, dass ihm die Frauen zu Füßen liegen.

Die Rede ist von Zorro, einem Schönling, der gegen seinen Bruder, einen Fiesling erster Güte, und für die Freiheit der unterdrückten Bevölkerung im Kalifornien des 19. Jahrhunderts kämpft und ganz nebenbei auch noch das Herz seiner Jugendliebe erobert. Im Jahr 1919 schuf Johnston McCulley in seinem Roman „The Curse of Capistrano“ („Der Fluch von Capistrano“) einen klassischen Helden in bester Robin-Hood-Manier. Im Jahr 2008 startete im Londoner Westend schließlich die Musical-Version – die nun die Musiktheater-Spielzeit im Stadttheater Bremerhaven eröffnet. Ein fulminanter Auftakt, der nicht mit nur rasanten Fechtszenen zu begeistern weiß, sondern auch mit einem glänzend aufgelegten Ensemble.

Auf einer Bühne mit breiten Toren und Kruzifixen an den Seiten, die mit großer Freifläche viel Platz für Tanz und Lebensfreude lässt, befreit Ulrich Mokrusch in seiner Inszenierung den legendären Kämpfer für das Gute vom Staub der Mantel-und-Degen-Romane. Bei ihm gibt es keinen strahlenden Supermann, der den Kampf gegen das Böse quasi mit Links absolviert. Nein, sein Zorro fährt zur entscheidenden Fechtszene durch ein Loch im Boden auf die Freifläche (Bühne und Kostüme: Dorit Lievenbrück) – nur um auf halbem Weg steckenzubleiben und auf die Hilfe seiner Widersacher angewiesen zu sein. Held sein – in Bremerhaven ist das nun wirklich keine Aufgabe, die man einfach mal nebenbei erledigt. Dass diese Auslegung funktioniert, liegt natürlich nicht an den komödiantischen Einfällen der Regie, es liegt vielmehr an einem: Vikrant Subramanian. Er hat seine Rolle bis in die Fingerspitzen verinnerlicht und meistert den schmalen Grat zwischen Slapstick und Pathos spielend. Dabei überzeugt Subramanian aber nicht nur als Darsteller: Auch stimmlich ist sein Bariton der besonderen Aufgabe ausnahmslos gewachsen.

Dorothea Maria Müller sticht hervor

Allerdings wird er von einem Ensemble-Mitglied locker überflügelt: Dorothea Maria Müller. Sie verkörpert Inez, Zorros Liebe, damals, als er noch Diego de la Vega hieß. Mit beeindruckender tänzerischer Leistung und ausdrucksstarker erdiger Stimme sticht sie besonders bei den Ensemble-Szenen hervor. Ihren Gegenpart bildet Luisa (Filipina Henoch), die zwar etwas lieblicher daherkommt, aber trotz aller Naivität immerhin den Helden bekommt. Denn dass es ein Happy End gibt, ist schließlich von Beginn an klar, sehr zum Leidwesen von Nicky Wuchinger, der den vom Vater-Komplex geplagten Schurken Ramon gibt.

Das könnte es jetzt gewesen sein, wäre da nicht die wichtigste Komponente des Abends – die Musik. Für diese zeichnen vor allem die Gipsy Kings verantwortlich, die mit Hits wie „Bamboleo“, „Baila me“ und „Djobi, djoba“ den flamenco-geschwängerten Grundstock der Musical-Version geschaffen haben. Ihre Songs sind es dann auch, bei denen Sänger, Tänzer und Chor ihre ganze Klasse ausspielen. Kern der Bremerhavener Band bildet dabei das hervorragende Philharmonische Orchester, das von einem Tempowechsel zum nächsten springt und so die Metamorphose von einer nordischen Stadt zur spanischen Enklave endgültig vorantreibt. Allerdings gebührt nicht nur den von Ektoras Tartanis geleiteten Musikern Lob, sondern auch vier aus Bremen stammenden zusätzlichen Trompetern. Mal auf der Bühne, mal im Orchestergraben tragen Tim Schikoré, José Ribeiro dos Santos, Juan M. Claverias Jiménez und Jorge Ballesteros Vilches zum klanglichen Gesamtbild bei.

So bleibt von mehr als zwei Stunden „Zorro“ vor allem eine Erkenntnis: Einen Helden von diesem Format können wir sehr gut gebrauchen.

Weitere Termine: Sonntag, 8. und 29. Oktober um 15 Uhr sowie 5. Oktober und 17. November, jeweils um 19.30 Uhr, Stadttheater Bremerhaven.

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