Schau im Wilhelm-Wagenfeld-Haus

Bauhausleuchte: Die Zeitlosigkeit ist eine Lampe

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Was kam nach der Bauhausleuchte? Das Wilhelm-Wagenfeld-Haus sucht Antworten auf diese Frage.

Bremen - Von Mareike Bannasch. Wer etwas auf sich hält, hat sie im Wohnzimmer stehen – am besten auf dem Fenstersims. Damit auch die Nachbarn sehen, dass hier das Bildungsbürgertum zu Hause ist. Die Rede ist von Wagenfelds Bauhausleuchte, deren Faszination bis heute ungebrochen ist. Ein Grund mehr für das Bremer Wilhelm-Wagenfeld-Haus, der Lichtquelle eine ganze Ausstellung zu widmen.

Dort steht das Original aus dem Jahr 1924 sicher hinter Glas und zeigt trotzdem, warum noch immer jeder Ästhet die von geometrischen Formen geprägte Lampe haben will – zumindest, wenn er über das nötige Kleingeld verfügt. Denn billig war die Tischleuchte, die Nummer eins im Werkverzeichnis des Designers, nie. Zu viel Handarbeit war für die Herstellung notwendig – ein klarer Gegensatz zum Selbstverständnis des Bauhauses, das auf industrielle Produktion setzte. Kein Wunder also, dass die Leuchte nach wenigen Jahren wieder in der Versenkung verschwand, bevor die Bremer Firma „Tecnolumen“ die Produktion 1980 schließlich wieder aufnahm.

Davon erzählt die Ausstellung aber nur am Rande. Es geht Direktorin Julia Bulk und ihrem Team vielmehr darum aufzuzeigen, wie Wagenfeld die klassischen, geometrischen Formen des Bauhaus-Designs in den 50er- und 60er-Jahren weiterentwickelte. Obwohl es zunächst so schien, als würde der Bremer die in Weimar gelernten Lektionen in den Wind schießen.

1953 heuert Wagenfeld bei der Glashütte Peill & Putzer in Düren an. Dort entwickelt er Leuchten in organisch fließenden Formen und geht noch einen Schritt weiter: Er experimentiert mit Dekor. Für das Bauhaus ein absolutes No Go. Trotzdem verkaufen sich die Lampen gut und beeinflussen heute Designer wie Stefan Diez. Dessen Hängeleuchte „Guise“ denkt Wagenfelds Auseinandersetzung mit Dekor weiter, indem das verzierte Glas keine Lichtquelle umhüllt, sondern diese Funktion selbst übernimmt.

Bauhausleuchte (Tischleuchte MT 8), 1924

Nur opulente Leuchten fürs Wohnzimmer zu entwerfen, das reicht Wagenfeld schließlich nicht mehr, ab 1954 kreiert er zunehmend Lichtquellen für Räume, die lange mit Nichtachtung gestraft wurden. Keller, Küche und Flur etwa. Oder das Badezimmer. Letzteres ein Luxus, den ab Beginn der 50er-Jahre immer mehr Wohnungen haben und der dem Designer ein neues Betätigungsfeld öffnet. So schafft er in seiner Stuttgarter „Werkstatt Wagenfeld“ zunehmend Reihen im Bauhaus-typischen zeitlosen Design und zu günstigen Preisen. Dazu zählt auch eine Doppel-Spiegelleuchte von 1965/66, die der Designer für das Unternehmen Lindner auflegte. In Farben wie Lichtblau oder Rosé sollen die Lampen das Bad in einen Wohntraum verwandeln, in dem man gerne Zeit verbringt – damals ein Novum.

Die Käufer der 60er entdecken aber nicht nur neue Räume für sich, sie verabschieden sich auch von organischen Formen. Ein Wunsch, dem Wagenfeld mit der NWL-Leuchtenserie nachkommt, in der er auch das Thema Dekor neu betrachtet. Statt Muster zu entwickeln, die sich auf das Glas legen, arbeitet er nun Rillen und Noppen direkt auf der Oberfläche ein. Eine prägende Design-Idee, die im ästhetischen Gedächtnis aber hinter der Bauhausleuchte zurücktritt, auch im Wagenfeld-Haus. Dort blickt das Schlusskapitel der Schau auf zeitgenössische Designer – und deren Interpretation der legendären Lampe.

Angucken

Die Ausstellung läuft bis zum 27. Oktober.

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