Werner Schlegel im Marcks-Haus-Pavillon

Zeit und Zeichen in Holzskulpturen

+
Werner Schlegel, Bild-Block 1, 2011. Papier, Druckfarbe, Acryl, Ölkreide, Graphit auf Pappel.

Bremen - Von Rainer Beßling. Kein anderes Material spiegelt deutlicher die Zeit. Im Querschnitt des Baumstammes lassen sich die Jahre ablesen. Auch die Beschaffenheit des Holzes spiegelt das Alter.

Die Zeitspuren können aber auch als Zeichnung aus ästhetischer Perspektive betrachtet werden. So ist im Natur- schon ein Kunststück angelegt. Werner Schlegel schließt in seinen Plastiken an die natürlichen Volumina und Oberflächen des Holzes an und entwickelt sie mit behutsamen gestalterischen Eingriffen zu Artefakten weiter.

Das Bremer Gerhard-Marcks-Hauses präsentiert im Pavillon bis zum 27. Januar eine konzentrierte Auswahl von Werken des 1953 im thüringischen Greiz geborenen Künstlers. Es gibt darunter blockhafte Formen, die an den Minimalismus erinnern könnten, wäre da nicht eine auch stofflich bedingte Wärme und Emotionalität, die von Konzeptkunst weit entfernt ist. Auch die Serialität, der Schlegel in Werkgruppen und Installationen folgt, ist eher als Auffächerung eines Grundmotivs zu sehen, die die sinnliche Kraft der Objekte verstärkt. In sich ruhend, wirken die Skulpturen zugleich mit großer Kraft in den Raum hinein. Die visuelle Wahrnehmung wird zur kontemplativen Begegnung. Die Verbindung von Stofflichkeit und Spiritualität gelingt in Holzskulpturen am intensivsten, deren Eigenkolorit mit dezentem Weiß oder Schwarz in verschiedenen Farbmaterialien korrespondiert, deren Oberflächenstruktur mit gesetzten Schraffuren, abstrakten Liniengeweben oder Ornamenten, teils auch mit Zeichnung auf Papier im Dialog steht.

Schlegel reduziert seine zeichnerischen und malerischen Eingriffe häufig auf Hell-Dunkel-Kontraste, somit auf klassische grafische Modellierung. Licht und Schatten bauen nicht nur Zeichnung, sondern sind auch Zeichen, die Plastisch-Stoffliches um eine gedankliche Dimension erweitern. So wie sich Schlegels Kuben zu einer Raumkomposition verbinden, beschreiben auch Zeichnungen auf der Holzoberfläche Reihen und Felder, die an unterschiedlichste Strukturen und Systeme denken lassen: an musikalische Fügungen und Gedankengebäude ebenso wie an archaische Architekten oder natürliche Organismen. Damit greift Schlegel mit den Holzblöcken nicht nur ein statisches Naturprodukt auf, sondern entfaltet mit künstlerischen Mitteln auch Wesen und Prozessualität des Natürlichen.

Bis 27.1., Di+Mi, Fr-So 10-18 Uhr, Do 10-21 Uhr.

Eintritt: 5 Euro

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Meistgelesene Artikel

Die Stadt und der Mörder

Die Stadt und der Mörder

Die Stadt und der Mörder

„Immer eisig, ewig dunkel“

„Immer eisig, ewig dunkel“
Was für ein Zirkus

Was für ein Zirkus

Was für ein Zirkus
Mythen im Wandel

Mythen im Wandel

Mythen im Wandel

Kommentare