„Gezeichnet“: Jahresausstellung des BBK Bremen in der Spedition am Güterbahnhof

Zeichnung und Zeichen, Spuren und Strukturen

Bilder einer Hochzeit von A.V. Munoz.

BREMEN (rb) · Während die Malerei seit gut einem Jahrhundert in schöner Regelmäßigkeit für tot erklärt und wiederbelebt worden ist, stand die Zeichnung nie grundsätzlich zur Disposition.

Als erster und direktester künstlerischer Ausdruck erfuhr diese eher eine permanente inhaltliche und begriffliche Erweiterung. Die Linie griff in den Raum aus und setzte sich auf die unterschiedlichsten Medien. Da Zeichnen und Zeichen so eng verwandt sind, kann mit dem Graphischen ein großes Repertoire an übersetztem Gegenstand und kommunikativen Impulsen verhandelt werden.

Diese Entgrenzung scheint die Bremer BBK-Jahresausstellung bestätigen zu wollen. „Gezeichnet“ lautet der Titel, und schon klingt nebem der Gattung auch Befindlichkeit an. Kirsten Brünjes‘ Plastiken hätten sonst den Weg in die jurierte Schau in der Spedition am Güterbahnhof schwerlich finden können. Die kleinen Nager kommen skurril und frech, aber auch von irgend etwas gezeichnet daher. Eine Verbindung vom Grafischen zum Objekthaften ließe sich auch aus den Oberflächen der Figuren herauslesen, die in feinen Linienstrukturen modelliert sind.

Mit der Tätowierung greift Sirma Kekec gleichfalls auf körpernahe Zeichnungen zu, die eindeutige Zeichen in bekenntnishafter Absicht setzen. Wer Konterfeis der Liebsten oder Symbole für Vorlieben in die eigene Haut graviert, sollte schon an Dauer glauben. Wenn die Künstlerin als Bildträger Schaumstoff-Lappen wählt, relativiert sich die Aussicht auf Haltbarkeit.

Bei Diana Mercedes Alonsos minmalistischen Werken gliedern schmale Einschnitte den plastischen Körper und tauchen Farbbahnen den Umraum in magisches Licht. Der Künstler und Biologe Benjamin Beßlich übersetzt Fressspuren auf Blättern in mehreren Schritten auf einen Bildträger und schließt die feinen Gewebe, die Faltern ähnlich sind, mit einer Wachsschicht ab.

Ganz ohne Firnis kommen die Kohlezeichnungen auf Büttenpapier von Antonio Velasco Munoz aus und verleihen dem Motiv der Hochzeit eine schemenhafte Zerbrechlichkeit. Momentaufnahme und Erinnerung tragen Patina und pulverisieren sich, der Kohlestaub lässt sich neben den Blättern nieder und verleiht dem vergangenen Ereignis einen fragilen Nachklang.

Monika B. Beyers Figuren erscheinen gleichfalls flüchtig, wie schemenhaftes Pendeln zwischen Licht und Schatten in einem Übergangsreich. Ihre eindringliche Leibhaftigkeit wirkt wie ein Abdruck von Spiritualität. Fundstücke kontrastiert die Künstlerin mit eigenen Formfindungen. Hier ist die Zeichnung Spurensuche und Spurenlese, die Zeichen behalten ihr Geheimnis.

Die Ausstellung, an der insgesamt 23 Künstlerinnen und Künstler beteiligt sind, ist bis zum 10. Oktober zu sehen und wird von einem Katalog begleitet.

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