Die Musikszene Bremen feiert 10. Übersee-Festival

Zehn Tage lang Geburtstag

Auf Distanz: Bei diesen Musikern stimmte schon beim letztjährigen Überseefestival der Abstand.
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Auf Distanz: Bei diesen Musikern stimmte schon beim letztjährigen Überseefestival der Abstand.

Bremen – Auch wenn es inzwischen, wie beispielsweise im Rahmen vom „Kultursommer Summarum“, inzwischen wieder Konzerte auch mit Bands aus dem Pop-Bereich im weitesten Sinne gibt, zählt die Musikbranche nach wie vor zu den Teilen der Kulturszene, die am härtesten von der Coronakrise betroffen sind. Das hat natürlich damit zu tun, dass nicht nur Großveranstaltungen wie das umstrittene Konzert in Düsseldorf, für das Musiker wie Sarah Connor und Bryan Adams zugesagt haben, bislang undenkbar waren. Sondern auch damit, dass auch im kleineren Rahmen kaum möglich scheint, was die Lage erfordert: Abstand, die Vermeidung von allzu überschwänglichem Jubel wegen der Aerosole und was nicht noch. Zu einem Rockkonzert gehört meist Gedränge vor der Bühne, Mitsingen, Tanzen.

Dass das auch die Veranstalter des Überseefestivals vor Probleme gestellt hat, versteht sich da von selbst: Neunmal lud die Musikszene Bremen schon auf die Fläche vor dem Alten Zollamt in der Überseestadt, der Eintritt war stets frei, jeder konnte einfach vorbeikommen, ohne dass jemand Kontaktdaten dokumentiert hätte – auch das ein Problem in Zeiten wie diesen.

Entsprechend schwer tat sich der Zusammenschluss der Bremer Pop- und Rockszene. Bis Mitte Juli habe man gewartet und diskutiert, erzählt Andrea Rösler vom Künstlerischen Betriebsbüro des Vereins. Auf ein Autokonzert oder Stuhlreihen hatten die Festivalmacher keine Lust. „Das lebt nun mal davon, dass Leute vor der Bühne tanzen“, erklärt Rösler. „Anfang Juli kam das dann noch mal auf den Tisch. Und innerhalb von zwei Tagen haben wir dann gesagt: Komm, wir machen’s!“

Statt einem Wochenende mit 20 Bands erstreckt sich das 10. Überseefestival nun über zehn Abende, an denen jeweils zwei Bands auftreten.

„Wir haben keinen Bock auf Stuhlreihen. Deswegen hat sich unser erster Vorsitzender, André Stuckenbrok, ganz tolle Sachen überlegt. Wir haben bewusst bislang wenig kommuniziert, weil wir noch gar nicht genau wissen, wie es aussehen wird. Gestern wurden ein Haufen Holz und andere Materialien auf dem Platz vor dem Zollamt abgeladen, jetzt schauen wir mal, was wir am Wochenende daraus machen.“ Klar ist immerhin, dass es möglich sein soll, in Gruppen zusammen zu sitzen oder zu stehen, damit so etwas wie ein Gemeinschaftserlebnis entstehen kann.

„Wir stehen im engen Kontakt mit der Polizei in Walle, die das Konzept mit uns durchgeht.“ Rein formell sei eine Genehmigung nicht nötig, weil das Gelände eine private Fläche ist, erklärt Rösler. „Trotzdem haben wir immer Rücksprache mit dem Ordnungsamt gehalten. Uns ist sehr daran gelegen, dass alle Beteiligten gesund bleiben. Niemand möchte ein Corona-Festival haben.“

Deswegen muss, wie in diesen Monaten üblich, online reserviert werden, Gruppen müssen gemeinsam buchen. Maskenpflicht besteht, am Platz kann der Schutz abgelegt werden. Und auch wenn die Bremer traditionell ungern den Vorverkauf nutzen, funktioniere das erstaunlich gut, berichtet Rösler. Wer keinen Internetzugang habe, könne seine Tickets auch bei dem Bremer Plattenladen Hot Shot Records erstehen.

Die finanzielle Schwelle ist eher niedrig: Mittwochs und donnerstags kostet der Eintritt gerade mal 99 Cent, zuzüglich einer Vorverkaufsgebühr von einem Euro; wer bei Hot Shot Records kauft, zahlt nur 99 Cent. „Wir brauchen vor allem diese Verbindlichkeit“, erklärt Rösler. Mit der auf 300 Zuschauer pro Abend begrenzten Zuschauerzahl sei das Festival trotz des Eintrittsgeldes ohnehin nicht zu finanzieren, zumal diesmal für die gesamte Dauer ein Zaun um das Gelände aufgebaut werden und Sicherheitspersonal bezahlt werden müsse. Ohne Sponsoren gehe das nicht. „Wir haben eine institutionelle Förderung als Musikszene“, sagt sie, „aber das Geld reicht nicht aus. Früher gab es für das Festival Projektmittel. Die gibt es dieses Jahr nicht, aber dafür wurde unsere Förderung im neuen Haushalt nach zehn Jahren erstmals angehoben.“

Und die Musik? Schon zum vierten Mal wirbt das Festival mit „100 Prozent Bremen“. Allerdings ist man auch mal großzügig. Die Band Hirsch Effekt kommt beispielsweise aus Hannover, aber ihre Wurzeln liegen in Bremen, Sänger Nils Wittrock war einst sogar Vorsitzender des Vereins Musikszene Bremen und hob mit Stuckenbrok das Übersee-Festival vor 13 Jahren aus der Taufe. „Da haben wir gesagt: Drücken wir mal zwei Augen zu“, sagt Rösler. Ein Schwerpunkt sind Bands mit Punk-Hintergrund. Unter anderen ist die 1982 gegründete Punklegende Mimmi’s zu erleben, die mit Bremens nach eigenen Angaben dienstältester Punk-Band am 23. August auf dem Festival spielt.

Hingehen

Vom 19. bis 30. August,

jeweils Mittwoch bis Samstag ab 19.30 Uhr und am Sonntag ab 16 Uhr, Tickets im Internet unter www.ueberseefestival-bremen.de oder bei Hot Shot Records, Knochenhauerstraße 20, Bremen.

Von Rolf Stein

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