Zehnte Norddeutsche Klarinettentage: Debüt-Konzert der „Bremer Kammersolisten“

Zauberstück der Kompositionstechnik

Bremen - Von Ute Schalz-LaurenzeMeisterwerke gibt es nicht allzu viele, zwei davon waren im ersten „klassischen“ Konzert der diesjährigen zehnten Norddeutschen Klarinettentage zu hören. Beim Debüt-Konzert der „Bremer Kammersolisten“ spielten Spitzenmusiker der Hochschule, der Deutschen Kammerphilharmonie und der Bremer Philharmoniker mit. Um es gleich zu sagen: die muss man sich merken.

Das Septett Es-Dur op. 20 von Ludwig van Beethoven, eine der Kaiserin Maria Theresia gewidmete und 1800 uraufgeführte Serenadenmusik, ist ein Zauberstück mit allen Elementen sowohl der Unterhaltung als auch komplexerer Kompositionstechniken. Marco Thomas, Nicole King, Elke Schulze-Höckelmann, Florian Donderer, Esther van Stralen, Tanja Tetzlaff und Hiroyuki Yamazaki interpretierten das so feingliedrig, strahlend und vollkommen durchsichtig, dass es eine helle Freude war.

Beethoven war knapp 30 Jahre alt, als er das vorwärts stürmende erfolgreiche Septett schrieb, voller Elan und Anspruch gerade in Wien angekommen. Auch Johannes Brahms war siebenundzwanzig Jahre alt, als er seine erste Serenade in D-Dur op. 11 schrieb. Aber wie anders war die biographische Situation, die die jetzige Aufführung schmerzhaft in Erinnerung brachte. Man kennt die Serenade als wundervoll rauschendes Orchesterwerk, nicht aber mehr die Skrupel, die zu ihrer Vollendung geführt haben. Kammermusikfassungen sind vorausgegangen, die Brahms – wie so vieles andere – in seinem Perfektionswahn vernichtet hat.

Der Dirigent Jorge Rotters hat 1987 die Nonett-Fassung rekonstruiert und dabei recht streng von der Orchesterfassung aus gearbeitet. So lohnte sich diese Aufführung doppelt: wegen der Rarität des Werkes und der Qualität der Wiedergabe.

Mit weiteren zwei Musikern – Bettina Wild und Jaan Bossier – blieben keine Wünsche offen: die tief empfundene Lyrik, das regelrechte Leuchten des D-Dur, die originellen Klangfarben in ihren immer neuen Gestalten und atmosphärischen Verflechtungen. Besonders zu nennen ist ihre Einbindung virtuoser Details in ein fast sinfonisches Ganzes.

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