Operettenhits am laufenden Band: „Im weißen Rössl“ am Stadttheater Bremerhaven

Der Zauber der Saison

Die Liebe eines Oberkellners: Judith Kuhn (Josepha Vogelhuber) und Peter Kubik (Leopold). ·
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Die Liebe eines Oberkellners: Judith Kuhn (Josepha Vogelhuber) und Peter Kubik (Leopold). ·

Von Wolfgang DenkerBREMERHAVEN · Wer kennt sie nicht, diese Schlager und Ohrwürmer? „Es muss was Wunderbares sein“, „Die ganze Welt ist himmelblau“, „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“ oder „Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein“.

Sie stammen alle aus der Operette „Im weißen Rössl“ von Ralph Benatzky. Auch wenn der Komponist nicht immer Benatzky heißt: Robert Stolz, Bruno Granichstaedten und Robert Gilbert haben ebenfalls Lieder für das „Rössl“ geschrieben. Und Eduard Künneke hat bei der Orchestrierung mitgewirkt.

Das Stück war bei seiner Uraufführung 1930 ein rauschender Erfolg, bald begeisterte es weltweit. Während der Nazizeit war es verboten, kam aber nach dem Krieg wieder auf zahllose deutsche Bühnen.

Im Stadttheater Bremerhaven hat nun Ralf Nürnberger die Geschichte um den Oberkellner Leopold, der unsterblich in die Rössl-Wirtin Josepha verliebt ist, die ihrerseits aber den Rechtsanwalt Dr. Siedler anhimmelt, neu inszeniert. Herausgekommen ist ein amüsanter Theaterabend. Nürberger, der vor einem Jahr in Bremerhaven bereits bei der „Csardasfürstin“ erfolgreich Regie geführt hatte, zeigte auch beim „Weißen Rössl“ Sympathie für das Genre. Da wird nichts verbogen oder karikiert. Nürnberger nimmt das Stück ernst und erreicht mit viel Witz und Humor ein klamaukfreies Vergnügen. Der „Zauber der Saison“, wie es in einem Lied heißt, wird mit vielen liebevollen Details beschworen.

Ob man den Kuhstall mit den beweglichen Kuhköpfen aus Pappe, den kleinen Dampfer, der vor dem Hotel anlegt und die Feriengäste bringt oder die wie ein märchenhaftes Puppenhaus wirkende Hotelfront nimmt: Die ebenfalls von Nürnberger entworfene Ausstattung verbreitete genau so viel Charme wie das temperamentvolle Spiel der Akteure. Kleine Durchhänger im Spielfluss des 3. Aktes kann man verschmerzen. Denn das von Sergei Vanaev choreographierte Ballett sorgte immer wieder für frischen Wind. Da wird das Lied „Was kann der Sigismund dafür“ zum temperamentvoll getanzten Swing.

Als Leopold konnte Peter Kubik mit angenehm und weich klingendem Bariton überzeugen. Auch Judith Kuhn machte als attraktive Josepha eine gute Figur, hätte aber vielleicht mit noch mehr Pep spielen können. Die Rolle des urwüchsigen, grantelnden Berliners Giesecke ist ein gefundenes Fressen für Komiker. Jürgen A. Verch füllte seinen Part mit Bühnenpräsenz und Freude am Spiel aus.

Seine Tochter Ottilie wurde von Lilli Wünscher verkörpert. Sie eroberte mit feinem Sopran das Publikum und ihren Dr. Siedler. Den gab Ziad Nehme mit lyrischem Tenor und sympathischem Spiel absolut rollendeckend. Den feschen Sigismund spielte Jan-Friedrich Schaper besser als er ihn sang. Aber Vergnügen machte es trotzdem. Das gilt auch für Katharina Kühn als prachtvoll jodelnde und resolute Zenzi.

Hartmut Brüsch stand am Pult des vielseitig geforderten Städtischen Orchesters (unter anderem als Blaskapelle und Swing-Band) und sorgte für den musikalischen Schwung an diesem liebenswerten Abend.

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