„Young Directors“

SALZBURG (Eig.

Ber.) n Eine Geschichte muss nicht zwangsläufig linear erzählt werden, ihre Dramaturgie muss nicht unbedingt Anfang, Hauptteil, Schluss kennen. Auf dem Theater, in der Literatur, im Kino gibt es gelungene Beispiele für Texte, die Material sind, die Assoziationsräume öffnen – und dennoch nicht beliebig wirken. „Welcome to Nowhere“ des Regisseurs und Autors Kenneth Collins gehört nicht zu dieser Art Text. Der junge US-Amerikaner, Jahrgang 1975, eröffnete mit seiner Theatergruppe Temporary Distortion das diesjährige Young Directors Project der Salzburger Festspiele am Alternativ-Spielort Republic, einem ehemaligen Kino. Plattform und Experimentierfeld für junge Theatermacher soll diese Reihe sein, wünscht sich Salzburgs Schauspielchef Thomas Oberender – und konterkariert damit Daniel Kehlmann, dessen Festspiel-Eröffnungsrede zur Abrechnung mit dem Regie-Theater verkam. In Collins einstündiger Inszenierung stehen die Schauspieler in zwei Plexiglasboxen, die mit Glühbirnen in verschiedenen Farben oder Neonlicht ausgeleuchtet werden. Sie blicken ins Publikum und sprechen ihre Texte in Mikofone – ohne Gesten, ohne Interaktion. Über diesen beiden Menschen-Boxen, für die sich Collins von den Schaukästen des US-Bilderhauers Joseph Cornell anregen ließ, hängt eine Leinwand, auf der dieselben Figuren zu sehen sind. Manchmal wirkt es als synchronisieren die Schauspielrer diese Videobilder, dann wieder illustrurieren die Bilder das Gesagte oder entlarven es als Lüge. Oder lügt doch der Film? Diese Ausgangssituation hätte nun durchaus zu einem spannenden Experiment führen können – wenn der Text nicht derart klischeehaft, pathetisch und larmoyant wäre. So sind es lediglich die wirklich sehr guten Videoarbeiten von William Cusick, deren Optik an Filme von Wim Wenders oder David Lynch erinnert, die von diesem Abend bleiben.

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