Yaron Herman: Dosierte Überraschungen

Yaron Herman Trio Foto: Heyne

Bremen - Von Ulla Heyne. Überraschungen hat sich das Format „Musikfest Surprise“ auf die Fahnen geschrieben, das sich am Freitag, dem vierten und letzten Abend, den Pianisten Yaron Herman in die Überseestadt holte. Der Franco-Israeli war nach langjährigen Wanderungen auf Solopfaden im BLG-Forum mal wieder in Trioformation zu erleben. Überrascht dürften allerdings nur diejenigen gewesen sein, die sich vorher noch nicht mit dem aktuellen Album „Songs of the Degrees“ beschäftigt hatten. Das stand – wie zu erwarten – im Vordergrund bei dem mit gerade mal 90 Minuten eher komprimierten Auftritt des Trios in klassischer Besetzung mit Bass und Schlagzeug. Was dem Konzertgenuss im BLG-Forum allerdings keinen Abbruch tat, nehmen sich die subtil in das Werk des Franko-Israelis einfließenden Genres doch so vielfältig aus, dass man getrost in dieser Schaffensphase verhaftet bleiben darf. Wer mochte, konnte nicht nur Anklänge an Keith Jarrett erkennen, sondern in rascher Abfolge auch an Bachs Kunst der Fuge, Bluesphrasierungen oder Referenzen an das traditionelle Liedgut seiner Heimat Israel sowie das ein oder andere Liebäugeln mit Pop.

Mit „Kinship“ feiert der 38-Jährige, der erst im Alter von 16 in Kontakt mit dem Klavier kam und später die Pariser Jazz-Szene der von New York vorzog, die Inspiration durch seine kongenialen Mitspieler Barak Mori am Bass und Schlagzeuger Ziv Ravitz, den er seinen „musikalischen Bruder“ nennt. Die treibenden, vertrackten Rhythmen ergeben ein interessantes Spannungsfeld zu den lakonischen, fast schwermütigen Klavierkadenzen. Mori und Ravitz bekommen Raum für eigene Improvisationen. Der Schlagzeuger unterbricht sich immer wieder selbst, um seinem Solo immer wieder eine neue Wendung zu geben, als reiche eine akustische Dimension nicht für alle Einfälle aus.

Eine Überraschung hält Herman dann doch parat: Nach einer guten Stunde – so mancher Zuhörer glaubt da noch eher an eine Pause als an das nahende Ende –, verlässt Ravitz sein Drumset, um für die letzte Zugabe, einen Song vom vorletzten Album, direkt mit Schlegel und Fingerspitzen in die Saiten des Bösendorfer Flügels einzugreifen. Er legt den Wohlfühlteppich für einen engen Dialog, der sich zwischen den beiden – sich nicht nur auf der räumlichen Ebene nahen – Musikern entspinnt. Wellness für die Ohren, die zum Flackern der LED-Kerzen für die Kürze des Ausflugs in eine Welt jenseits der Genres entschädigt.

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