Wortkarge Diva: Debbie Harry stellt Biografie vor

Debbie Harry Foto: Ralf G. Poppe
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Debbie Harry.

Hamburg - Von Ralf G. Poppe. Der Auftritt einer Diva: Barfuß in einer Art „Sportplateausohlenschuh“, die Fingernägel knallrot bemalt, liest Blondie-Sängerin Deborah „Debbie“ Harry am Dienstagabend in Hamburg aus ihrer am selben Tag erschienen Autobiografie „Face it“. „Als Kind wollte ich Filmstar werden“, lächelt sie, während sie mit dem Musik-Journalisten Torsten Groß im Rahmen des Harbour-Front-Literaturfestivals auf der Bühne der „Fabrik“ ihre musikalische Karriere verhandelt.

Harry hat das, inspiriert von Marlene Dietrich und Marilyn Monroe, „nebenher“ bekanntlich auch geschafft. Von Monroe und Dietrich fühlte sie sich angezogen. Ausgezogen, als Pin-up-Girl, fühlte sie jedoch bereits vorher wie ein Punk. Mit ihrer Band Blondie gelingt der Sängerin wenig später auch der große Durchbruch. Sie kommt ihren musikalischen Helden nah.

So spielt Blondie ihre erste große Tournee im Vorprogramm von Iggy Pop. Dessen Busenfreund David Bowie verzichtet damals trotz eigenen Erfolgs auf Solo-Konzerte, um bei Kumpel Iggy die Keyboards zu bedienen. Die Tournee beginnt in Montreal. Harry ist in einem Kleinbus angereist, in dem sich ihre gesamte Band zu fünft in einem Bett hinten im Wagen ausruhen darf. Bowie und Pop haben später am Abend das Bedürfnis, Kokain zu konsumieren. Leider war gerade der Dealer der beiden verstorben, erzählt Harry, und das Publikum johlt. „Ich hatte ein Gramm Kokain, machte mir jedoch nichts daraus. So gingen wir aufs Zimmer, ich gab den beiden mein Tütchen. Als Dank präsentierte mir David dann seinen Penis, den er offenbar gern zeigte.“ Als Blondie-Gitarrist Chris Stein den Raum betritt, ist bereits alles wieder verpackt. „Schade, dass Iggy nicht auch seinen Penis zeigte“, feixt die Künstlerin.

Nach 45 Minuten geht sie erstmals von der Bühne, nachdem sie einige Zeilen aus der englischen Version ihrer Autobiografie verlesen hat – Mia-Sängerin Mieze übernimmt die deutschen Passagen. Harrys einziger Live-Auftritt in Deutschland gerät recht kurzweilig, auch wenn sie zusehends ihrem Reise- und TV-Interview-Marathon (von London ging es zunächst zum Interview bei Markus Lanz und dann zur Lesung auf dem Harbour-Front-Festival) Tribut zollen muss.

Harry schafft weitere 45 Minuten, während denen sie größtenteils mit geschlossenen Augen der Lesung von Mieze beiwohnt. Ihre eigentliche Message verbreitet Harry ohnehin nonverbal: „Stop Fucking The Planet“ steht mehrsprachig auf ihrem „fetzigen“ Gewand.

Lesen

„Face it“, 25 Euro, Heyne Hardcore.

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