„Der Untergang des Hauses Usher“: Horror-Oper nach Edgar Allan Poe in Bremerhaven

Wohlig gegruselt

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Unheimliche Lektüre: Szene aus „Der Untergang des Hauses Usher“ in Bremerhaven.

Bremerhaven - Von Wolfgang Denker. Edgar Allan Poe war ein Meister des subtilen Horrors. Seine Geschichten haben Millionen Leser fasziniert – warum also nicht auch Opernkomponisten?

Die Erzählung „Der Untergang des Hauses Usher“ („The Fall of the Houseof Usher“) hatte schon Claude Debussy zu einer Oper angeregt, die aber Fragment geblieben ist. Die Version des amerikanischen Komponisten Philip Glass, einem Vertreter und Begründer der Minimal Music (spärliche Harmonik und wenige Motive, die sich immer zu wiederholen scheinen), entstand 1987. Das Stadttheater Bremerhaven hat sie nun in einer mustergültigen, szenisch und musikalisch sehr spannenden Produktion in deutscher Sprache herausgebracht. Und sie kann auch durchaus ein Publikum ansprechen, das mit dem Genre Oper nicht so vertraut ist, für das eigentlich jede Oper „Horror“ ist.

Die düstere Handlung spielt auf dem gespenstischen Anwesen von Roderick Usher. Der ist psychisch labil und seine Schwester Madeline todkrank. Er bittet seinen Jugendfreund William dringend um einen Besuch. Madeline stirbt, und die Freunde begraben sie. Unheimliche Geräusche hallen durch die Nacht. Madeline erscheint in ihrem blutbefleckten Totenhemd. Wurde sie lebendig begraben? Diese Frage bleibt bei Poe als auch in der Inszenierung von Christian von Götz letztlich offen.

Die Inszenierung rückt das Geschehen hautnah an das Publikum. Der Orchestergraben ist abgedeckt und wird in die Spielfläche einbezogen. Das Orchester ist in der hinteren Bühne platziert. Nebelschwaden wallen über die Bühne. William betritt mit einem großen Koffer die Szene und wird von einem zwielichtigen Hausdiener (Lukas Baranowski) empfangen. Roderick wird von Wahnvorstellungen und epileptischen Krämpfen heimgesucht. Die Freunde rauchen Opium – dadurch bleibt offen, ob die von William beobachtete, inzestuöse Szene zwischen Roderick und Madeline Phantasie oder Realität ist. Regisseur von Götz spielt hier sehr gekonnt mit der Macht des Unterbewusstseins und zeigt, dass Poe schon lange vor Sigmund Freud um verhängnisvolle seelische Verirrungen wusste. Madeline erscheint gleich vierfach und lässt auch William an seinem Verstand zweifeln. Am Ende des ersten Akts scheint sich die Situation zu entspannen. Roderick widmet sich seinen künstlerischen Beschäftigungen und pinselt ein wirres Bild in blutroten Farben Doch dann bricht sein erschütternder Aufschrei „Madeline ist tot!“ in den Raum.

Im zweiten Akt ragt gruselig eine Hand aus dem Grab. Die vier Madelines kämpfen erbittert gegeneinander, was ihren Todeskampf symbolisieren soll, aber etwas in Richtung Damenringkampf entgleitet. William will seinen Freund zum Verlassen des Hauses bewegen und liest ihm eine Geschichte aus glücklichen Kindertagen vor. Aber unheimliches Klopfen, das Klirren von Metall und bedrohliches Krachen im Mauerwerk des Hauses wird immer stärker. Dann erscheint, sehr effektvoll in Szene gesetzt, die blutverschmierte Madeline und reißt ihren Bruder mit in den Tod. Eine blutige Angelegenheit wie in den besten Horrorfilmen!

Bei dieser Oper ist das schauspielerische Können mindestens ebenso gefragt wie das gesangliche. Thomas Burger als Roderick mit expressiv geführtem Tenor und Peter Kubik als William mit vorbildlicher Diktion machten ihre Sache ausgezeichnet. Franziska Krötenheerdt hatte als Madeline zwar nur Vokalisen zu singen, gestaltete ihre Kantilenen aber mit bezwingendem Ausdruck.

Die Musik von Philip Glass wurde vom Städtischen Orchester unter Stephan Tetzlaff hervorragend umgesetzt. Sie wirkt etwas wie untermalende Filmmusik und verstärkt die Spannung mit subtilen Mitteln. Erst am Ende legt sie an bedrohlicher Dramatik zu, ohne ihren ruhigen Fluss zu verlassen. Ein zu empfehlender Opernabend, der für wohliges Gruseln sorgt.

Weitere Vorstellungen: am 16. und 27. März, jeweils um 19.30 Uhr.

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