Die Kunst macht mal Pause, Teil 3: Der Tänzer Tomas Bünger vom Theater Bremen

Wie wird aus einem Gedanken ein Wort?

Tomas Bünger

SYKE (Eig. Ber.) n Auch eine Kulturnation gönnt sich eine kulturlose Zeit. Zwischen Anfang Juli und Ende August herrscht in den meisten Theatern und Konzerthäusern Stille, sowohl Künstler als auch deren Publikum befinden sich im Urlaub. Eigentlich aber kennt Kunst keinen Urlaub, wie unsere Sommerserie beweist. Schauspieler, Tänzer und Musiker kontaktieren wir in ihren Ferien und fragen: Was machen Sie jetzt eigentlich?

Für Tomas Bünger ist der Sommer ein Winter, der Ende und Beginn zugleich markiert. Ein Winter ist er, weil der Tänzer des Bremer Theaters aus Buenos Aires anruft: Es ist kalt in der argentinischen Hauptstadt, schließlich befindet man sich auf der Südhalbkugel. Zu Ende neigt sich mit der ablaufenden Spielzeit Büngers Tänzerleben. 41 Jahre ist er jetzt alt – das ist weit entfernt von der Grenze zum Renteneintritt. Doch in der Tanzszene gelten andere Gesetze, und wer die Vierzig überschreitet, sollte sich schon mal nach neuen Perspektiven umschauen. Bünger hat sie gefunden: Von der kommenden Spielzeit an wird er Bremens Ensembleleiter Urs Dietrich als Choreographie-Assistent zur Seite stehen. Der Sommerurlaub ist so gesehen ein Beginn.

Vorher schaut er sich im kalten Argentinien Theatervorstellungen an. Von denen gibt es jetzt schließlich reichlich, denn mit dem Winter verschiebt sich natürlich auch die Saison zur Jahresmitte. Für Bünger eröffnet sich damit die Möglichkeit, einmal eine andere Bühnenästhetik kennen zu lernen, sowohl im Tanz als auch im Schauspiel. Die Geschichte, sagt er, erfahre im argentinischen Theater eine höhere Bedeutung, als dies in Deutschland der Fall sei: „Was hier auf die Bühne gebracht wird, ist oft ganz einfaches Erzähltheater.“

Seine eigene Kunst lässt Bünger indes ruhen – zumindest die körperliche. Er sei keiner, der in den Ferien großartig trainiert: „Ein bisschen Schwimmen ist immer gut, um so manche Sorgen wegzustrampeln.“ Und derer gibt es zurzeit reichlich, betrifft doch die Finanzkrise am Theater nicht zuletzt die Tanzsparte. „Als Tänzer ist man darauf angewiesen, sich ein gewisses Maß an Naivität zu erhalten“, sagt Bünger: „Sobald man aber gezwungen ist, sich mit äußeren Umständen wie der Finanzsituation zu befassen, wird das immer schwieriger.“

Die geistige Inspiration bleibt von unsicheren Zukunftsaussichten unberührt. Seine jetzige gilt dem Gedanken, dem Wort und der Tat. Das hört sich ein wenig nach Goethes „Faust“ an, soll aber vielleicht einmal in eine eigenständige Solo-Produktion münden. „Mich interessiert das Wechselverhältnis zwischen Denken, Sprache und Handlungen“, erklärt Bünger: „Wie wird ein Gedanke zum Wort? Und wie kann aus einem Wort eine Bewegung resultieren?“

Bewegungen als Resultat eines intensiven Trainings wird Bünger künftig nicht mehr zeigen. Mit dem endgültigen Bruch will er sich allerdings Zeit lassen: „Wenn Produktionen der letzten Spielzeit noch einmal aufgenommen werden, tanze ich sie weiter.“

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