Die Camerata Instrumentale und das Jugend-Sinfonie-Orchester spielen zum zehnten Todestag von Herbert Koloski drei Konzerte

„Wir wollen nicht milde belächelt werden“

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Jörg Assmann

Bremen - Am 17., 18., und 19. November finden Konzerte von besonderer Bedeutung statt: Das größte Laienorchester in Bremen, die Camerata Instrumentale Bremen Nord, sowie das Jugendsinfonieorchester Bremen Nord gestalten gemeinsam ein Konzert zum Gedenken an den zehnten Todestag von Herbert Koloski, dem Gründer der beiden Ensembles.

Heute werden die Orchester von dem Geiger Jörg Assmann (Deutsche Kammerphilharmonie) und der Geigerin Christine Schwarz geleitet.

Wie kam es zu der Idee, ein gemeinsames Konzert zu spielen?

Christine Schwarz:Ich hatte 2007 die Idee, beide Orchester im Bremer Norden für diesen Anlass zusammenzubringen. Es war der Wunsch vieler, Herbert Koloski zu ehren.

Jörg Assmann:Nach seinem Tod war leider ein Graben zwischen den beiden Orchestern entstanden, der inzwischen wieder ausgeglichen ist.

Herr Assmann, Sie leiten seit 2007 das Orchester. Aber nicht nur das, Sie leiten auch ein jährliches Camp in Österreich mit mehr als hundert Kindern. Was haben Sie davon, was gibt Ihnen das?

Assmann:Ich habe mich immer als Kammermusiker verstanden und wollte professionell Quartett spielen. Aber irgendwie habe ich nicht die richtigen Leute dazu gefunden. Dann landete ich glücklich in der Deutschen Kammerphilharmonie, deren Musiker sich ja alle als Kammermusiker verstehen. Dem Dirigieren verdanke ich die Öffnung einer neuen Welt. Mit großen Partituren umzugehen, sie zu lesen, sie umzusetzen, ist unglaublich spannend und das macht süchtig. Und zu den Kindern: das ist manchmal unfassbar ergreifend. Da war mal ein elfjähriger Oboist, da sind mir im Konzert die Tränen gekommen.

Frau Schwarz, Sie haben die Leitung des Jugendsinfonieorchesters zu einem biographisch ganz anderen Zeitpunkt übernommen als Jörg Assmann, schon gleich nach Ihrem Studium. Was gibt Ihnen diese Arbeit?

Schwarz:Ich war noch nicht mal fertig mit dem Studium, da wurde ich von Heiner Buhlmann gefragt. Es war ein Sprung in eiskaltes Wasser. Es ist wahnsinnig anstrengend, aber diese strahlenden Augen der jungen Musiker sind mehr wert als jeder Lohn.

Kann man sagen, dass aus Ihrer Arbeit es einige Kinder gibt, die dann auch Musik studieren und in den großen Orchester ihren Platz finden?

Schwarz:Auf jeden Fall. Gestern bei der Probe mit Tanja Tetzlaff waren zwei kleine Cellisten, die meinten, das wollen sie auch. Sie konnten gar nicht genug kriegen vom Zuhören und -sehen.

Was lernen Kinder, die im Orchester spielen und nicht unbedingt Berufsmusiker werden?

Schwarz:Sehr viel. Soziale Kompetenz, eine Verbindlichkeit eingehen, an einem Strang ziehen, Verantwortung zu übernehmen, ein tief emotionales Erlebnis gemeinsam zu haben. Wir haben auch psychologisch schon vieles gerade biegen können, besonders aus der Zeit der Pubertät.

Herr Assmann, Sie haben in der vergangenen Saison Bruckner und Schostakowitsch gespielt. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht immer leicht ist, die Literatur zu finden, die sich bewältigen lässt, die aber auch so anspruchsvoll ist, dass die Musiker gefordert werden.

Assmann:Das ist richtig. Die zweite Sinfonie von Bruckner war durchaus grenzwertig, gerade die Geiger haben gesagt, es sei harter Toback gewesen mit diesen Gängen durch viele Tonarten. Und da muss man gut pfuschen lernen, das gehört dazu. Ich sage dann manchmal, bemüht euch nicht unbedingt, alle Töne zu spielen zugunsten des Flusses der Musik. Aber wir wollen nicht milde belächelt werden, wir wollen durchaus kraftvolle Interpretationen bieten. Das muss ja nicht perfekt sein, sondern die Spannung muss überspringen.

Die Camerata nimmt im Mai in Hildesheim am deutschen Orchesterwettbewerb teil.

Assmann:Ja, und wir sind stolz darauf, das einzige Amateurorchester im Lande zu sein, das ganz aus eigenen Kräften arbeitet. Wir kaufen keine Musiker ein.

Konzert in der Stadthalle Osterholz: heute um 20 Uhr. In der Stadthalle Verden: morgen um 20 Uhr. In der Bremer Glocke: Samstag um 20 Uhr.

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