Interview

Stoppok & Worthy live in Bremen: „Wir mussten nicht lange überlegen“

Hat längst noch nicht alles erzählt: Stoppok gastiert heute mit seinem Bassisten Reggie Worthy in Bremen. Foto: Tine Acke
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Hat längst noch nicht alles erzählt: Stoppok gastiert heute mit seinem Bassisten Reggie Worthy in Bremen.

Bremen - Von Reinhard Franke. Live im Schlachthof? Das hat es gefühlt eine halbe Ewigkeit nicht gegeben. Und nicht nur im Bremer Kulturzentrum nicht. Live-Musik ist von der Bühne in die Quarantäne gewandert. Oder auf die Straße. Der heutige Abend ist deshalb ein besonderer: Am Freitagabend steht mit Stoppok ein leibhaftiger Musiker auf der realexistierenden Bühne des Kulturzentrums Schlachthof. Das Publikum allerdings muss, der Zeiten wegen, sein Konzert am Computerbildschirm oder im Radio verfolgen. Wir haben vor dem Konzert mit dem Musiker gesprochen.

Herr Stoppok, wie fühlen Sie sich aktuell in der Coronakrise?

Verhältnismäßig entspannt. Es ist in jedem Fall eine Entschleunigung eingetreten, die gut ist. Ich bange natürlich um unsere bunte Kulturlandschaft und hoffe, dass wir das irgendwie hinkriegen, dass wir diese große und unabhängige Vielfalt retten können. Im Übrigen nerven mich aktuell die mittlerweile massiv auftretenden Verschwörungstheorien.

Wie kam es zu der Idee mit dem Radiokonzert in Bremen?

Ich glaube, die Idee hatten die Kollegen von Radio Bremen zuerst. Es hat Wochen gedauert, bis wir uns haben überreden lassen. Nee, natürlich Quatsch. Wir mussten nicht lange überlegen. Auch wenn so ein Konzert kein normales Konzert mit Publikum ersetzen kann, kommt da mit Sicherheit eine andere Energie zustande, als bei einem Wohnzimmerkonzert. Da ich ja auch mit meinem Freund und Bassisten Reggie Worthy spiele, wird es auf der Bühne schon gut abgehen, und ich denke, das kommt dann auch bei den Hörern zu Hause an.

Ihr neues Album „Jubel“ – gibt es so viel zu bejubeln?

Der Titel bezieht sich in erster Linie auf meine ganz persönliche Situation. Ich habe vor 40 Jahren mein erstes Album aufgenommen, seitdem 19 Studioalben und mehrere Live-Alben rausgehauen, und ich habe nicht im Ansatz das Gefühl, dass meine Geschichten alle erzählt sind. Will sagen: Die Kreativität nimmt eher noch zu. Außerdem bin ich seit exakt 20 Jahren komplett unabhängig und kann jederzeit machen, was ich will. Wenn das kein Grund zum Jubeln ist!

Für ihren Song „Lass sie rein“ hagelte es bei Youtube massive Hasskommentare – bis hin zu Morddrohungen. Macht Sie das sprachlos?

Es macht mich nicht sprachlos, sondern es zwingt und bringt mich dazu, den Mund zu dem Thema noch mehr aufzumachen. Den idiotischen und kleingeistigen Verschwörungstheoretikern muss man Paroli bieten.

Stoppok hat sich sein Universum erschaffen, das in keine Schublade passt und sich zu einem ganz eigenen Genre entfaltet hat, war zu lesen. Brauchen Sie kein anderes Universum, um glücklich zu sein?

Natürlich brauche ich andere Universen, um mich auszutauschen, ich bin kein Einzelgänger. Ich mach zum Beispiel jedes Jahr eine Reihe, Stoppok plus Artgenossen, zu der ich die unterschiedlichsten Musiker aus verschiedenen Ländern einlade, und wir machen wunderbare stilübergreifende Musik. Geniale Konzerte sind das, und ohne diesen Austausch würde mir sicher viel Kreativität flöten gehen. Außerdem begebe ich mich regelmäßig in ein völlig anderes Universum, nämlich nach Indien, um dort klassische indische Musik zu spielen, die ja so gar nichts mit unserem Musikverständnis zu tun hat. Da habe ich schon drei Alben aufgenommen und auch Konzerte gespielt, ich liebe das.

Hören und sehen:

Freitag, 8. Mai, 19.05 Uhr im Hörfunkprogramm und als Videostream auf der Website von Bremen Zwei.

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