Familienangelegenheiten

Kim Wilde kommt mit Bruder und Nichte nach Bremen

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Kim Wilde auf „Here Come The Aliens“-Tour. 

Bremen - Von Rolf Stein. Es dürfte heiß gewesen sein – aber Kim Wilde ließ sich nichts anmerken. Wobei: Vielleicht doch. Ausgerechnet einen ihrer größten Erfolge, ihre Version des Supremes-Klassikers „You Keep Me Hanging On“, versemmelt die britische Sängerin.

Das Publikum nahm’s ihr derweil nicht krumm. Denn Wilde ist ja weder eine Kunstfigur wie Madonna, noch eine Stimmkünstlerin wie Whitney Houston. Mit „Kids In America“ und wasserstoffblondem Schopf dockte sie eher an Punk-Tugenden an.

Geschrieben hatten den Song damals Kims Vater Marty und ihr Bruder Ricky. Letzterer hat nun nicht nur auch ihr neues Album „Here Come The Aliens“ produziert, sondern steht auch mit auf der Bühne. Nicht als einziges Familienmitglied: Nichte Scarlett Wilde ist als gut gelaunte Chorsängerin dabei und ständig in Bewegung. Auch das Cover des neuen Albums, das virtuos die Groschenroman-Ästhetik der 60er-Jahre aufgreift, hat sie übrigens gemalt.

Mit gemischten Gefühlen hat die Kritik das im März erschienene Werk aufgenommen, und auch das Publikum hielt sich offenbar eher zurück. Zumindest ist das Pier 2 am Sonntagabend höchstens zur Hälfte gefüllt. Kim Wilde lässt sich davon aber nicht ins Bockshorn jagen. Es ist ja nunmal der siebte Tag, und es gibt so viel zuhaus zu tun. Umso mehr freue sie sich, sagt sie, dass die Anwesenden ihren Popo (sie benutzt an dieser Stelle das englische Wort „bum“) vom Sofa bekommen haben, um mit ihr und der Band eine „good old Rock & Roll time“ zu haben. Ganz unprätentiös.

Und auch wenn sie zunächst mit Sonnenbrille und Fransenjacke agiert, bleibt es dann später bei dem darunterliegenden, hautengen Overall im Leder-Look. Die Stimmung im Saal gab der Sängerin recht. Natürlich wurden vor allem die großen Hits aus den 80er-Jahren begeistert aufgenommen, die Wilde, wen würde es wundern, sorgsam über das rund eineinhalbstündige Programm verteilt, wobei sich die Frequenz nach hinten hin erhöht. Und es versteht sich von selbst, dass ganz bis zum Ende bleiben muss, wer den ersten und größten Hit der Musikerin hören will: Die „Kids In America“.

Apropos Leder-Look, den Wilde ja schon in den frühen 80ern pflegte, wenn auch ihrerzeit ein wenig knapper: Die Songs von „Here Come The Aliens“ zeigen die Sängerin überraschend rockig, was wohl nicht zuletzt Bruder Ricky zu verdanken ist, der sich gern in die entsprechenden Posen wirft. Und dann wartet die Band nicht nur mit zwei im Zweifelsfall kräftig losgniedelnden Gitarrenhelden auch, sondern auch mit einer doppelten, geschlechtergerecht besetzten Schlagzeugabteilung auf, die für viel Lautstärke sorgt.

Wilde hat da nicht immer einen leichten Stand, aber bis auf den erwähnten Ausrutscher absolviert sie ihr Programm mit erstaunlich jugendlicher Stimme (sie geht ja immerhin auf die 60 zu) und angenehm bodenständigem Charme.

Am Freitag, 20 Uhr, tritt Kim Wilde im Capitol in Hannover auf.

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