Erstes Saisonkonzert der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen

Wild und harmlos

+
Nichts schneidig-elegantes, dafür mit einfach fassbarer Begeisterung: Lothar Zagrosek dirigierte am Freitagabend in der Bremer Glocke die Deutsche Kammerphilharmonie. ·

Bremen - Von Ute Schalz-LaurenzeMit zwanzig Stücken aus elf Opern von Jean-Philippe Rameau hatte Marc Minkowski eine „Symphonie imaginaire“ geschaffen. An diesem Konzept versuchte sich nun auch der Dirigent Lothar Zagrosek in seinem Konzert mit der Deutschen Kammerphilharmonie, dem ersten Konzert dieses Jahres.

Seine „Suite imaginaire“ von Rameau zauberte ein wahres Feuerwerk von Klangfarben, Bildern und Rhythmen. Lange vor Joseph Haydn hat auch Rameau eine „Erschaffung der Welt“ komponiert, die Zagrosek hier als Ouvertüre präsentierte. Es ist die Ouvertüre zum Ballett „Zais“, die nach dem Trommelsolo eine formale Wild- und Buntheit aufweist, die man kaum als „barock“ erkennen würde. Und die beim Publikum eine bewegende Begeisterung auslöste.

Darüber hinaus hatte das Programm unter dem sehr bemühten Titel „Von der Oper zur Sinfonie“ wenig schlüssig verbindendes, es sei denn, den Kontrast zwischen französischem und italienischem Stil: Die Ouvertüre zu „Paris und Helena“ von Christoph Willibald Gluck gehört zu seinen Reformopern, mit denen er die Starre der barocken Nummernabfolge erneuern wollte. Entsprechend wild, ja italienisch ist die Musik, mitreißend gespielt vom Orchester. Zagrosek, 2011 erfolglos aus dem Berliner Konzerthaus ausgeschieden, andererseits immer wieder preisgekrönt mit Interpretationen zeitgenössischer Musik wie den drei Aufführungen von Helmuth Lachenmanns „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“, hat so gar nichts schneidig-elegantes an sich, sein Dirigierstil ist ganz einfach von einer direkt fassbaren Musikbegeisterung geprägt. Eine Begeisterung, die er sowohl dem Orchester als auch dem Publikum gut vermitteln konnte.

Neben diesen beiden Stücken nahm sich alles andere als wunderschön, aber doch eher harmlos aus. Die – italienische – Sinfonie Nr. 27, KV 199, ist, wie selten bei Mozart, ein eher konventionelles Werk mit freilich einigen Einfällen, die das Genie des Siebzehnjährigen ausweisen. Zagrosek erzeugte hier vor allem schnell wechselnde Atmosphären und Klangfarben. Und Konzertmeister Daniel Sepec, seit drei Jahren auch Professor für Violine an der Musikhochschule in Basel, zauberte französische, aber mit italienischen Stilelementen à la Vivaldi durchsetzte Violinmusik mit einem Konzert von Jean-Marie Leclair, dem „Corelli Frankreichs“ verzierungsreich und filigran. Zusammen mit Beate Weis dann noch eine beglückende Unterhaltung: eine Sonate für zwei Violinen von Leclair.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Hallo-Verden-Festival in der Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Band Aha spielt vor ausverkaufter Bremer Stadthalle

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Löw-Team bucht EM-Ticket - "Sehr zufrieden"

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Jahrestag der Proteste: "Gelbwesten" demonstrieren in Paris

Meistgelesene Artikel

Im barocken Zaubertheater

Im barocken Zaubertheater

Wiedergänger mit Herz

Wiedergänger mit Herz

Wahn und Wirklichkeit

Wahn und Wirklichkeit

„Blechtrommel“ in Bremerhaven: Grass-Klassiker als gut geöltes Bildertheater

„Blechtrommel“ in Bremerhaven: Grass-Klassiker als gut geöltes Bildertheater

Kommentare