Wanda könnten auf dem diesjährigen Hurricane-Festival groß rauskommen

Wiener Schwerenöter

Wanda freuen sich, Menschen glücklich machen zu können. - Foto: Florian Senekowitsch

Scheessel - Von Ralf G. Poppe. Das Hurricane feiert in diesem Jahr seine 20. Auflage. Und in fast jedem Jahr gab es echte Entdeckungen – Jan Delay, Ed Sheeran und Macklemore sind drei von ihnen. Dass bei den bisherigen 19 Auflagen des Hurricane-Festivals viele heutige Weltstars noch auf den kleinen Bühnen beziehungsweise im smarten Festivalzelt debutierten, ist kein Geheimnis. So trat im Jahre 2001 Jan Delay mit der Sam Ragga Band auf der Zeltbühne auf, um sein erstes Solo-Album „Searching for the Jan Soul Rebels“ vorzustellen.

Die Entdeckungen der jüngeren Festival-Geschichte sind der Engländer Ed Sheeran, der 2012 auf der vierten Bühne (im Zelt) auftrat, sowie Macklemore und Ryan Lewis aus Seattle, die 2013 an einem Sonntagnachmittag nicht im Scheinwerfer-, sondern im Sonnenlicht erstmals über den Eichenring fegten.

Die Ehre der Neuentdeckung 2016 könnte dem Wiener Quintett Wanda gebürren. Im Oktober 2014 veröffentlichte die 2012 gegründete Wiener Formation mit „Amore“ ihr Album-Debut. Im Nullkommanix waren Wande Lieblinge der Kritiker und des Feuilletons.

Ein Jahr später gab es einen „Bussi“ zum Nachschlag. Und dieser „Bussi“ schlägt in die gleiche Kerbe wie der Vorgänger. Denn das neue Album war bereits in Teilen fertig, bevor der große Erfolg von „Amore“ überraschte. Das bestätigt Wanda-Keyboarder Christian Hummer. „Zweidrittel von ,Bussi‘ haben wir zur gleichen Zeit aufgenommen, wie die Lieder von ,Amore‘. Ein Drittel der Songs ist im Laufe des letzten Jahres entstanden. Die endgültigen Aufnahmearbeiten sind in den letzten Monaten passiert.“

Wanda sind derzeit ausgebucht – am 29. Februar beglückten sie die ausverkaufte Große Freiheit in Hamburg gar mit einer Hommage an die Beatles. Dennoch ist ihnen bewusst, dass sie in dreieinhalb Minuten nicht die Welt ändern können. In Aufruhr versetzen können sie sie allemal. Unser Interview muss sogar unterbrochen werden, weil ein TV-Sender das Quintett filmen will.

Wünscht sich die Band eigentlich immer noch eine „70er-Jahre-Glam-und-Koks-Karriere“? Hummer lacht: „Das war wahrscheinlich ziemlich am Anfang. Vor unserer einjährigen Tour. Es ist gut möglich, dass wir das damals von uns gegeben haben. Ich glaube, jetzt wünschen wir uns alle einfach ein bisschen Ruhe.“

Auf jener Tour gab es Auftritte mit Kraftklub, in deren Verlauf beide Bands gemeinsam spielten. Hummer erzählt: „Als wir Kraftklub begleiteten, gab es während ihrer Shows eine gemeinsame Einlage. Richtig cool. Wir haben mit zwei Schlagzeugern gespielt, eigentlich mit zweieinhalb. Unser Gitarrist Manuel hat zusätzlich auf eine Tom-Trommel geschlagen.“

Sind Wanda nun Popstars? „Wir haben sicher etwas erreicht. Ob es genau das ist, weiß ich nicht. Doch wir freuen uns sehr, dass wir mit dem, was wir machen, Erfolg und so viel Arbeit haben, dass wir uns nicht unnütz fühlen. Es ist sehr schön, in guter Regelmäßigkeit Leute sehr glücklich machen zu können.“

Wanda-Sänger Michael Marco Fitzthum wurde früher durch die Musik Rio Reisers glücklich gemacht. Jedenfalls soll das eine wichtige Inspiration gewesen sein. Hummer bestätigt das: „Das war auf jeden Fall so. Marco hat das immer wieder erwähnt. Wir haben Reiser auch gemeinsam gehört, als wir noch Zeit hatten, uns der Tourstress noch nicht überwältigt hatte. Als wir uns noch regelmäßig beieinander in den Wohnungen eingefunden haben, um Musik zu hören, da war Rio Reisers Musik auf jeden Fall dabei. Auch Ton Steine Scherben.“

Und wie sieht es mit österreichischer Musik aus? „Ich muss ganz ehrlich gestehen, ich hab mich ganz wenig mit der österreichischen Musikszene beschäftigt, bevor ich nicht selber aktiv geworden bin. Ich habe klassische Musik und Jazz studiert, mich immer mit Rock und Pop beschäftigt. Es war aber nicht üblich, dass man sich mit österreichischer Musik beschäftigt. Das fängt jetzt erst an.“

Das Video zur Single „Bussi Baby“ sorgte im August 2015 für eine mediale Kontroverse, weil darin die 23-jährige „Die Welt“-Redakteurin Ronja von Rönne mitspielt, die einmal sagte: „Feminismus klingt für mich ähnlich antiquiert wie das Wort Bandsalat. Ich habe einfach noch nie erlebt, dass Frausein ein Nachteil ist.“

„Das war Zufall“, sagt Fitzthum. „Ronja ist bekennender Wanda-Fan. Sie hat unseren Manager getroffen, ihm gesagt, sie würde gerne mal etwas mit uns machen, uns kennenlernen. Zwei Wochen später hatten wir eine Video-Deadline, es hat uns nur noch eine Darstellerin gefehlt. So haben wir sie angerufen. Es hat irrsinnig spontan funktioniert. Sie ist nach Wien gekommen und wir haben das Video gemacht.“

Das Hurricane findet vom 24. bis zum 26. Juni auf dem Eichenring in Scheeßel statt. Das Festival ist bereits ausverkauft.

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