Kammerphilharmonie spielt Wagner

Wesendonck zum Zweiten

Angelika Kirchschlager ·
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Angelika Kirchschlager ·

Bremen - Von Wolfgang DenkerManchmal treibt die Programmgestaltung schon seltsame Blüten. Auch wenn das musikalische Jahr 2013 besonders im Zeichen von Richard Wagner steht – müssen seine Wesendonck-Lieder innerhalb von zehn Wochen gleich dreimal in der Glocke erklingen?

Zur Eröffnung des Musikfestes sang sie Anna Caterina Antonacci (in der Orchestrierung von Felix Mottl), Ende Oktober wird Christiane Iven (in einer Fassung für Streichsextett) sie zu Gehör bringen.

Und nun also die „Wesendonck-Lieder“ auch im Konzert der Deutschen Kammerphilharmonie, allerdings in einer wieder anderen Variante, nämlich in der Bearbeitung von Hans Werner Henze. Der schrieb 1976 eine Fassung für Kammerorchester und setzte die Lieder dabei in eine tiefere Lage. Eine Alt- oder Mezzo-Stimme ist hier also gefragt. Angelika Kirchschlager war die prominente Interpretin der fünf Lieder, deren emotionalen Gehalt sie sehr genau traf. Dabei kam es ihr mehr auf den Ausdruck als auf die Entfaltung stimmlichen Glanzes an. Mit ruhigem, strömendem Fluss gestaltete sie den „Engel“ und verdeutlichte die innere Unruhe in „Stehe still!“. Hier entwickelte das Orchester trotz Kammerbesetzung doch sehr massive Klangfluten. Das Lied „Im Treibhaus“, das mit seinen ausgeprägten „Tristan“-Motiven eine besondere Stellung in diesem Zyklus einnimmt, sang sie in düsteren, fahlen Farben. Die Aufschwünge in „Schmerzen“ und in „Träume“ klangen bei Kirchschlager sehr verhalten; vielleicht wäre eine etwas größere Steigerung in der Dynamik hier wirkungsvoller gewesen. Henzes Orchestrierung ist insgesamt sehr reizvoll und rückt den Klang bei „Träume“ sogar in die Nähe von Gustav Mahler.

Zuvor gab es die 1945 entstandenen „Metamorphosen“ von Richard Strauss. „Trauer um München“ hatte Strauss auf seinen Skizzen notiert. Die Wiedergabe dieses von tiefer Trauer durchzogenen Werkes (für 23 Solostreicher) durch die Deutsche Kammerphilharmonie unter der Leitung von Alexander Shelley kam einer Offenbarung gleich. Obwohl es „nur“ ein Auftragswerk war, hat Strauss hier doch seine persönlichsten und tiefsten Empfindungen in Musik gesetzt. Es ist sein persönlicher Abschied von einer in Trümmern liegenden Welt. Was die Musiker hier an sensibler und dichter, dabei immer den Charakter der Soloinstrumente wahrender Klangentfaltung entwickelten, berührte tief. Der Weltschmerz wurde in immer neuen Nuancen bis zum Zerreißen gesteigert. Es war eine Interpretation, die die an Schönberg erinnernde Modernität und die raffinierte Behandlung der Streicher, wie Strauss sie perfekt beherrschte, zu einem erschütternden Ganzen verband.

Mit der Symphonie Nr. 4 e-moll von Johannes Brahms setzte sich die Kammerphilharmonie einmal mehr mit der sinfonischen Großform auseinander. Shelley ging das etwas elegisch und herbstlich gestimmte Werk mit ruhigen Tempi an. Zu bewundern war die Klangbalance, bei der alle Instrumentengruppen gleichberechtigt und gut durchhörbar musizierten. Auch die Übergänge der einzelnen Themen wurden bruchlos und organisch verschmolzen. Den zweiten Satz (Andante moderato) ließ Shelley mit großer Ruhe und ohne größere dynamische Wechsel spielen und führte mit seinem schreitenden Tempo fast auf eine „Wanderschaft“ wie bei Schubert. Vital und mit stampfendem Rhythmus erklang der dritte Satz. Im letzen Teil steuerte Shelley mit sinnvoller Disposition auf das mächtig auftrumpfende Finale zu. Die Variationen der choralartigen Passacaglia wurden mit großer Ruhe genommen, die Soloflöte bezauberte mit feinem Ton. Allerdings bewegten Shelley und die Musiker sich überwiegend im Mezzoforte, sodass es für die großen Steigerungen am Schluss etwas eng wurde. Dennoch eine Wiedergabe auf hohem Niveau, an die sich als Zugabe noch der schmissige Ungarische Tanz Nr. 1 anschloss.

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