Die 34. Literarische Woche Bremen befragt das nicht mehr ganz so starke Geschlecht / Literaturpreis an Setz

Wenn der Mann kriselt – wer tut es dann nicht?

Bremen - Von Johannes Bruggaier(Eig. Ber.) · Mancher hat es schon immer geahnt: Der Mann befindet sich in der Krise. Zumindest könnte es so sein. So ganz jedenfalls trauen die Veranstalter der diesjährigen Literarischen Woche in Bremen dieser These wohl nicht.

„Wir haben hinter unser Motto ein Fragezeichen gesetzt“, erklärt Barbara Lison von der Rudolf-Alexander-Schröder-Stiftung gestern bei der Vorstellung des Veranstaltungsprogramms in der Bremer Stadtbibliothek. Das Thema lautet deshalb nun etwas vage: „Der Mann in der Krise?“

Ob dem so ist oder nicht, wollen vom 21. bis 30. Januar Autoren, Künstler und Wissenschaftler aus aller Welt erforschen. Den Anfang macht dabei der Schriftsteller Wilhelm Genazino. Wer sonst, möchte man fragen, angesichts der vielen Krisen-Männer, die dessen Romane bevölkern. Wie ein roter Faden ziehe sich das Leitthema der Literarischen Woche durch das Œuvre des Autors, betont denn auch Barbara Lison. Genazino liest am 21. Januar um 20 Uhr im Wall-Saal der Stadtbibliothek aus seinem Roman „Das Glück in glücksfernen Zeiten“.

Ausschließlich an Klassen der Bremer Gesamtschule West richtet sich am Vormittag darauf die multimediale Lesung von Finn-Ole Heinrich. Später wollen die Schüler unter Anleitung des Hamburger Autors literarische Texte zum Thema erarbeiten – die sich konsequenter Weise mehr auf den Jungen als auf den Mann im Krisenzustand fokussieren. Die Öffentlichkeit muss draußen bleiben. Schüler, sagt Heike Müller vom Kooperationspartner Virtuelles Literaturhaus, „schreiben nun mal besser, wenn sie unter sich sind“.

Für jedermann zugänglich ist dafür die Ausstellung mit Werken des in Berlin lebenden US-Künstlers Casey McKee (ab 22. Januar, 18 Uhr im Wall-Saal der Stadtbibliothek). Manager beim Kühemelken, Finanzdienstleister im Boxring: McKee, sagt Lison, betrachte die Krise des Mannes aus humoristischer Perspektive. Michael Roes, Träger des Bremer Literaturpreises 1997, ist am Sonntag, 24. Januar, in Bremen zu Gast. Um zwölf Uhr liest und diskutiert er gemeinsam mit seinem Autorenkollegen Gunther Geltinger, ebenfalls im Wall-Saal.

Auf Einladung des Institut Français wagt der französische Soziologe André Rauch am Mittwoch, 27. Januar, den ganz großen Wurf: Die Krise des Mannes beginnt bei ihm mit der Französischen Revolution, genauer gesagt mit der Hinrichtung Ludwigs XVI. Der Vortrag findet um 19.30 Uhr im Institut Français statt. Taz-Redakteurin Ines Kappert befasst sich am Donnerstag, 28. Januar, im Kino 46 mit der Frage, wer denn – so sich der Mann als krisengeplagt empfindet – nicht von einer Krise betroffen sei. Etwa die Frau?

Das Instituto Cervantes hat sich für seinen Beitrag zur Literarischen Woche an der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ein Beispiel genommen. Dort wird sich Argentinien als Gastland präsentieren, was zweifellos eine unverfänglichere Angelegenheit zu werden verspricht als der politisch umstrittene China-Schwerpunkt im vergangenen Herbst. Am Freitag, den 29. Januar, liest nun der argentinische Schriftsteller Andrés Neuman in Bremen seine Kurzgeschichte „Das Glück“ (19.30 Uhr, Instituto Cervantes). Dabei wird sich dann auch erweisen, ob der Titel nur zufällig mit jenem des neuen Genazino-Romans verwandt ist.

Mit Marlene Streeruwitz und ihrem jüngsten Roman „Kreuzungen“ endet die Literarische Woche am 30. Januar (20 Uhr im Wall-Saal der Stadtbibliothek). Außerdem noch im Programm: der bewährte Podcast, erstellt vom Bremer Autor Tim Schomacker. Unter dem Titel „Jungssachen“ hat er Autoren interviewt, das Ergebnis ist bereits seit 4. Januar abrufbar unter http://www.literarische-woche.de.

Womit der alljährliche Höhepunkt der Reihe noch nicht benannt worden ist: die Verleihung des Bremer Literaturpreises. Am 26. Januar erhält der 27-jährige Clemens J. Setz die Auszeichnung (zwölf Uhr in der Oberen Rathaushalle). Dabei ist das Alter zu beachten. Der Förderpreis nämlich geht an Roman Graf, 31 Jahre alt. Dass der zu fördernde Nachwuchsautor den Träger des „großen“ Literaturpreises altersmäßig überflügelt, habe in der Jury zu Kontroversen geführt, verrät Lison.

Nun war Goethe ganze 25 Jahre alt, als er die „Leiden des jungen Werthers“ verfasste. Literaturpreise waren damals noch nicht üblich. Man stelle sich aber vor, er hätte aus Gründen des Altersproporzes einen „Förderpreis“ erhalten: Noch die Nachkommen der Juroren müssten darüber erröten.

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