Bruggaiers Kulturwochen

Und wenn, was dann?

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Michel Houellebecq spielt mit den Ängsten der Pegida-Anhänger - und wirft das Szenario eines islamistischen Frankreichs an die Wand.

Syke - Was war? Was wird? "Bruggaiers Kulturwochen" schauen hin.

Was war?
In Paris greifen Islamisten die Meinungsfreiheit an, und in Dresden marschieren heute wieder die Propheten des abendländischen Untergangs. Derweil entwirft ein Autor das Szenario eines islamischen Frankreichs an die Wand: Michel Houellebecq, der hatte uns in diesem Wahnsinn gerade noch gefehlt. Dabei erscheint mir seine Romanidee durchaus reizvoll. Vielleicht sollte man sich die Mühe gar nicht erst machen, gegen eine gefühlte Islamisierung anzuargumentieren. Viel lohnender könnte es sein, die steile These des untergehenden Abendlands einfach mal hinzunehmen und die Frage zu stellen: Wenn dem so ist, was dann? Wäre es denn schlimm, wenn unsere Urenkel dereinst kein Schweinefleisch mehr essen und an einem jährlichen Fastenmonat Gefallen finden? Oder würden wir uns vielleicht genauso schnell daran gewöhnen wie die heidnischen Sachsen an ihre Christianisierung durch Karl den Großen vor 1200 Jahren? Schon klar: Die Furcht gilt angeblich vor allem den extremistischen Tendenzen, der Burka und den Enthauptungen, dem Ehrenmord und der Scharia. Dass diese Motive nur vorgeschoben sind, beweisen aber allein die Parolen. Denn nicht vom Islamismus ist als Bedrohung des Abendlands die Rede, sondern von einer „Islamisierung“ an sich: Ausdruck einer Vorstellung, wonach 1,5 Milliarden Muslime weltweit ein irgendwie „falsches“, mindestens schlechteres Leben führen als die 18 000 Dresdner „Patrioten Europas“. So ist es anders als behauptet keineswegs die Sorge vor der Scharia und Terroranschlägen wie in Paris, die das Szenario eines Halbmonds über dem Reichstag in den Augen der selbsternannten Retter des Abendlands so furchtbar erscheinen lässt. Sondern der Gedanke, dass sich der eigene Lebensstil einmal doch nicht als der allein seligmachende erweisen könnte.

Was wird?
Bildhauerei des real existierenden Sozialismus: Stolze Arbeiter schreiten mit Spaten zur Tat. Patriotische Bauern recken die rote Fahne gen Himmel. Und ein grimmiger Karl Marx richtet seinen entschlossenen Blick in die Zukunft. Grauenvolles Zeug. Aber nicht nur. Die „Große Neeberger Figur“ etwa von Wieland Förster gilt als zentrales Werk der bildenden Kunst der DDR: ein rätselhaft schmerzvoller Frauenakt fernab jeder politischen Propaganda. Das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen nimmt sie zum Ausgangspunkt einer Ausstellung über die Darstellung des Menschen in der Kunst um 1970. Glaube, das wird interessant.

Termine:
Montag, 20 Uhr, Glocke Bremen: Neujahrskonzert der Bremer Philharmoniker.
Mittwoch, 20 Uhr, Glocke Bremen: Neujahrskonzert der „Philharmonie der Nationen“ mit Justus Frantz.
Donnerstag, 20 Uhr, Glocke Bremen: 1. Abonnementskonzert der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.
Freitag, 20 Uhr, Glocke Bremen: The Harlem Gospel Singers.
Sonntag, 11.30 Uhr, Gerhard-Marcks-Haus Bremen: Eröffnung der Schau „Figur tut weh. Positionen um Wieland Försters Große Neeberger Figur“.
Sonntag, 20 Uhr, Pier 2 Bremen: Andreas Bourani.

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