Fatih Akins Film „Soul Kitchen“ gerät als Bühnenstück in Bremerhaven ein bisschen zu brav

Wenigstens eine veritable Orgie

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Anna (Jennifer Sabel) hilft Zinos (Martin Bringmann) auf die Beine. ·

Bremerhaven - Von Andreas Schnell. Der Reiz daran, einen bekannten Film auf die Bühne zu bringen, liegt auf der Hand: Der Stoff ist erprobt und bekannt. Allerdings ist der Vergleich mit dem Original schon eingebaut. Fragt sich also, was das Theater hat, das der Film nicht kann.

„Soul Kitchen“ von Fatih Akin, eine liebenswert schrammelige Ode auf den Kiez an sich und Hamburgs raue Unterseite, fuhr mit seinem so humorvollen wie herzzerreißenden Drehbuch und einer illustren Besetzung diverse Preise und Nominierungen ein. Woraus sich neben der grunsätzlichen Frage, ob dieser Film, der auch von seinem Lokalkolorit lebt, auch eine zweite Frage ergibt: Ob nämlich das Ensemble eines Stadttheaters ihre Leinwandoriginale, und bei Akin sind sie das ja durchaus auch im doppelten Sinn, zumindest für einen Abend vergessen lassen oder überstrahlen können.

Das gelingt in Tim Egloffs Inszenierung nur teilweise. Martin Bringmann in der Hauptrolle des vom Leben gebeutelten Zinos wäre da vor allem zu nennen. Er bringt ohnehin einen raubeinigen Charme mit, entlockt seiner Rolle aber auch melancholische Zwischentöne, die in Egloffs Inszenierung ansonsten ein wenig fehlen. Andreas Hammer als Zinos Bruder Illias beispielsweise ist zwar als leichtsinniger Schwerenöter nicht übel, bleibt aber darin eindimensional. Jennifer Sabel ist als Physiotherapeutin, die den rückengeschädigten Zinos mit ungewöhnlichen Methoden wieder auf Vordermann bringt, zu brav, Franziska Schlaghecke als Zinos Kellnerin Lucia gibt ihrer Figur immerhin ein wenig Zerrissenheit mit auf den Weg.

Wenigstens sorgt das Raumkonzept für kurze Weil: Es wird im Gastraum von „Storms Söben“ im Bremerhavener Stadtteil Lehe gespielt, in mancher Hinsicht durchaus mit Hamburg Wilhelmsburg vergleichbar, in dem Akins Film spielt, allerdings ist „Storms Söben“ eben keine runtergerockte Kantine, sondern ein frischrenoviertes Lokal. In dem dürfen die Schauspielerinnen und Schauspieler auch mal hinterm Tresen und unter den Tischen spielen, was nicht reizlos ist.

Allerdings entsteht selten mehr als eine Andeutung der entgrenzten Momente des Films, der wenigstens eine veritable Orgie zuwege bringt. Wenig zu nörgeln gibt es an der fünfköpfigen Band, die neben punktgenau gespielten Funk- und Soulklassikern auch „Insane In The Brain“ von Cypress Hill und sogar „Remmidemmi“ von Deichkind im Repertoire hat und in Funk überführt.

Ingesamt hat diese „Soul Kitchen“ zwar Charme, ist aber ein bisschen zu brav geraten, ein wenig zu sehr auf brachialen Humor konzentriert.

Kommende Vorstellungen: morgen sowie am 8., 18. und 28. Mai, jeweils um 19.30 Uhr in „Storms Söben“.

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