„Choreography 33“ in Hannover zeichnet junge Choreografen aus

Wenig zu lachen

So sehen Gewinner aus: Oscar Buthelezi (l.) und Muzi Shili werden für „Road“ bei „Choreography 33“ in Hannover unter anderem mit dem ersten Preis und dem Publikumspreis ausgezeichnet. Fotos: Ralf Mohr

Hannover - Von Jörg Worat. An bewährten Traditionen soll man nicht rütteln. Die Änderungen, die der „Internationale Wettbewerb für Choreographie Hannover“ erfahren hat, sind dementsprechend vorwiegend kosmetischer Natur: Irgendwann wurde ein etwas knackigerer Titel gewählt – die neueste Ausgabe hieß „Choreography 33“ –, und die erlaubte Höchstdauer der vorgestellten Arbeiten beträgt mittlerweile statt 15 nurmehr zwölf Minuten. Kürzer als deren fünf dürfen sie nach wie vor nicht sein, die teilnehmenden Choreografen wiederum nicht älter als 35.

Diesmal hatte es über 300 Bewerbungen aus 54 Ländern gegeben, die Vorjury wählte 19 aus, von denen wiederum neun das Finale erreichten, Die Endrunden des renommierten Wettbewerbs wurden einmal mehr im Aegi-Theater ausgetragen. Eine weitere Neuerung gilt es zu vermelden, war doch die Zahl der Preise erstmals auf zwölf angewachsen – an sich eine schöne Sache, die allerdings die Übersichtlichkeit nicht eben erhöht. Neben Geld gibt es hier auch eine ganz Reihe von Produktionspreisen zu gewinnen, die den Nachwuchskünstlern wichtige Kontakte und die Entwicklung ihrer Arbeiten im professionellen Umfeld ermöglichen.

Zum großen Gewinner des Abends wurde der Südafrikaner Oscar Buthelezi, der nicht nur den mit 6 000 Euro dotierten Hauptpreis der Jury erhielt, sondern auch den Publikumspreis in Höhe von 1 500 Euro und das „Tanja Liedtke Scholarship“ beim Australian Dance Theatre. Die Choreografie „Road“, die Buthelezi im Duett mit dem Kollegen Muzi Shili tanzte, überzeugt durch große Kompaktheit und eine abgestufte Dynamik, in der zurückhaltende Gesten ebenso ihren Platz finden wie heftige Sturzmomente. Bewegungsfluss hier, Hemmung dort: Wer den Stücktitel mit „Lebensweg“ übersetzt, liegt vielleicht nicht ganz falsch.

Wesentlich Stimmigeres war an diesem Abend tatsächlich nicht zu erleben. Zwar wiesen alle Beiträge durchaus individuelle Handschriften auf, doch überwog ein Hang zum inhaltlich Diffusen – dass gerne spärliches Licht und eine eher geräuschhafte Klangkulisse verwendet wurde, hatte insofern symbolischen Charakter. Das zweitplatzierte und mit 3 000 Euro bedachte Duo Danae Dimitriadi und Dionysios Alamanos aus Griechenland etwa wusste mit „Uncia“, einem indisch angehauchten Tanz der Arm und Hände, durchaus zu beeindrucken, doch erlahmte das Interesse beim Zuschauen, sobald das Prinzip einmal etabliert war.

Auffällig und womöglich ein Zeichen der Zeit, dass es beim diesjährigen Wettbewerb kaum etwas zu lachen gab. Dafür zwei Kuriositäten: Den „Ballett Theater Basel Award“ erhielt mit „Finally it‘s everything“ des Norwegers Jon Ole Olstadt eine Produktion, die schon in der Vorschlussrunde ausgeschieden war.

Und „Extinction des Feux“ von der Französin Laetitia Arnaud musste für das Finale kurzfristig umkonzipiert werden, weil die Choreografin, die eigentlich mittanzen sollte, verletzungsbedingt ausfiel – dadurch entstand eine Drei-Personen-Konstellation, die das anrührende Spiel um Schutzlosigkeit und Kontaktsuche womöglich sogar noch spannender machte. Schön, dass dieser mutige Beitrag wenigstens mit einer Residenz beim Internationalen Produktionszentrum Schloss Bröllin belohnt wurde.

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