Wellende Bewegungen zum Ozeansound: „Schweres Wasser“ in der Schwankhalle Bremen

Schönes Schmelzen

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Ein verbindendes Prinzip wäre schon ganz schön gewesen: Magali Sander Fett (r.) und Frauke Scharf servieren in der Schwankhalle ihr „Schweres Wasser“.

Bremen - Von Andreas Schnell. Ursprung des Lebens, zerstörerische Macht, Symbol der Reinheit – da geht so einiges mit dem Wasser. John von Düffel, eigenen Angaben zufolge leidenschaftlicher Schwimmer, hat dem Universalstoff einen Band Erzählungen gewidmet, in denen Wasser Ausgangspunkt und Stoff ist, vom Individuellen hin zum Globalen.

Bevor Magali Sander Fett und Frauke Scharf in der Schwankhalle ihr „Schweres Wasser“ servieren, liest von Düffel aus ebenjenen „Wassererzählungen“, die den Tanzabend inspirierten. Und weist am Ende seines Vortrags darauf hin, dass Buch wie Tanzabend auch den Klimawandel thematisierten, das Abschmelzen der Polkappen und die Schönheit, die dabei entstehe.

Das steht als faszinierende „Was-passiert-dann“-Maschine vorn auf der Bühne: Ein Beutel mit schmelzendem Eis, darunter eine gebogene Platte, die die Tropfen in ein kleines Becken lenkt. Dieses wiederum kippt bei einem gewissen Füllstand und ergießt seinen Inhalt auf eine schiefe Ebene, an deren Ende sich eine heiße Platte befindet, auf der das Ex-Eis zischend verdampft. Die Schmelzgeschwindigkeit kreiert einen Rhythmus, der bei aller anzunehmenden Regelmäßigkeit, die sich aus der Physik ergibt, immer wieder überrascht. Der Bezug zum Geschehen auf der Bühne, einem langen Rechteck, das auch als Projektionsfläche dient (Bühne und Video: Till Botterweck) verläuft dabei sozusagen tangential – erst spät ertönen aus dem Off Passagen aus von Düffels Erzählung. Durchsetzt mit Dialogen, in denen die Tänzerinnen und eine weitere Stimme die Position des Erzählers erörtern, der die Welt durch seine Wahrnehmung erst real und bedeutend werden lässt, aber auch an ihrer Zerstörung teilhat. Aber: Ist es dem Planeten nicht egal, was mit ihm geschieht?

Ähnlich angespielt im mehrfachen Sinne werden andere Erzählungen, nicht immer zum vollen Verständnis, eher als Assoziationsraum, der von den beiden Tänzerinnen durchaus mit Mut zur Lücke bearbeitet wird. Mal klingt von Düffels Erzählung um einen Swimming Pool an, in dem ein sterbender Vater Erinnerungen versenkt hat, wofür Sander Fett und Scharf aus einem Aquarium das Wasser ablassen, ohne dass allerdings dabei allzu viel zum Vorschein käme.

Tänzerisch gehen Scharf und Sander Fett der Frage nach, ob und wie man Wasser tanzen kann. Was sie im Grunde recht eindeutig beantworten. In wogenden, wellenden, schwappenden Bewegungen, teils zu ozeanischem Sound-Ambiente, bewegen sie sich über die Fläche, japsen luftholend, wie die Figur aus von Düffels „Ostsee“. Wobei man als Zuschauer gelegentlich doch ein bisschen aufgeschmissen ist, kennt man die Vorlage nicht. Ist das Eisangeln nun ein Teil der Polarkreuzfahrt? Und wenn ja, warum? Da hilft es auch nicht immer weiter, wenn aus dem Off und auf der Bühne Text gesprochen wird.

Schöne Momente gibt es, wenn der Kontext deutlich wird, sich die Bewegungen der Tänzerinnen auf ihn beziehen, ihn umspielen, ausdeuten. Und auch die auf mehreren Ebenen spielenden Projektionen generieren sehenswerte Momente. Da erscheinen auf der Bühnenrückwand zwei Augen, die beginnen, sich unabhängig von einander zu bewegen, was so banal klingt, wie es verstörend wirkt.

Trotz dieser schönen Einfälle bleibt „Schweres Wasser“ dann doch ein bisschen unbefriedigend, fehlt vielleicht ein verbindendes formales Prinzip, außer der amorphen Wassermetapher, die sich, aufgeteilt in Erzählungen, die auch getrennt voneinander zu lesen sind, schlüssiger gibt als im Fluss eines Tanzabends.

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