Ekat Cordes inszeniert in Oldenburg „Die Unendliche Geschichte“

Welch eine Macht

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Retter Phantásiens: Atréju (Henner Momann) auf seiner Mission. ·

Von Corinna LaubachOLDENBURG · Es zischt, es knallt, es blitzt. Ein Angsthase darf man hier nicht sein. Weder in der Geschichte auf der Bühne, noch im Publikum. Sonst ergeht es einem womöglich wie Bastian (René Oley) und man landet kopfüber in der Mülltonne. Wie gut, dass es die Fantasie und Bücher gibt, die einen im Falle Bastians aus der tristen Gegenwart entführen.

Seine Mutter ist vor kurzem verstorben, der Vater (René Schack) hilflos, die Mitschüler hänseln den schüchternen Jungen. Beim schrulligen Buchhändler Koreander (Hartmut Schories) stiehlt er einen dicken Wälzer – den er nicht mehr aus den Händen legen kann und dessen Inhalt in den kommenden zwei Stunden Bastian und das gesamte Publikum im Oldenburgischen Staatstheater gefangen nehmen wird: „Die Unendliche Geschichte“.

In Zeiten von Harry Potter, Twilight & Co mag es nicht einfacher geworden sein, Kinder für Theatermagie zu begeistern. Doch auch im Theater sind große Fantasy-Spektakel möglich, wie das diesjährige Wintermärchen mit Michael Endes Kinderbuch-Klassiker beweist. Matthias Grön hat das Buch für die Bühne bearbeitet und dabei kindgerechten Grusel-Spaß entfacht.

Mit Ekat Cordes ist ein junger Regisseur gefunden, der es versteht, in eine Welt zwischen Wirklichkeit und Fantasie zu entführen. Im Großen Haus gibt es mit dieser Aufführung nicht nur viel zu erleben, sondern vor allem zu sehen und zu staunen. Anike Sedello (Bühne) und Dinah Ehm (Kostüme) durften wiederum ihrer Fantasie freien Lauf lassen und erschufen ein wahrlich fantastisches Reich Phantásien. Eine Gestalt ist gruseliger, sehenswerter, verrückter als die andere. Mittendrin Bücherwurm Bastian und Atréju (Henner Momann), der junge Jäger, der im Namen der Kindlichen Kaiserin zum Retter Phantásiens werden soll.

Borkentrolle, Windriesen, Sumpfwesen, die alte weise Schildkröte Morla (herrlich aus Mülleimer-Deckeln) und der fliegende Glücksdrache Fuchur, mit all ihnen gibt es ein spannendes Wiedersehen auf der Bühne – und ab und an durchaus magische Momente. Atréju macht sich auf den Weg durch sein Reich und muss eine gefährliche Prüfung nach der nächsten bestehen. Zwei Stunden lang fiebert das Publikum mit, will sich am liebsten wie Bastian in eine Decke verkriechen und vor Anspannung an den Fingernägeln kauen. Wird der kleine mutige Jäger es schaffen? Bastian und Atréju – ein Spiegelbild, das sich ergänzt. Das erkennt auch der scheue Bastian, der immer mehr in die Handlung hineingezogen wird. Er ist es, der das fantastische Reich vor dem Verschlingen durch das Nichts bewahren kann. Er kann der Kindlichen Kaiserin einen Namen geben und sie so vor dem Tod und dem Untergang bewahren. Welch eine Macht.

Ekat Cordes präsentiert mit seiner bunten Inszenierung ein fantastisches Abenteuer voller wundersamer Wesen. Je mehr die Handlung voranschreitet, desto größer wird der bühnenreife Fantasy-Reigen für groß und klein (ab acht Jahre). Tosender Applaus.

Weitere Vorstellungen: heute um 10 und 12.30 Uhr, am 30. November um 10.30 Uhr, am 3. und 4. Dezember um 11.30 Uhr.

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