„Galerie für Fotografie“ zeigt finale Positionen des VGH-Fotopreises

Weite Landschaften

Für ihre Serie „Hiding from Baba Yaga“ ist Nanna Heitmann am sibirischen Jenissei-Fluss entlanggefahren. Foto: nanna heitmann

Hannover - Von Jörg Worat. Minderwertige Ausstellungen in der „Galerie für Fotografie“? Die wird es so schnell nicht geben. Und in der aktuellen Schau wäre mangelnde Qualität besonders erstaunlich, denn zu sehen sind Positionen, die es ins Finale beim VGH-Fotopreis geschafft haben. Mit 10 000 Euro dotiert, rangiert diese Auszeichnung bundesweit in der Spitzenklasse. Sie wird ausschließlich unter den Studierenden des hannoverschen Studiengangs „Fotojournalismus und Dokumentarfotografie“ vergeben, und dass dieser aus gutem Grund auf internationaler Ebene großes Renommee genießt, macht diese Ausstellung einmal mehr deutlich.

Der genannte Betrag ist Jan Richard Heinicke für seinen Zyklus „Melting Point“ zugesprochen worden. Der Fotograf hat ein Team von Meeresforschern, das sich mit der rasant zunehmenden Erwärmung der Arktis beschäftigen, auf einer Expedition entlang der Ostküste Grönlands begleitet. Die dabei entstandene Bilderserie kreist in beeindruckender Manier um die Verbindung von Wissenschaftsdarstellungen und Naturmotiven. Bei der Präsentation in der Galerie hat man sich etwas einfallen lassen, wirkt sie doch eher wie eine Installation, da beispielsweise schon mal ein wissenschaftliches Instrument zwischen den Fotografien an der Wand prangt.

Ein klein wenig schade ist es schon, dass die anderen Finalisten lediglich „eine lobende Erwähnung“ bekommen haben. Doch müssen sie sich deswegen nicht unbedingt Sorgen um ihre Zukunft machen: Die Deutschrussin Nanna Heitmann etwa hat unlängst mit der Ernennung zum Nominee der Agentur Magnum so etwas wie einen Ritterschlag der Branche erhalten. Für Ihre Serie „Hiding from Baba Yaga“ ist sie den sibirischen Jenissei-Fluss entlanggefahren, und ihre Aussage „Ich suchte nach traumähnlichen Bildern“ löst sich ein – die Aufnahme eines galoppierenden Pferdes in einer weiten Landschaft wirkt wie ein Gemälde und ist vielleicht der größte Hingucker in der Ausstellung.

Andy Happel hat in sehr prägnanten Bildern chinesische Jugendliche auf ihrem Weg zwischen traditionellen Werten und dem Wunsch nach Selbstverwirklichung eingefangen. Stefanie Silber begleitete Rosi Evers, eine Frau mit Down-Syndrom, die 64 Jahre lang in und mit ihrer Familie lebte. „Die Nachfahren der Wölfe“ hat Jana Mai besucht – mit diesem Titel sind die Bewohner Gagausiens gemeint, eines autonomen Gebiets in der Republik Moldau, und in diesen Aufnahmen entfaltet sich in der Tat eine zuweilen archaisch anmutende Welt, die nach ihren eigenen Regeln zu funktionieren scheint.

Ole Spata schließlich ist in der Serie „Artefakte einer Teilung“ der Frage nachgegangen, wie sich der Verlauf der Berliner Mauer 30 Jahre nach der Öffnung darstellt. Herausgekommen sind dabei Szenerien, die teils nachdenklich stimmen, teils etwas unwirklich daherkommen. Und nicht selten beide Sichtweisen miteinander vereinen, wenn man etwa das lockere Treiben auf einer Fotografie betrachtet, das friedvoller kaum sein könnte – doch wo die Menschen hier so entspannt chillen, war einst der Todesstreifen.

Sehen

Die Ausstellung zum „VGH-Fotopreis 2019“ ist noch bis zum 12. Januar geöffnet. Die Galerie ist von donnerstags bis sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.

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