Schwankhalle stellt Programm der neuen Spielzeit vor

Wann ist ein Mann ein Mann?

Schlechte Laune zur Saisoneröffnung: „Great Depressions“ mit Mammut.
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Schlechte Laune zur Saisoneröffnung: „Great Depressions“ mit Mammut.

Bremen – Am 13. März war auch in der Schwankhalle in Bremen Schluss mit lustig: Der Spielbetrieb wurde wegen Corona eingestellt. Dabei lief es gerade so gut. Nach einem mäßigen Spielzeitbeginn waren die Abende beinahe sämtlich ausverkauft, berichtet Marta Hewelt, Geschäftsführerin des Hauses. Gemeinsam mit Florian Ackermann, der bis zur Findung einer neuen Leitung von Pirkko Husemann die künstlerische Leitung übernommen hat, Programmmitarbeiterin Judith Strodtkötter sowie Magali Sander Fett und Ulrike Osten vom Tanzkollektiv Bremen stellte sie gestern der Presse das Programm der neuen Spielzeit vor.

44 der für die Zeit des Lockdowns geplanten Veranstaltungen werden nachgeholt – was dem Haus auch finanziell hilft, weil die Kosten dafür zumindest teilweise ins kommende Jahr fallen. Das bedeutet aber nicht, betont Hewelt, dass die neue Spielzeit im Grunde die Vollendung der letzten Husemann-Saison ist. Das Programm der nächsten Monate werde weitgehend wie geplant über die Bühne gehen. Das meiste davon sei mehr oder weniger zufällig coronakompatibel, erklärt Ackermann.

Damit bleibt auch der erste große Schwerpunkt: „To Die like A Man – Wohin mit der Maskulinität?“ Und der ist dringlicher als es klingen mag. Zwar muss die geplante Lesung mit Klaus Theweleit ausfallen – sein 1 200 Seiten starkes Buch „Männerphantasien“, erstmals 1977/78 veröffentlicht und 2019 neu aufgelegt, hat in den vergangenen Monaten erneut für Diskussionen gesorgt – vor allem hinsichtlich rechtsextremistischer Massenmörder wie Anders Breivik oder dem Christchurch-Attentäter Brenton Tarrant.

Der Programm-Schwerpunkt verspricht dementsprechend Auseinandersetzungen mit sogenannter toxischer Männlichkeit und tradierten Geschlechtervorstellungen. Eröffnet wird der Reigen am 11. September mit dem Stück „Great Depressions“ von Jan Philipp Stange, der seinen Darsteller Malte Scholz und ein „mit maximaler Zärtlichkeit“ singendes Mammut in einer Höhlenwelt über Depression, Suizid und Männlichkeit sowie die Geschichte des Neandertalers sinnieren lässt.

Wie gemacht für pandemische Zeiten scheint die Stadtrauminszenierung „Der Apparat“ von der Gruppe Mobile Albania, die allerdings schon 2018 in Bremen Premiere feierte. An drei Wochenenden im September ermöglicht die Produktion Ferngespräche zwischen Unbekannten, geführt auf über den Stadtteil Buntentor verstreuten Hochstühlen. Die oft beschworene Entschleunigung in Corona-Zeiten realisiert sich hier über die analogen Übertragungswege, die die Unterhaltungen nachhaltig entzerren.

Ein weiterer Programmschwerpunkt sind die Bremer Produktionen. Michael Rettig setzt sich in „Édouard Louis: Wer hat meine Vater umgebracht“ ebenfalls mit Mänlichkeitsvorstellungen auseinander und schließt damit an seine Arbeit über Didier Eribons „Reise nach Reims“ an. Katrin Bretschneider setzt sich in „moter.HOOD“ mit der Mutterwerdung auseinander, und Jan van Hasselt berichtet von seinen Erfahrungen in Pakistan.

Mehr regionale Kunst gibt es vom „TanzKollektivBremen“, das für zwei Jahre als „Hausgenoss*innen“ der Schwankhalle residiert und dramaturgisch, technisch sowie räumlich unterstützt wird. In dieser Zeit präsentiert das Kollektiv neue Choreografien, aber auch das Format „Speeddating“, bei dem Überraschingsgäste mit den Tänzern kooperieren.

Apropos Kooperationen: Auch die Projektgruppe Neue Musik ist mit ihrer jährlichen Tagung wieder Teil des Programms. Ferner veranstaltet die Schwankhalle mit dem Theater Bremen im Mai 2021 das Outnow!-Festival für junge Bühnenkunst. Und auch überregional und international ist das Haus gut vernetzt: Die Produktionsplattform „Freischwimmen“, das NFT – Netzwerk Freier Theater und das gemeinsam mit der Bremer Hochschule für Künste betriebene „Dynamische Archiv“ gehören zu den Partnern der Schwankhalle. Für reichhaltige ästhetische Impulse ist also auch gesorgt, bis 2022 eine neue Leitung übernimmt.

Das ganze Programm

www.schwankhalle.de

Von Rolf Stein

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