Zentrum für Künstlerpublikationen zeigt „Kapielskis Buch-, Flach- und Krachwaren“

Wagner in zwei Minuten

Die kleinste Theke der Welt in „Einfaltspinsel Ausfaltspinsel“. Foto: Bettina Brach

Bremen - Von Rolf Stein. Herr Kapielski ist ein ganz feiner Mann. Das sagt er selbst, deswegen schon muss es stimmen. Selbst nachhören können Sie das ab morgen Abend im Kabinett des Zentrums für Künstlerpublikationen in der Weserburg.

Angst, Kapielski über Kapielski zu verpassen, müssen Sie dabei nicht haben. Per Endlosschleife ist das über Kopfhörer immer und immer wieder zu hören. Thomas Kapielski, der Künstler, der dieses tönende Eigenlob verantwortet hat, weiß derweil natürlich dass auch Eigenverlag stinkt – EVS heißt dann auch eines der Labels, unter denen der Künstler seine Werke verlegt.

Dieser salopp wirkende Gestus, in der auch andere Arbeiten Kapielskis gehalten sind, sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kapielskis schillerndes, sich reich verzweigendes Oeuvre große Tiefe hat. Die liegt nicht zuletzt in der Unbefangenheit begründet, mit welcher der bekennende Stammtischbesucher das vermeintlich Hehre vom Sockel holt, wenn er den „Ring der Nibelungen“ auf zwei Minuten eindampft, und das angeblich Profane zur Kunst erhebt. Das Original Oberkreuzberger Nasenflötenorchester, in dem Kapielski unter anderem mit Hermann Halb von den Lassie Singers musiziert, ist da nur ein Beispiel.

Um die thematische Spanne des Werks anzudeuten, sei als ein weiteres Exempel das Buch „Der Einzige und sein Offenbarungseid. Verlust der Mittel“, genannt, das ungeniert auf das Hauptwerk des anarchistischen Philosophen Max Stirner verweist, der mit seiner Milchwirtschaft einst pleite ging. Sogar im renommierten Merve-Velag, der mit Bänden von Foucault, Deleuze und Guattari Generationen von Philosophiestudenten prägte, erschienen zwei Bücher von Kapielski: Neben einer vollständigen Sammlung der gedruckten Veröffentlichungen Kapielskis sowie Ton und Video-Dokumentationen performativer Arbeiten zeigt die Ausstellung „Kapielskis Buch-, Flach- und Krachwaren“ auch einige Tonträger, darunter eine Veröffentlichung des Nasenflötenorchesters im Zehn-Zoll-Vinyl-Format, eine Langspielplatte, die er in den frühern 80er-Jahren mit Frieder Butzmann aufgenommen hat, und objekthafte Arbeiten. Eines davon bringt die spielerische, aber eben immer auch kritische Haltung zum Kunstbetrieb allerliebst auf den Punkt: „Das Gesamtluftwerk“ ist eine Zusammenstellung aller Bücher Kapielskis zum Aufblasen. Im Zentrum für Künstlerpublikationen ist ein Exemplar dieser Edition als Leihgabe des Galeristen und Sammlers Udo Seinsoth zu sehen. Das Plakat zur Ausstellung, die das Zentrum übrigens zum allergrößten Teil aus dem eigenen Bestand bestückt, hat Kapielski selbst gestaltet, zur Eröffnung wird er zugegen sein. Die Ausstellung wiederum rahmt das Lyrikfestival „Poetry on the road“, das am Freitag, den 24. Mai mit einer Eröffnungsgala im Theater Bremen in die Vollen geht.

Eröffnung:

Donnerstag, 19 Uhr; Ausstellung vom 17. Mai bis 1. September, Zentrum für Künstlerpublikationen in der Weserburg.

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