Im Jahr seines 200. Geburtstags widmen sich dem Komponisten bundesweit zahlreiche Ausstellungen

Wagner für die Augen

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„Keine Angst vor Wagner!“ Leicht gesagt – auf Arno Brekers Büste vor dem Bayreuther Festspielhaus blickt er jedenfalls ziemlich herrisch drein. ·

Syke - Von Veit-Mario Thiede„Richard Wagner ist ohne Zweifel eine der bedeutsamsten und folgenreichsten Erscheinungen der europäischen Kulturgeschichte.“ So urteilt treffend Sven Friedrich, der Direktor des Bayreuther Richard Wagner Museums. Anschaulich machen das zahlreiche Ausstellungen, die anlässlich des 200. Geburtstags von Wagner in Sachsen, Thüringen und Bayern veranstaltet werden.

Geboren wurde er am 22. Mai 1813 in Leipzig. In Dresden wurde er zum Königlichen Hofkapellmeister ernannt. Sehr zum Ärger seiner Gattin Minna (1809-1866) verlor Wagner diese lukrative Anstellung jedoch in Folge seiner Beteiligung an der bürgerlichen Revolution in Sachsen, die 1849 scheiterte. Er floh ins Exil nach Zürich. Wagners Exil- und Wanderjahre führten ihn schließlich nach Wien. Der gern in Samt und Seide gekleidete, feierlustige und teuer wohnende Dirigent, Komponist, Tabakschnupfer, Hundehalter und Schürzenjäger lebte weit über seine Verhältnisse und häufte einen riesigen Schuldenberg an. Wagners Retter war König Ludwig II. von Bayern. Er beglich die Schulden seines Idols und wurde dessen größter Förderer. Die Errichtung des Bayreuther Festspielhauses stellte der König mit einem Kredit sicher. Zudem trug er mit einem Geldgeschenk zum Bau von Wagners Haus bei, der es auf den Namen „Wahnfried“ taufte. Das Haus, in dem Wagner mit seiner zweiten Gattin Cosima (1837-1930) und den gemeinsamen drei Kindern wohnte, beherbergt heute das Richard Wagner Museum. In dessen Garten liegt der 1883 in Venedig gestorbene Hausherr begraben.

Wagners Leben und Werk bieten reichlich Stoff für Ausstellungen. Und so wird am 21. Mai in der Alten Nikolaischule von Leipzig die Dauerausstellung „Der junge Richard Wagner“ eröffnet. Bereits ab 21. Februar wird im Stadtgeschichtlichen Museum die Sonderschau „Zwischen Leipzig und Bayreuth“ alle Schaffensstationen Wagners vorstellen. Für seine Opern ließ er besondere Musikinstrumente wie die Meistersinger-Harfe, Trommel-Maschinen und gestimmte Ambosse bauen. Sie sind in der Sonderausstellung „Musikinstrumente für Richard Wagner“ zu sehen und hören, die am 17. Mai im Leipziger Museum für Musikinstrumente eröffnet wird. Das Stadtmuseum Dresden präsentiert ab 27. April „Richard Wagner in Dresden – Mythos und Geschichte“.

Nahe Dresden liegt Graupa, wo Wagner 1846 die Kompositionsskizze zur Oper „Lohengrin“ verfasste. Graupas neueste Attraktion ist das im Jagdschloss untergebrachte Richard-Wagner-Museum. Es wird am 12. Januar eröffnet. Die Dauerausstellung widmet sich unter dem Motto „Keine Angst vor Wagner! Oper ist ein Erlebnis“ den besonderen Qualitäten seines musikdramatischen Schaffens. Der gängigen Oper als Nummernrevue mit Pausen zwischen Sprechtexten, Arien, Duetten, Chorgesang, Rezitativen und instrumentalen Zwischenspielen setzte Wagner eine revolutionäre neue Idee entgegen: „Das Bühnenwerk als symphonisches Ganzes, als durchkomponiertes Drama, als unendliche Melodie“, wie es Wagner-Biograf Walter Hansen formuliert. „Die utopische Vision einer befreiten Menschheit mittels Erlösung durch Liebe“ beurteilt Sven Friedrich als weltanschaulich-dramaturgische Grundintention der Werke.

Nach Bayreuth besitzt Eisenach mit weit über 20 000 Objekten die weltweit zweitgrößte Sammlung zu Leben und Werk Wagners. Deren Glanzstücke werden ab 18. Mai im Stadtschloss gezeigt. In der über Eisenach gelegenen Wartburg beginnt am 18. Mai eine Sonderschau, die sich mit der Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“ befasst. Am 15. März wird in der Bayerischen Staatsbibliothek München die Sonderschau „Wagner und München 1864 bis 1865“ eröffnet, in deren Mittelpunkt die Uraufführung von „Tristan und Isolde“ (1865) steht. Das Deutsche Theatermuseum München wartet ab 22. Mai mit der Schau „Der Ring des Nibelungen in München“ auf. Nürnberg befasst sich mit den „Meistersingern“. Ab 18. Januar läuft im Stadtmuseum Fembohaus die Sonderschau „Hans Sachs, Richard Wagner und der Nürnberger Meistergesang“. Die von Wagner mit größter Sorgfalt angefertigte, über 400 Seiten starke Partitur der Meistersinger ist ab 21. Februar im Germanischen Nationalmuseum zu sehen.

Im DB Museum heißt es ab 15. Mai „Götterdämmerung“. Unter diesem Titel wird die Wanderausstellungsversion der Bayerischen Landesausstellung 2011 über König Ludwig II. gezeigt, in der die Beziehung zwischen Wagner und seinem Obermäzen eine gewichtige Rolle spielt. Bayreuths Richard Wagner Museum wird bis nächstes Jahr saniert und erweitert. Zwar ist deshalb die Wagner-Sammlung unzugänglich, aber ab 25. Juli wird im Rohbau die von Nürnberg nach Bayreuth weiter gewanderte „Götterdämmerung“ zu sehen sein.

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