Als wäre es gerade erfunden

Maria João Pires verabschiedet sich von Bremen mit Mozart

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Maria João Pires

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Fast zwei Jahre ist es her, dass Maria João Pires mit der deutschen Kammerphilharmonie unter der Leitung von Trevor Pinnock eine unvergessliche Interpretation des letzten Klavierkonzerts von Wolfgang Amadeus Mozart spielte.

Ihr Weltrang als Mozartinterpretin lockte auch nun wieder das Publikum: Die 73-jährige Portugiesin machte am Wochenende auf ihrer Abschiedstournee in der ausverkauften Bremer Glocke Station und hatte dabei gleich zwei Mozart-Konzerte im Gepäck: das Konzert in Es-Dur KV 271 und das Doppelkonzert in Es-Dur, KV 365.

„Musik ist die Wahrheit über die Welt, die wir nicht kennen“, hat Pires einmal gesagt, und so sind ihre Wiedergaben eine Welt voller Geheimnisse, für die sie immer wieder neue und andere Anschlagsnuancen hervorbringt. Die Selbstverständlichkeit, mit der sie sensible Tonschönheit, gestochene Transparenz und die skulpturenhafte Herausarbeitung kleinster Gesten vereint, sucht nach wie vor ihresgleichen. Bei Pires kommt alles von innen, darin ist sie nur mit der großen Clara Haskil vergleichbar. Die Kunst, mit der sie Pausen aushorcht und erneut ins Thema fällt, verschafft dem außerordentlichen Konzert KV 271 eine unbeschreibliche Frische, ja Spontaneität, als wäre es eben komponiert worden. Gleichzeitig bewirken die Harmonien und Klangfarben des zweiten Satzes bedrückende Tiefe.

Von gleicher Intensität erklingt das Doppelkonzert KV 365, das Pires mit ihrem Schüler Julien Libeer spielte: Die Jungen können von Glück sagen, von einer Persönlichkeit wie Pires unterrichtet zu werden, denn sie verbindet mit ihrem beglückenden Klavierspiel eine oft harte, aber berechtigte Kritik am Musikbetrieb. Die Parts sind anspruchsvoll, und da Mozart das Konzert für sich und seine Schwester geschrieben hat, kann man daran erkennen, wie gut sie Klavier spielte, bevor sie in ihrer Ehe verschwand. 

Verzaubernd und energisch bewältigen Pires und Libeer die vielen Korrespondenzen, die nicht gerade einfach zu spielenden schnellen Parallelläufe. Für beide Konzerte ist das Orchester unter der Leitung von Trevor Pinnock ein inspirierter Begleiter, manche Dynamikvorschrift hätte allerdings gerne etwas deutlicher ausfallen dürfen wie im langsamen Satz des Doppelkonzerts, in dem ein Pianissimo eben doch nur ein harmloses Mezzopiano war.

Beide Konzerte haben interessante und gut überlegte „Einleitungen“: Während Mozart in seinen Konzerten nach vorne schaut, wagen Gabriel Fauré mit „Masques et Bergamasques“ op. 112 und Ferrucchio Busoni Rückblicke: Fauré mit stilisierten Tänzen und Busoni zum Tod seiner Mutter mit „Des Mannes Wiegenlied am Sarge seiner Mutter“.

Mit der Eleganz des Fauré-Stückes und den ineinanderfließenden Klängen Busonis ist es ein wunderbares Abschiedskonzert.

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