Richard Wagners „Rheingold“

„Vom Wesen des Eigentumes“

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Korruption, Ausbeutung und Mord sind hier an der Tagesordnung: Szene aus der Oldenburger Inszenierung von Richard Wagners „Rheingold“.

Oldenburg - Von Ute Schalz-Laurenze. Ein gut platziertes „Bravo“ ging dem Beifallssturm nach der Aufführung von Richard Wagners „ Rheingold“ am Oldenburgischen Staatstheater am Samstag voraus. Zu Recht. Nach dem „Vorabend“ des „Ring des Nibelungen“ ist der gesamte Zyklus erstmals in der Geschichte des Oldenburgischen Staatstheaters geplant. Der Mythos der Nibelungen erlaube, so Richard Wagner, eine „ungemein scharfe Erkenntnis vom Wesen des Besitzes, des Eigentumes“.

Der Anfang einer solchen Weltvorstellung – 1854 geschrieben, 1869 in München uraufgeführt und 1876 zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele gespielt – gelingt in Oldenburg nahezu perfekt: in der präzisen und empfindlich transparenten musikalischen Wiedergabe unter Generalmuikdirektor Hendrik Vestmann, in der durch Realismus und gut gesetzte Komik verführerischen szenischen Konzeption des Österreichers Paul Esterházy, in der überragenden Leistung der Sänger, die ausnehmend gut artikuliert sprechen, und im braun gefärbten malerischen Bühnenbild (und Kostümen) von Mathis Neidhardt. Für die Tiefe des Rheins, für die Riesen Fasolt und Fafner, für den Zwerg Alberich, muss man – und alle großen Regisseure haben es getan – Bilder erfinden. Denn alle Personen bei Wagner sind als Götter, Zwerge und Riesen keine Menschen, sondern Ideen, allenfalls Triebverkörperungen.

Esterházy baut daraus auf der Stelle eine realistische Kleinbürger- oder Bauerngesellschaft aus Menschen, die sich belauern, bekriegen, sich Beine stellen, Korruption, Ausbeutung und Mord betreiben, alles im abgedunkelten Bauernhaus mit vielen Zimmern aufgrund einer genialen Drehbühne. Die quirlige Konversationsebene lässt Esterházy genauso zu wie ein ausgeprägtes, zum Teil komisches Zaubertheater. Alberich, der kleine Mann von unten, sitzt im Vorspiel zunächst einmal auf dem Klo. Dann sind die Rheintöchter in einer Waschküche zu sehen, Wotan sitzt im Ehebett mit seiner Frau Fricka, die später an einem endlos langen Schal in Regenbogenfarben strickt.

"Große sozialistische Rosinen im Kopf“

Daraufhin entfaltet sich in der bürgerlichen Bauernstube die Tragödie und gleichermaßen eine Komödie. Die „Baulöwen“ Fafner und Fasolt verlangen ihren Lohn für den Bau von Walhall, Alberich beutet die Arbeiter in Nibelheim aus – krass und realistisch lässt Vestmann die Klänge der Ambosse erklingen.

Alberich verwandelt sich in eine Kröte, der intellektuelle Loge als agiles Element der Zerstörung wuselt durch die Szenen, Wotan schlägt Alberich den Unterarm ab, an dessen Finger der Goldring hängt, Urmutter Erda warnt Wotan vorm Besitz des Goldes. Alles Figuren bleiben bei Esterházy Menschen, die mehr oder weniger ihr Unwesen mit anderen treiben. Das ist deutlich – im Herbst 1848 hatte Wagner laut Schauspieler Eduard Devrient „wieder große sozialistische Rosinen im Kopf“. Zum Glück vermeidet Esterházy eine bedeutungsschwangere Interpretation, die ihrerseits interpretationsbedürftig wäre.

Große Sängerleistungen sind zudem zu bewundern, die allein die Reise nach Oldenburg lohnen lassen: Johannes Schwärsky ist ein intensiver und dämonischer Alberich, Timothy Oliver ein smarter und agiler Loge, Ann-Beth Solvang eine beschwörende Erda. Und das übrige Ensemble hält glänzend mit: Daniel Moon als Wotan, Melanie Lang als Fricka und Sarah Tuttle als Freia können überzeugen. Wagner an kleinen Bühnen? Ja natürlich!

Weitere Vorstellungen: Mittwoch, 15.2., Samstag, 25.2., Samstag, 4.3., 19.30 Uhr, Staatstheater Oldenburg

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