Virtuoses Straßentheater und viel Musik: Kulturfestival der „jazzahead!“ startet

Mit lichtgeschwinden Raps zur Anarchie

Elegische Töne schlagen Erik Truffaz und seine Musiker zur Eröffnungen des „jazzahead!“-Kulturfestivals im Theater Bremen an.
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Elegische Töne schlagen Erik Truffaz und seine Musiker zur Eröffnungen des „jazzahead!“-Kulturfestivals im Theater Bremen an.

Bremen - Von Andreas Schnell. Besser hätte es am Donnerstag eigentlich kaum kommen können: Auf dem Goetheplatz haben für zwei Tage ein paar sympathisch durchgeknallte Künstler aus Marseille einen mobilen Kiosk aufgebaut, an dem es Pastis und Rotwein gibt sowie einen DJ, der alte französischen Hits spielt – von Vinyl und mit Ansage. Derweil der Frühling sich pünktlich zur Eröffnung des fünften Kulturfestivals der zehnten „jazzahead!“ herausgeputzt hat. Und sogar alle Künstler haben es trotz des Streiks der französischen Fluglotsen einigermaßen pünktlich nach Bremen geschafft. - Von Andreas Schnell.

Entsprechend gut gelaunt geht es dann auch im Theater am Goetheplatz zu, wo die Festivaleröffnung gefeiert wird. Moderatorin Britta Lumma vom Nordwestradio plaudert mit dem gut aufgelegten künstlerischen Leiter der Messe, Uli Beckerhoff, bevor fünf junge Tänzer von der französischen Hip-Hop-Compagnie Black Blanc Beur Auszüge aus ihrem neuen Stück „Paradoxe“ vorstellen, das heute um 20 Uhr in kompletter Länge in der Schwankhalle zu sehen ist. Ein virtuoses Straßentanztheater, dass sich mit den Gegensätzen der modernen französischen Gesellschaft beschäftigt, die bekanntlich auch nicht so sehr viel anders als die deutsche ist. Dass es dabei trotzdem zu Übersetzungsfehlern kommen kann, beweist Moderatorin Lumma, als sie den Namen der Truppe mit „Schwarz, Weiß, Butter“ übersetzt. Damit unterschlägt sie nicht nur zwei französische Buchstaben, sondern gleich auch noch die politisch programmatische Dimension der Compagnie: Das „beur“ im Namen steht für die immigrierten Araber – und schreibt sich natürlich auch noch anders als die Butter, die, ein Blick ins Wörterbuch genügt, bei den Nachbarn „beurre“ heißt.

Die den Tänzern folgende Sängerin Emily Loizeau lässt Lumma dann auch noch auf der Bühne mit ihrem Cellisten Olivier Koundoun allein, während die Techniker noch umbauten. Was Loizeau aber souverän überspielt. Schnell erobert sie die Herzen im Saal mit ihrem mal englisch, mal französisch gesungenen Repertoire zwischen Jazz, Blues, Pop und Folk. Teils begleitet sich sie sich dabei am Flügel, mal liefert Koundoun allein das Fundament für Loizeaus mal exaltierte, mal anrührend schlichte Vokalisen. Dabei behandelt er sein Instrument gern auch ungewöhnlich, spielt es beispielsweise beinahe wie eine Gitarre, wie bei Loizeaus Interpretation des Neil-Young-Songs „Pocahontas“, oder präpariert es mit einem Maßband zwischen den Saiten.

Mit dem gemeinsamen Auftritt von Bas Böttcher und seinem französischen Kollegen DJIZ steht vor der Pause ein weiteres Genre auf dem Programm: Slam-Poetry. Wobei vor allem der Franzose technisch ebenso beeindruckt wie mit seinem anarchischen Witz. Für seine Tiraden begleitet er sich selbst auf dem Kontrabass, seine lichtgeschwinden Raps versetzt er mit mundgemachten Geräuschen, die das Scratching von DJs ebenso imitieren wie Vogelstimmen.

Den Abschluss des Abends bildet das Set des französischen Trompeters Erik Truffaz mit seinem Quartett, das neben Truffaz selbst aus Marcello Guiliani (Bass), Benoit Corboz (Keyboards) und Arthur Hnatek (Schlagzeug) besteht. Sein stark von Miles Davis beeinflusstes Spiel, beinahe ansatzlos, kaum Vibrato, steht dabei in Kontrast zu seiner kraftvoll aufspielenden Band. Vor allem Arthur Hnatek legt ein schwer groovendes Fundament, das Guiliani mit satten Linien ausbaut. Diesen energischen Sound bricht Truffaz ab und an auf, um im Duett mit Corboz elegischere Töne anzuschlagen. Was angesichts der nicht immer ganz klaren Abmischung der elektrischeren Stücke, die in erhabener Lautstärke den Saal beschallen, eine willkommene Abwechslung ist. Für eine Zugabe bittet Truffaz dann auch noch DJIZ auf die Bühne, dessen Witz auch hier subversive Wirkung entfaltet. Dass im Programm für derlei Aufsässigkeiten Platz ist, ist ein Grund mehr, sich auf die kommenden zweieinhalb Wochen zu freuen.

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