Jazz-Quartett in der Bremer Glocke

Wie ein vierblättriges Kleeblatt

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4 Wheel Drive: Jeder für sich ein Star.

Bremen - Von Wolfgang Denker. Jeder ist für sich in der Jazz-Szene ein Star: Der Posaunist Nils Landgren, der Pianist Michael Wollny, der Bassist Lars Danielsson und der Schlagzeuger Wolfgang Haffner. Wenn diese vier Jazz-Größen sich zu einem Quartett zusammenfinden, darf man Ungewöhnliches erwarten. Sie haben unter dem Titel „4 Wheel Drive“ eine CD eingespielt, dessen Programm sie nun in der Bremer Glocke präsentierten. Die Auswahl der Stücke enthält, neben Eigenkompositionen von jedem der vier Musiker, viel Populäres: Da finden sich Songs von Paul McCartney, Phil Collins, Billy Joel und Sting. Aber natürlich erklingen sie jeweils in einer in den Jazz transformierten Version.

Als Opener gibt es „She’s Always A Woman“ von Billy Joel, das von Nils Landgren mit seiner eigenwilligen, aber durchaus ausdrucksvollen Stimme als sanfte Ballade intoniert wird. Und dann kommt mit „Lady Madonna“ von Paul McCartney gleich ein veritabler Kracher. Wie sich hier die solistischen Einschübe, ganz besonders von Wolfgang Haffner am Schlagzeug, zu einem furiosen, sich gegenseitig inspirierenden Miteinander entwickeln, ist an mitreißender Lebendigkeit kaum zu überbieten. Allein dieses Stück hätte schon den Konzertbesuch gelohnt.

Auch das von Danielsson komponierte „4 Wheel Drive“ ist so eine Nummer, die mit Kraft und Impetus einfach mitreißt. „Drive“ ist hier wirklich zutreffend. Dazwischen gibt es immer wieder ruhigere Nummern wie „Another Day in Paradise“ von Phil Collins oder „Maybe I’m Amazed“ (aus dem ersten Soloalbum von Paul McCartney) oder „Shadows In The Rain“ von Sting, die sich alle durch ein fein austariertes und gut abgestimmtes Spiel der vier Instrumente auszeichnen. Was Landgren an der Posaune und Wollny am Klavier an Klängen hervorzaubern, ist unvergleichlich. 

Bei „That’s All“ führt Danielsson am Cello in mystische und ätherische, etwas asiatisch angehauchte Klangwelten. Ein Glanzstück ist auch „Lobito“ von Wolfgang Haffner, das zunächst wie eine harmlose, leichtfüßige Samba daherkommt, sich aber mit furiosem Tempo und immer kompakterem Klang zu einer eindrucksvollen Demonstration von Spielfreude entwickelt. Überhaupt die Spielfreude – sie bestimmt über den ganzen Abend hinweg die Stimmung. Wie sich etwa Landgren und Danielsson die Bälle zuspielen, wie Wollny sich am Klavier als ein scheinbar keine Grenzen kennender Virtuose entpuppt und Haffner mit seinen irrwitzigen Künsten am Schlagzeug immer wieder die Richtung vorgibt – das beschert ein Glücksgefühl, als hätte man ein vierblättriges Kleeblatt gefunden.

Unter den Zugaben sticht das in seiner Intimität ausgesprochen klangschöne „Silent Way“ hervor. Das letzte Stück heißt „Greta“ und ist der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg gewidmet, mit deren Familie Nils Landgren gut bekannt ist. Ein Abend der Reihe „Glocke Jazz-Nights“, der lange in Erinnerung bleiben wird.

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