Versunkene Welten

Quatuor Zaïde debütiert bei den Philharmonischen Kammerkonzerten

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Sie sind eines der wenigen rein weiblichen Streicherquartette: Quatuor Zaïde

Bremen - Von Ute Schalz-Laurenze. Es sollte selbstverständlich sein, ist es aber noch immer nicht: ein Streichquartett aus vier Frauen. In der ersten Liga der Streichquartette gibt es jedoch einige Frauenquartette, das 2012 gegründete und bereits zahlreich ausgezeichnete Quatuor Zaïde zählt dazu: Jetzt waren die Französinnen Charlotte Maclet und Leslie Boulet-Raulet (Violine), Sarah Chenaf (Viola) und Juliette Salmona (Violoncello) bei den Philharmonischen Kammerkonzerten zu Gast und lösten Begeisterungsstürme aus.

Der Gesamtklang des Quartetts ist ein außerordentlich in die Tiefe gehendes Volumen bei gleichzeitiger Beachtung des individuellen Klanges. Sein Anspruch, Geschichten zu erzählen, wird ein ums andere Mal überzeugend deutlich. Laut Programm soll zuerst das Streichquartett op. 18,5 von Ludwig van Beethoven erklingen, eigentlich. Denn es gibt Anzeichen, dass das hier kein Beethoven, sondern Joseph Haydn ist: die Dominanz der ersten Geige und die gut hörbare Fuge im letzten Satz. Eine Änderung, die sicher nicht jeder Zuschauer hören kann, daher wäre eine kurze Erklärung nett gewesen. So füllt das Rätselraten die Pausengespräche. Auch gut.

Irreale Klangwelten

Nach dem Haydn op. 20,5 kommt dann doch der Beethoven: Zuverlässige Klangerforschung, spannende Formgestaltungen, perfekter gemeinsamer Atem, aber insgesamt bleiben die beiden klassischen Werke eher brav. Kaum ist zu hören, dass Haydn das Verständnis des Streichquartettes grundlegend verändert hat – „von Haydn habe ich gelernt, wie man Quartette macht“, sagte einst Mozart. Stattdessen ist Beethovens Begeisterung für Haydns Quartette op. 20 zu hören, von denen der Meister sogar aus Studiengründen einige abgeschrieben hatte. In den Interpretationen des Quatuor Zaïde stechen immer wieder außerordentlich charakteristische Solostellen heraus, die hinreißend gespielt sind.

Der Gipfel des Konzerts ist aber ohne Frage Claude Debussys einziges Quartett in g-Moll, op. 10 (1893): Die irrealen und versunkenen Klangwelten, in die die Musikerinnen die fantasiereichen Abwandlungen der Themen regelrecht hineintreiben, wirkten unbeschreiblich. Das Gewicht liegt mehr auf dramatischer, vorwärtstreibender Spätromantik als auf esoterischen Atmosphären – und das ist auch gut so. Auf ein neuerliches Konzert der Damen darf man sich freuen.

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