Verein „Feinkunst“ sucht Werke

Hannes Malte Mahlers Vermächtnis

Hannes Malte Mahler posiert in seinem Atelier.
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Hannes Malte Mahler posiert in seinem Atelier.

Der Verein Feinkunst in Hannover hat sich voll und ganz dem Werk von Hannes Malte Mahler verschrieben. Für die Dokumente seiner Arbeiten sucht die Gruppe nun Bilder des 2016 verstorbenen Künstlers - auch aus dem Bremer Raum. 

  • Verein Feinkunst sucht Bilder von Arbeiten, die der Künstler verschenkt hat.
  • Zahlreiche Ausstellungen auch im Bremer Raum.
  • Mahler verschenkte immer wieder Werke an Freunde oder auch Besucher.

Hannover – Der Unfalltod des hannoverschen Künstlers Hannes Malte Mahler im Jahr 2016 war ein Riesenschock, nicht nur für die hiesige Szene: Der Meisterschüler der berühmten Marina Abramovic hat sich in vielen Metiers von Zeichnung und Malerei über Fotografie bis hin zur Performance betätigt und war als begeisterter Netzwerker viel unterwegs.

Nicht zuletzt in Bremen und dort vor allem in der Weserburg, wo er mehrfach ausgestellt und 2006 sein kultiges „Glitterball-Shooting“ veranstaltet hat – die Aktion, bei der das Publikum auf einen festlich geschmückten Weihnachtsbaum schießen durfte, wurde seinerzeit von einer großen Boulevardzeitung mit der Schlagzeile „Sind die GAGA im Museum?“ quittiert, gleichwohl sogar posthum im hannoverschen Sprengel Museum weitergeführt. Und zwar vom Verein „Feinkunst“, der sich um Mahlers Nachlass kümmert und nun zwei neue Initiativen gestartet hat.

Homepage des Vereins zeigt bereits erste Werke

Die hauseigene Galerie ist zwar aus den bekannten Gründen zurzeit nicht zugänglich, aber auf der Vereins-Homepage kann man jetzt den ersten Teil des Mahlerschen Werkverzeichnisses sehen. Der Start umfasst die Bereiche Malerei und Zeichnung, deutlich wird bereits der extreme Facettenreichtum in diesem Werk in formaler wie inhaltlicher Hinsicht. Viel Figuratives ist hier abgebildet, oft Menschen, zuweilen auch Monster; auf der anderen Seite können abstrakte Muster auftauchen, gern in ausgeprägter Farbigkeit.

Der Fantasie sind bei dem Querschnitt ebenso wenig Grenzen gesetzt wie dem Themenspektrum. Hier zeigt eine Zeichnung eine Frau beim Betrachten eines Wals, dort erscheint auf einem Ölgemälde die axtbewehrte Titelfigur aus Max Frischs Theaterstück „Graf Öderland“. Immer wieder macht sich Mahlers Hang zu skurrilem, manchmal leicht schwarz angehauchtem Humor bemerkbar: Da wird dann „Sterntaler“ laut Titel zum „Märchen von der Enthaltsamkeit vor der Ehe“ umgedeutet, und auf die Idee, „Arme alte Leberzellen“ dazustellen, kommt auch nicht jeder. Wer gern einmal gegen den Strich denkt, mag Anflüge von philosophischer Tiefe in mancher Arbeit entdecken: „Regrets I‘ve had a few but then again I don‘t remember“ sinniert da etwa eine Figur über die Balance zwischen Reuegefühlen und Gedächtnisverlust. Und mit einer Reihe von Totenkopf-Zeichnungen gibt es einen Brückenschlag zu den traditionellen „Vanitas“-Stillleben.

„Ende“ von Hannes Malte Mahler.

„Wir wollen unsere Dokumentation nach und nach erweitern“, sagt der Feinkunst-Vereinsvorsitzende Oliver Rohde. „Und dabei kann uns das Publikum unterstützen.“ Denn Hannes Malte Mahler war nicht nur ein extrem produktiver, sondern auch ein sehr großzügiger Mann: Seine mit leichter Hand hingeworfenen, dabei stets pointierten Spontanzeichnungen, die er an Freunde und Geschäftspartner zu verschenken pflegte, sind legendär – da musste zuweilen eben ein Bierdeckel oder eine Serviette als Bildträger herhalten. Wenn der Künstler in Schwung war, hat er auch schon mal einen Duschvorhang oder ein Lamellen-Rollo bemalt. Vielleicht erinnern sich auch einige Besucher des Paula-Modersohn-Becker-Museums an die „Lange Nacht der Museen“ 2013 und haben womöglich sogar noch entsprechende Andenken: Bei der Aktion „Das Kind von morgen“ fertigte Mahler damals in diesem Haus „Drawings on Demand – Schnell-Zeichnungen live“ an.

Eine komplette Dokumentation ist bei einer derartigen Umtriebigkeit kaum denkbar. Aber man kann sich ja wenigstens annähern: „Wir würden uns freuen, wenn jemand, der etwas von Hannes besitzt, Kontakt mit uns aufnimmt“, sagt jedenfalls Rohde. „Mit einem Anruf oder vielleicht per Mail mit einem Handy-Foto.“ Die Kontaktdaten findet man, ebenso wie das eingangs geschilderte Werkverzeichnis, unter www.feinkunst.org.

Modelinie als letztes Projekt

Wer auf der Seite ist, kann auch gleich noch die Rubrik „Mahlerwear“ anklicken und dabei an schönere Zeiten denken: Eines der letzten Projekte des Künstlers war die Kreation einer Modelinie, bei der typisch Mahlersche Piktogramme auf T-Shirts und mancherlei Accessoires auftauchen. Und allen, bei denen noch Bedenken bestehen, wie genau diese Dinge einzuschätzen sind, hat Hannes Malte Mahler ein schwer widerlegbares Motto mit auf den Weg gegeben: „MAHLERWEAR. It is art.“

Von Jörg Worat

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