„Genug Bands, immer weniger Auftrittsmöglichkeiten“

Nach drei Jahre Pause: Überseefestival Bremen wagt den Neustart

Vladi Wostock bringen ihren „Ruski Surf“ mit zum Überseefestival. - Foto: Olaf Malzahn
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Vladi Wostock bringen ihren „Ruski Surf“ mit zum Überseefestival.

Bremen - Von Rolf Stein. In der kommenden Woche gibt es nach drei Jahren Pause in Bremen wieder ein Überseefestival.

Wir sprachen mit dem Mitveranstalter André Stuckenbrok, Vorsitzender des Vereins Musikszene Bremen, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Festivals.

Herr Stuckenbrok, warum hat das Überseefestival so lange pausiert?

André Stuckenbrok: Das hing mit dem Organisatoren-Team und vereinsinternen Umstrukturierungen zusammen. Keiner hatte mehr richtig Lust und Zeit, sich dahinterzuklemmen. Im vergangenen Jahr haben wir dann den Verein mit einem erweiterten Vorstand neu aufgestellt, jetzt sind mehr Leute in die Organisation eingebunden, deswegen gibt es mehr Kapazitäten und wir können wieder ein Festival veranstalten.

Seit wann gab es das Festival denn?

Stuckenbrok: Seit 2007. Eigentlich war es ein Sommerfest zur Gründung von Musikszene Bremen. Der Verein wurde 2006 gegründet, 2007 sind wir dann in das alte Zollamt in der Überseestadt gezogen. Wir fanden, dass wir das feiern müssen, und haben ein kleines, selbsterfundenes, improvisiertes Festival gemacht, was dann sechs Jahre lang gewachsen ist.

In diesem Jahr werben Sie mit einem rein bremischen Programm. War das vorher anders?

Stuckenbrok: Im ersten Jahr waren es auch nur Bremer Bands, die waren alle aus dem Verein. Danach kamen zunehmend Künstler von auswärts. Wir hatten auch Bands aus Übersee oder „Exil-Bands“, die ursprünglich aus Bremen kamen, aber mittlerweile woanders zuhause sind. In diesem Jahr wollten wir zurück zu den Wurzeln. Es gibt schließlich genug Bremer Bands, aber immer weniger Auftrittsmöglichkeiten.

Woran liegt das?

Stuckenbrok: Nachdem es vor fünf bis acht Jahren aufwärts ging, ist seit zwei, drei Jahren ein Clubsterben zu beobachten. Was sich stabilisiert hat ist, dass einige Clubs und Kneipen regelmäßig Konzerte veranstalten, das ist aber vor allem für den Singer-Songwriter-Bereich interessant. Wir sehen uns als Verein auch in einer Verantwortung für die Szene. Wir haben uns deshalb nach dem Wechsel im Vorstand auf die Fahnen geschrieben, uns wieder mehr auf die lokale Szenerie zu konzentrieren. Und am Line-up des Festivals lässt sich auch erkennen, dass es genügend gute Bands in der Stadt gibt.

Wie viele Mitglieder hat der Verein?

Stuckenbrok: Wir haben ungefähr 270 aktive Mitglieder, insgesamt sind es rund 350.

Haben Sie den Eindruck, dass die Vereinsarbeit abgesehen von der Erschließung des alten Zollamts die Szene vorangebracht hat?

Stuckenbrok: Ich denke schon. Die überregionalen Kontakte, die Julia von Wild initiiert hatte, haben viel gebracht. Und in Kombination mit unserem Fokus auf die lokale Szene ist das gut. Und wir sind natürlich auch eine gute Anlaufstelle für lokale Veranstalter, die auf der Suche nach Bremer Bands sind. Wir haben mit der Zollkantine auch einen eigenen Veranstaltungsraum, den wir jetzt auch wieder verstärkt nutzen. Und wir arbeiten daran, dass wir eine qualifizierte eigene Spielstätte bekommen.

Was bedeutet das?

Stuckenbrok: Wir wollen einen eigenen Raum haben, in dem wir regelmäßig Konzerte veranstalten können.

Und das geht in der Zollkantine nicht?

Stuckenbrok: Wir sind gerade dabei, das Haus umzustrukturieren. Wir wollen es erwerben. Wir haben bislang nur einen Zwischennutzungsvertrag. In diesem Rahmen ist es schwierig, die Zollkantine als Veranstaltunsgraum zu betreiben. Der Raum ist beispielsweise im zweiten Stock und nicht barrierefrei. Das Gebäude steht zudem unter Denkmalschutz und bietet nur begrenzte Umbaumöglichkeiten.

Überseefestival: Freitag, 25. August ab 18.30 Uhr, Samstag, 26. August ab 15 Uhr, Altes Zollamt, Bremen, Eintritt frei. Zum Aufwärmen spielen bereits am Freitag, 18. August, die Bands Notausgäng, Hypertonus und Jean Paul Moustache im Anderswo, Amelie-Beese-Straße, Bremen. Das gesamte Programm finden Sie im im Internet unter: www.ueberseefestival-bremen.de

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