SERIE: DIE NEUNTE KUNST Abenteuer unter dem Meer

Verbrechen unter den Wellen

Syke - Von Jan-Paul Koopmann. Von Kapitän Nemo über Aquaman bis zu Sponge Bob: Die Ozeane sind auch unter der Wasseroberfläche Schauplatz abenteuerlicher Erzählungen. An den unerforschten Ecken und ihren sonderbar fremdartigen Bewohner mag das liegen, vielleicht auch an der entdeckermäßig inzwischen doch eher ausgeforschten Oberfläche. Dass mit klaustrophobischen Unterwasserfahrzeugen und den undurchsichtigen Tiefen des Meeres gleich zwei menschliche Urängste für Spannung sorgen, kommt noch obendrauf.

Seit Jules Verne tobt sich die Abenteuerliteratur unter Wasser aus, wenig später auch der frühe Film. Und heute selbstverständlich auch der Comic. Mit „Der Schatz der Black Swan“ (Reprodukt) von Guillermo Corral und Paco Roca und dem ersten Teil der Reihe „DEPT.H“ (Hinstorff) von Matt Kindt liegen nun gleich zwei Titel vor, die zum Teil am Meeresboden spielen – und die das fremdartige Setting vor allem als Resonanzraum für sehr oberweltliche Thriller verwenden.

„Der Schatz der Black Swan“ ist ein halb-fiktionales Abenteuer um eine 1804 gesunkene spanische Fregatte. Wahr an der Geschichte ist, dass Schatzsucher das Schiff 2007 geborgen und einen Goldschatz von 500 Millionen Dollar herausgepumpt haben. Geplündert, sagen manche, weil vom Wrack für die historische Forschung nicht sehr viel übrig geblieben ist. Mit dem Comic erzählt der Diplomat und spätere Kulturattaché Guillermo Corral von den juristischen und politischen Mühen, das Gold zurück nach Spanien zu bringen. Zum Agententhriller wird die Geschichte auch, weil die hoch spezialisierten Schatzsucher unter Wasser noch ganz andere Jobs für die Geheimdienste erledigen.

Gezeichnet hat das Buch Paco Roca, einer der wichtigsten Comickünstler Spaniens. In sehr klarem Stil bringt er die erstaunliche Dynamik eines Abenteuers zum Ausdruck, das vor allem an Konferenztischen, Hinterzimmern und Gerichtssälen abspielt. Das Meer und das Gold darin bleiben das große Unbekannte – aus dem Jahrhunderte konservierter Abenteuer angedeutet und dezent herbeizitiert werden.

Das zweite Buch, „DEPT.H“, hingegen blickt voll nach vorn, arbeitet sich als Science-Fiction-Geschichte gerade auch an der Nähe zwischen Unterwasser- und Weltraumforschung ab. Und auch hier stehen zwischenmenschliche Konflikte im Mittelpunkt. In einer Forschungsstation unter Wasser ist ein Mord geschehen, möglicherweise, um das Projekt zu sabotieren. Aus dem Closed-Room-Setting spinnt Matt Kidt den schon fantastischen Krimistoff immer weiter ins Fantastische. Die malerischen Unterwasserlandschaften gehen nahtlos über in psychedelische Wahnzustände unter den extremen Bedingungen der Tiefsee.

Das Setting bespielt die Comicsparte des Hinstorff-Verlags übrigens mit Heimvorteil: Der Rostocker Traditionsverlag verlegt seit 2015 Comics, und zwar ausschließlich solche mit nautischem Hintergrund – ob sie nun von erfolgreiche US-Künstlern wie eben Matt Kindt stammen oder von norddeutschen Debütanten. „DEPT.H“ ist erst der zehnte Comic bei Hinstorff – und zählt doch zu den interessantesten Veröffentlichungen des Jahres.

Lesen

Guillermo Corral, Paco Roca: „Der Schatz der Black Swan“. Reprodukt 2019, 216 Seiten Hardcover, 24 Euro; Matt Kindt: „DEPT. H – Unter Druck. Mordfall in sechs Meilen Tiefe“, Hinstorff 2019, 176 Seiten Softcover, 20 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Haalands Traumdebüt rettet BVB - Leipzig siegt gegen Union

Haalands Traumdebüt rettet BVB - Leipzig siegt gegen Union

UN-Libyenbeauftragter fordert Abzug ausländischer Kämpfer

UN-Libyenbeauftragter fordert Abzug ausländischer Kämpfer

"Wir haben es satt!": Tausende fordern neue Agrarpolitik

"Wir haben es satt!": Tausende fordern neue Agrarpolitik

Fotostrecke: Werders Befreiungsschlag in Düsseldorf

Fotostrecke: Werders Befreiungsschlag in Düsseldorf

Meistgelesene Artikel

Mehr Metal für Bremen: Vier neue Bands für Hellseatic-Festival bestätigt

Mehr Metal für Bremen: Vier neue Bands für Hellseatic-Festival bestätigt

Oldenburgisches Staatstheater zeigt Uraufführung „Mission Mars“

Oldenburgisches Staatstheater zeigt Uraufführung „Mission Mars“

Tanzpakt Stadt-Land-Bund fördert „TanzRAUM Nord“

Tanzpakt Stadt-Land-Bund fördert „TanzRAUM Nord“

Keine Furcht vor Furien

Keine Furcht vor Furien

Kommentare