Das K’ zeigt neue Gemälde von Sibylle Springer

Unvergessliche Hölle

Das Sichtbare verbirgt sich bei Sibylle Springer doch recht deutlich hinter dem Verdeckten. - Foto: Frank Scheffka

Bremen - Fast monochromatisch wirken die Bilder, großzügig verteilt auf die Wände des Galerieraums im Bremer Ostertorviertel. Gleich gegenüber dem Eingang hängt ein zwei Meter breites Bild, das aus der Ferne marmoriert wirkt, mit großen abgeblätterten Stellen. An einer anderen Wand sehen wir ein kleines Schwarzes. Ein anderes ist in kräftigen Grünschattierungen gehalten.

Bei genauerer Sichtung der Bilder, die beinahe zu changieren scheinen, sind dann Körper, Körperteile eher, Gesichter, Hände zu erkennen, die sich dem Betrachter allmählich entdecken. Es lassen sich Szenen erahnen, die der oberflächlichen Schönheit dieser Bilder widersprechen. Szenen, die, und das ist der bestechende Effekt dieser Werke, nach dem Entdecken gar nicht mehr verschwinden wollen. Es sind sozusagen Kippfiguren. Ein bisschen wie jene schlichten Schwarz-weiß-Konturen, die mal eine Vase darstellen, zugleich aber zwei Gesichtsprofile sein können. Diese Idee deutet sich schon im Titel der Ausstellung an, die am Freitag eröffnet wurde: „hell“ heißt die Schau. Was eben nicht nur das deutsche Adjektiv hell sein kann, sondern auch das englische Wort für Hölle.

Wer die Arbeit von Sibylle Springer, Jahrgang 1975, Karl-Schmitt-Rotluff-Stipendiatin 2008 und Absolventin der Bremer Kunsthochschule, über die Jahre zumindest sporadisch verfolgt hat, ist mit diesem Prinzip im Grunde vertraut. Und doch ist bei diesen Arbeiten etwas anders.

Immer wieder, wie auch hier, sind es vor allem Motive der antiken Mythologie, von Künstlern des Barock und der Renaissance aufgenommen, die Springer heute verdeckt, um sie dadurch wieder und anders sichtbar zu machen. Was im Prinzip immer noch methodisch eine Übermalung ist, bildet nun eine kaum auflösbare Einheit mit der Textur des Farbauftrags, der aus winzigen Punkten einerseits und fließenden Flächen andererseits besteht. Das ließe sich nun womöglich als interessantes, formal gelungenes wie optisch ansprechendes Projekt verstehen, das darüberhinaus wenig mitzuteilen hat, auch wenn die Meisterschaft Springers durchaus fasziniert.

Was ihren Arbeiten Tiefgang jedoch verleiht, sind die zugrunde liegenden Sujets. Die Körper und ihre sichtbaren Teile sind Repräsentanten von Gewalt. Einer Gewalt, die die Künstlerin beinahe verschwinden lässt, um sie neu entdeckbar zu machen. Und zwar auf eine Weise, die Vergessen unmöglich macht.

Sibylle Springer: „hell“, bis 8. Mai in der Galerie K’, Alexanderstraße 9b, Bremen.

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