„Young dogs do cry sometimes“ am Theater Bremen

Unter Kuscheltieren

Gegen die Regeln: Zerstörung hinter Plexiglas im Kleinen Haus.

Bremen - Von Mareike Bannasch. Eigentlich ist es ganz einfach, die Leute vor ihm sind doch auch durchgekommen. Haben ihren Oberkörper nach hinten gebeugt und sich mehr oder weniger elegant unter dem Klebeband durchgeschlängelt. Der Panda aber müht sich vergeblich. Unbeweglich wie er ist, bleibt dem Bären nur Krabbeln – bevor er schnellen Schrittes auf der Herrentoilette verschwindet.

Eine Begegnung der etwas anderen Art, von denen es so einige gibt an diesem Abend im Kleinen Haus des Theater Bremen. Dort feierte nun „Young dogs do cry sometimes“ Premiere, die neueste Tanzproduktion von Hauschoreograf Samir Akika. Allerdings nicht nur dort, diese stetig wabernde Masse aus Tänzern, Musik und Surrealem breitet sich auch im Café Noon im Foyer aus, Toiletten inklusive.

34 Performer – die zehn Mitglieder der Tanzcompagnie Unsual Symptoms und 24 Junge Akteure – sind es, die zunächst vor allem das Café des Kleinen Hauses in eine kunterbunte Welt verwandeln. Dort wühlen sie in Kuscheltierbergen (Bühne: Anja Fußbach), laufen mit Lampenschirmen behütet(Kostüme: Anna Lena Grote9 umher, fahren auf Rollschuhen oder geben ein kurzes Konzert im Darkroom – immer beobachtet vom Publikum. Feste Plätze, Anweisungen gibt es hier nicht, das ruhelose Wandern ist Programm. Ausgehend von Akikas Arbeit „polaroids“ soll der Zuschauer viel entdecken und verpassen können, während große Teile der Choreografie an verschiedenen Orten gleichzeitig passieren.

So zumindest in der Theorie, denn bei „Young dogs do cry sometimes“ laufen die Dinge dann doch nicht ganz so parallel, und so richtig frei ist es auch nicht. Sicher, das Publikum wandert in der Tat zwischen Kleinem Haus und Noon hier und her, aber eben nach Ansage der Akteure. Und während die hörenswerte Band, bestehend aus drei erwachsenen und vier jugendlichen Musikern, auf einem Balkon im Kleinen Haus den Soundtrack für einzelne Szenen und raumgreifende Choreografien bildet, spielt sich im Noon nichts mehr ab. Was irgendwie auch logisch ist, Akteure wie Zuschauer sind schließlich nebenan.

Dort rennt das in Ballonseide, grell-bunte Shirts und zu kurze Jeans gekleidete Ensemble im Dauerlauf auf und über die Tribüne, singt sich die Seele aus dem Leib, erschafft in einer Bastelecke Skulpturen oder schlägt hinter einer Plexiglasscheibe mit Baseballschlägern Dinge zu Brei. Was genau? Keine Ahnung, aber es staubt ziemlich. Diese jungen Leute sind wütend, glücklich, hadern mit der Welt, lassen auch den Zuschauer an ihrem Schmerz teilhaben – indem sie Einzelnen Briefe an längst verflossenen Liebschaften vorlesen.

Ein Treiben, das ein wenig von einem Kessel voller bunter Kindheitserinnerungen hat. Erinnerungen an damals, als die Zeiten weniger grau, weniger kompliziert und vermutlich auch weniger langweilig waren. Als zumindest das Publikum und die Tänzer von Unsual Symptoms noch auf der Suche nach sich selbst gewesen sind. Nach jener Person, die sie einmal sein wollten – und mit ganz viel Glück auch geworden sind. Für den Rest auf der Bühne ist es wohl eher eine Art Bestandsaufnahme, ein Verharren im Hier und Jetzt. In diesem Moment, in dem sie, nicht mehr Kind und noch nicht ganz Erwachsener, auf der Suche nach ihrer Identität sind – oder erst einmal verschiedene Identitäten ausprobieren. Eine Phase im Leben, die zumindest in der Rückschau durchaus surreale Züge hat, und damit dann auch wieder ganz gut zu diesem Performance-Konzert (so der offizielle Titel) passt. Dass nicht alle Szenen zwingend, manchmal sogar ziemlich beliebig sind und all das Treiben zuweilen arg ratlos macht? Schwachstellen, über die man nach diesem pausenlosen, zweieinhalbstündigen Abend ohne Probleme hinwegsehen kann.

Sehen

Weitere Termine sind am 18. März, 19 Uhr; 22. März, 18.30 Uhr; 23. März, 10.30 Uhr, Kleines Haus, Theater Bremen.

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