Gerhard-Marcks-Haus zeigt Wege aus dem Bauhaus

Unter Freunden

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Reihenproduktion vs. Profit: Gerhard Marcks „Jüngling“ (l.) trifft im Eingangsbereich der Bremer Ausstellung auf Oskar Schlemmers „Abstrakte Figur 1962“.

Bremen - Von Mareike Bannasch. Wie viel darf Kunst kosten? Und noch viel wichtiger: Wie viel Geld lässt sich mit Kunst verdienen? Fragen, die immer dann aufkommen, wenn politische Gremien über Zuschüsse für Museen oder Ausstellungen entscheiden müssen. Nicht nur in Bremen, dieses Thema ist universell. Und zwar nicht erst in Zeit klammer öffentlicher Kassen.

Auch Walter Gropius musste sich Politikern stellen, denen mehr an Profit als an künstlerischer Entwicklung gelegen war. Das war im Jahr 1923, als die große Bauhaus-Ausstellung in Weimar zwar international hoch gelobt wurde, aber kaum Besucher nach Thüringen brachte.

Hohe Schulden waren die Folge – und eine Neuausrichtung der legendären Kunstschule der Moderne. Denn Gropius reagierte auf den politischen Druck, indem er die von ihm gegründete Schule in Richtung günstig produzierbares Industriedesign positionierte und damit einen Lehrer der ersten Stunde verärgerte. Die Rede ist von Gerhard Marcks, der „Formmeister“ in Weimar war und sich später dennoch nur ungern an die Jahre am Bauhaus erinnerte.

Ein Konflikt, der ab morgen in einer Ausstellung im Gerhard-Marcks-Haus Thema ist, die gemeinsam mit der Klassik-Stiftung Weimar entwickelt wurde. In sechs Räumen sind rund 180 Arbeiten von 21 Künstlern zu sehen. Für das Bremer Museum geradezu gigantische Dimensionen, sagt Direktor Arie Hartog bei der Pressevorbesichtigung. Ausmaße, die aber durchaus gerechtfertigt sind, war das Wirken von Marcks am Bauhaus doch bislang ein blinder Fleck in der Forschung – wie auch die Freundschaften, die ihn in den kommenden Jahrzehnten begleiten sollten.

Eine Verbundenheit, die sich auch durch die Bremer Themenräume zieht. Egal, wo der Besucher seinen Rundgang beginnt, es wird immer wieder deutlich, wie viel Marcks und seine Freunde künstlerisch voneinander profitiert haben. Ein Beispiel dafür ist unter anderem sein Schüler Theodor Bogler. Ausgehend von der Gebrauchskeramik, mit der sich Bogler in Weimar beschäftigt hatte, schuf der spätere Mönch nach seinem Eintritt ins Kloster Marienfiguren fürs heimische Wohnzimmer – natürlich in Serie produzierbar. Ob sie ein Verkaufsschlager wurden, darüber gibt die Schau zwar keine Auskunft, dennoch ist es spannend zu sehen, wie Marcks Schüler seine künstlerischen Ansätze weiterentwickelten.

Dass sich diese kreativen Impulse nicht nur in Skulpturen oder Gebrauchsgegenständen entluden, versteht sich dabei vermutlich von selbst. Für alle anderen sind im Gerhard-Marcks-Haus auch Gemälde und Zeichnungen zu sehen, unter anderem von Johannes Driesch.

Wer Freundschaften aufrechterhalten will, muss auch in Kontakt bleiben –  und zwar möglichst regelmäßig. Wer mit wem wie oft und warum kommunizierte, können die Besucher daher in einem eigenen Raum interaktiv nachvollziehen, umgeben von Porträtbildern der Freunde.

Natürlich kommt die gut strukturierte Schau nicht umhin, auch einen kleinen Blick auf die klassischen Werke des Bauhauses zu werfen. Dort liegt sie dann, eine im Jahr 1924 von Gerhard Marcks gefertigte Kuh aus Lindenholz –  umgeben von Wagenfeld-Lampe und in Serie produzierten Tischen. Eine Mahnung, die Kunst in den Mittelpunkt zu stellen – und eben nicht nur den Profit.

„Wege aus dem Bauhaus – Gerhard Marcks und seine Freunde“, bis 4. März 2018. Öffnungszeiten des Gerhard Marcks Haus: montags geschlossen, dienstags bis sonntags: 10 bis 18 Uhr, donnerstags: 10 bis 21 Uhr.

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