Das Theater Bremen präsentiert Orffs „Carmina Burana“ als szenisches Chorkonzert

Unsterbliche Musik mit Leerlauf

Jason Cox und Nerita Pokvytyté (vorne) suchen in den „Carmina Burana“ von Carl Orff nach der Liebe. - Foto: Claudia Hoppens

Bremen - „Irgendwelche schöne Musik machen”, das wollte Carl Orff nicht, als er 1937 die „Carmina Burana“ als sein sozusagen erstes Werk bezeichnete, alles andere solle der Verleger „nun einstampfen“. Heute sind die „Lieder aus der Benediktbeurer Handschrift“ das meistgespielte Werk des 20. Jahrhunderts.

Seine Spuren finden wir überall, in der Werbung und in der Popmusik. Und obschon die um 1300 entstandenen Lieder aus Vagantenpoesie, aus Gesellschafts-, Frühlings- und Tanzliedern keinen richtigen Inhalt aufweisen, sind die „Carmina Burana“ immer wieder im Theater gespielt worden. Sicher im Sinne Orffs, der sich als Theatermensch, nicht als Komponist verstand.

Nun hat das Theater Bremen das unsterbliche Werk genutzt, um die Chöre des Theaters vorzustellen: den Opernchor, den Extrachor und den Kinderchor. 90 Menschen wuseln da auf der Bühne. „Weltliche Gesänge für Soli und Chor mit Begleitung von Instrumenten und magischen Bildern“ heißt Orffs Untertitel. Alles andere ist offen, es gibt in der Partitur keinerlei Angaben zu szenischen Lösungen, Orff wollte das Experiment seiner Interpreten. Die Bilder, die Caroline Blanck jetzt schuf und als „szenische Einrichtung“ bezeichnete, sind auf Anhieb von großer ästhetischer Schönheit. Die Chorgruppen stehen da in schwarz-weißen zeitlosen Fantasiekleidern (Kostüme: Christina Hoenecke), hinter ihnen ein großer Spiegel und sozusagen um ein Stockwerk erhöht sechs Schlagzeuger. Dahinein platzt der Bariton als eine Art Flüchtling, der ein Päckchen ängstlich auspackt: Ein Eisklumpen (oder ein farbloser Stein) ist darin, an den er sich am Ende wieder klammert. Dann entfalten sich die Themen der in Küchenlatein, Mittelhochdeutsch und Altfranzösisch verfassten Gesänge, und für die erwachende Liebessehnsucht, die Freuden des Weines und Unzuverlässigkeit des Glücks sind die Chorsänger einzeln gefordert.

Diese Mischung aus Choreographie und Darstellung funktioniert nicht immer, es gibt einigen fragwürdigen Leerlauf. Zu „Lasst mich euch gefallen“ malen sich die Damen die Lippen an und Herzchen auf die Backe, die Männer blasen rote Lufballons auf und stecken die zwischen sich und eine Dame, auch die Ironie kommt zu ihrem Recht.

Die Auserwählte ist Nerita Pokvytyté mit berückend schöner Höhe, kraftvoll sucht Jason Cox wie ein Bachelor die Liebe, und Martin Nyvall gestaltet mit seinen leicht angekohlten weißen Klamotten großartig das skurrile Tenorfalsett des gebratenen Schwans. Last not least: Es wurde mitreißend von den Bremer Philharmonikern und den Chören musiziert unter der suggestiven Leitung von Daniel Mayr, der die statische, blockhafte Architektonik dieser Musik, ihren formelhaften Charakter, Wiederholungen von Motiven und Rhythmen – das, was Igor Strawinski bösartig als „neo-neandertalisch“ bezeichnete – biegsam und spannend nach vorne trieb. Begeisterter Beifall.

Die nächsten Aufführungen: Freitag, 18. März; Donnerstag, 24. März; jeweils 19:30 Uhr, Theater am Goetheplatz, Bremen

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