Unplugged unter Strom

Peter Maffay reißt das Bremer Publikum von den Sitzen

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Peter Maffay, hier bei der Generalprobe in der Sparkassen-Arena in Kiel, hat den Spaß nicht verloren.

Bremen - Von Wolfgang Denker. Peter Maffay ist seit fast fünf Jahrzehnten einer der erfolgreichsten Musiker des Landes. Und einer der ehrlichsten. Er hat sich keiner Modeströmung unterworfen, er hat keine Masche geritten und ist sich selbst stets treu geblieben.

Seine Musik, anfangs noch dem Schlager zuzuordnen, bewegt sich zwischen Rock, Liebesballaden und kritischen Songs. Maffay ist im Laufe der Jahre nie in Routine verfallen, er ist stets mit Herzblut dabei und hat den Spaß bei seinen Konzerten nie verloren. Mogelpackungen gibt es bei ihm nicht. Solche Authentizität wird vom Publikum honoriert, so auch beim ausverkauften „MTV Unplugged“-Konzert vor rund 9 500 Zuschauern in der Bremer Stadthalle.

Gleich zu Beginn kommt eine riesige Videoleinwand zum Einsatz, wenn in einer witzigen Zeichentrick-Animation der Tourbus nicht anspringen will und sich Comic-Held Maffay auf sein Motorrad schwingt und nach Bremen saust. Auf dieser Leinwand wird das Konzert durchgängig und effektvoll mit tollen Bildern begleitet, überwiegend mit Großaufnahmen der Musiker, aber auch (bei „Eiszeit“) mit schrecklichen Eindrücken einer zerstörten Welt. Musikalisch spielen Maffay und seine Musiker sofort auf höchster Betriebstemperatur. Das rockige „Bring mich nach Haus“ und „Gelobtes Land“ (mit einem tollen Saxofon-Solo) sorgen sofort für Stimmung, die bei dem mitreißenden Duett „Der Mensch, auf den du wartest“ mit Jennifer Weist einen ersten Höhepunkt erreicht. Überhaupt die Gäste, die Peter Maffay mitgebracht hat – fast alle (bis auf Katie Melua), die auf dem „MTV Unplugged“-Album zu hören sind, stehen auf der Bühne.

Viele Gastspiele weiterer Stars

Zusammen mit dem sympathischen Johannes Oerding und Linda Teodosiu intoniert Maffay Oerdings Song „So schön“ und geht mit ihm „über sieben Brücken“. Oerding setzt bei dem Konzert zwar kräftige Akzente, kann aber mit der stimmlichen Präsenz von Peter Maffay nicht ganz mithalten. Auch die Auftritte der niederländischen Sängerin Ilse DeLange sorgen für aparte Farben. Und Altmeister Tony Carey zeigt sich bei „Room with a View“ in Bestform. Aber im Mittelpunkt steht natürlich unangefochten Peter Maffay, der meistens auf einem Barhocker sitzt und deutsche Rockmusik vom Feinsten präsentiert. „Wir haben tief in der Musikkiste herumgekramt“, sagt er. Und so dürfen die kultigen Nummern natürlich nicht im Programm fehlen, etwa „Du“ (seine erste Single überhaupt), „Und es war Sommer“, „So bist du“, „Sonne in der Nacht“ oder der Tabaluga-Hit „Ich wollte nie erwachsen sein“.

Das Publikum folgt begeistert mitklatschend und schwenkt leuchtende Armreifen, zeigt sich auch bei einigen Songs sehr textsicher. Bei „Weil es dich gibt“ hält es sogar niemanden mehr auf den Sitzen. Die musikalische Mischung von emotionalen, aber kitschfrei gehaltenen Liebesliedern bis zu Songs mit sehr ernsten Themen („Wenn der letzte Regen fällt“) ist sehr gelungen. Wenn Maffay die schlimmen Probleme unserer Welt anspricht, ist das keine Effekthascherei, sondern ein sehr glaubwürdiges Anliegen. Besondere Höhepunkte sind das hymnische, vom Gitarristen Peter Keller geschriebene „Halleluja“ und „Freiheit, die ich meine“. Bei dem schlichten Liebeslied „Ewig“ glänzen Pascal Kravetz und Carl Carlton an der Gitarre.

Nach „unplugged“ folgen die E-Gitarren

„Unplugged“ bedeutet Musizieren auf akustischen Instrumenten. Trotzdem stehen Maffays Musiker um den Schlagzeuger Bertram Engel (ergänzt um Celli, Geigen, Flöte und zwei Klaviere) stets „unter Strom“ und sorgen für einen fantastischen Klang und viel Drive. Peter Maffays sonore Stimme und sein ausdrucksvoller Gesang stehen dabei über allem.

Am Ende gibt es noch eine kleine Überraschung. Oerding und Maffay singen vom Rang, nur von der Gitarre begleitet. Danach wird die Bühne wieder in helles Licht getaucht und es ist Schluss mit „unplugged“. Die E-Gitarren werden hervorgeholt und „Dich zu sehn, wie wäre das schön“ bildet einen satten, fetzigen Abschluss. Peter Maffay zu sehen, war auch schön. Ein tolles Konzert mit hohem Wohlfühlfaktor.

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