Kubanisches Flair im Bremer Musical-Theater

Unnachahmlicher Hüftschwung

Fehlt nur noch eine Zigarre zum Glück. - Foto: Martin Wiesner

Bremen - Die Veröffentlichung der CD „Buena Vista Social Club“ und der gleichnamige Dokumentarfilm von Wim Wenders im Jahr 1999 markierten den Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte: Kubanische Musik war auch bei uns plötzlich unglaublich populär. Die Musiker um Compay Segundo, Ibrahim Ferrer und Rubén González waren damals schon hoch betagt und sind inzwischen fast alle tot. Aber der Mythos des „Buena Vista Social Club“ lebt weiter. Viele Mitglieder der Truppe, die seit einigen Jahren stimmungsvoll in die „Bar at Buena Vista“ entführt, befinden sich in einem Alter, in dem normalerweise niemand mehr auf der Bühne steht. Es sind Künstler, die die „goldenen Zeiten“ der 50er-Jahre in Kuba teilweise noch selbst gestaltet haben. Sie bezeichnen sich selbst als „Grandfathers of Cuban Music“.

Toby Gough ist Autor, Regisseur und Moderator der Show „The Bar at Buena Vista“. Sein dramaturgischer Faden knüpft an das Leben des legendären, inzwischen verstorbenen Barkeepers Arturo Lucas an, der noch Marilyn Monroe, Marlon Brando oder Ernest Hemingway mit Getränken versorgt hatte. Aber dieser lockere Handlungsfaden dient nur dazu, die lebenspralle Musik mit Cha-Cha-Cha, Rumba, Salsa und Son zu präsentieren. Der Son ist ein typisch kubanischer Musikstil. Er entstand aus der Liebesaffäre zwischen einer spanischen Gitarre und einer afrikanischen Trommel, wie Moderator Gough augenzwinkernd berichtet. Die von der sechsköpfigen Veteranen-Band und ihrem noch relativ jungen Sänger Leo Gamboa Almaguer servierte Musik geht unmittelbar in die Beine. Der Trompeter Elpidio Chappottin Delgado sorgt für ein jazziges Solo vom Feinsten. Dazu kommen die Auftritte legendärer Altstars wie Rene Pérez Azcuy, der noch mit Josefine Baker und Luciano Pavarotti auf der Bühne stand, oder der des 1924 (!) geborenen Ignacio Carrillo, der mit etwas brüchiger, aber dennoch erstaunlich kraftvoller Stimme eine romantische Rumba intoniert und auch ein paar Tanzschritte wagt. Das hatte durchaus Charme.

Den versprüht auch Siomara Avilia Valdés Lescay, die letzte kubanische Diva, die mit dunklem Timbre und ungebremstem Temperament die Stimmung zum Siedepunkt bringt. Dass sie sich aus dem Publikum einen jungen Mann angelt, der etwas verlegen mit ihr tanzen muss, ist allerdings grenzwertig. Für tänzerische Einlagen ist ohnehin der Tänzer und Choreograph Eric Turro Martinez zuständig, der den Beinamen „The Hurricane“ trägt. An seiner Seite agieren ein weiterer Tänzer und drei bildhübsche, temperamentvolle Tänzerinnen, die mit unnachahmlichem Hüftschwung über die Bühne wirbeln.

Das schummrige Bühnenbild trifft die Atmosphäre einer kubanischen Bar sehr gut und stimmungsvoll, bis hin zum Zigarrenqualm, den man geradezu riechen kann.

Was braucht man, um alt zu werden? Wenn es nach Toby Gough geht, sind das Tabak, Rum, Musik und Tanz. Aber wirklich alterslos macht wohl nur die Musik.

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