Ungewöhnlich und effektvoll: „Sommer in Lesmona“ startet im Bremer Knoops Park mit der Operngala

Eruptive Klangpracht

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Seltene Schätze hebt die Deutsche Kammerphilharmonie beim Sommer in Lesmona.

Bremen - Von Wolfgang Denker. „Sommer in Lesmona“ – das ist (nun schon im 21. Jahr) immer ein besonderes Ereignis. Einerseits, weil mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen musikalisch erstrangige Qualität garantiert ist und andererseits, weil das Publikum mit seinen Picknick-Ritualen, Kleidern und vielen Strohhüten dieses Ereignis in Knoops Park geradezu zelebriert. - Von Wolfgang Denker.

Da wird die Musik fast zur „Nebensache“, könnte man meinen. Wird sie aber nicht, besonders wenn das Motto wie in diesem Jahr nach Spanien entführt. Spanische Musik gab es in der Operngala auch, aber mit Kompositionen von Bizet, Lehár, Verdi, Chabrier und Massenet standen vor allem Werke im Mittelpunkt, die einfach nur in Spanien spielen. Albert Schmitt, der Geschäftsführer der Kammerphilharmonie, stimmte das Publikum mit nicht ganz ernst gemeinen Klatschübungen im Flamenco-Rhythmus auf den Abend ein, bevor er die Moderation an Daniel Finkernagel übergab. Der machte seine Sache nicht uncharmant, hätte zu einigen Werken aber doch etwas mehr sagen können. Dafür betonte er immer wieder, dass die Kammerphilharmonie ein Orchester von Weltformat ist.

Hätte er nicht müssen, man hörte es. Carmen und Spanien sind fast Synonyme – und das schmissige Vorspiel zum 1. Akt war ein passender Einstieg. Es folgte die berühmte Habanera, die von Eva Vogel mit schlankem Mezzo eindringlich gestaltet wurde; vielleicht etwas kühl, aber die verführerische Leidenschaft brodelte unter der Oberfläche. Paul McNamara stellte sich mit dem Lied „Sag mir, sag mir“ aus Lehárs Operette „Frasquita“ vor. Welch ein Tenor! Eine sinnliche, schmelzreiche Stimme mit sicherer, frei strahlender Höhe. Auch als Manrico in Verdis „Il Trovatore“, aus dem er mit Eva Vogel das Duett „Ai nostri monti“ sang, überzeugte er mit leidenschaftlicher Hingabe. Aber Eva Vogel war als Azucena, namentlich in der sehr emotional gesungenen Arie „Stride la vampa“, nicht weniger beeindruckend.

In Massenets leider nur selten gespielter Oper „Le Cid“ geht es um den spanischen Nationalhelden El Cid, der im 11. Jahrhundert für Spanien gegen die Mauren kämpfte. Mit dem innigen Gebet des Cid „O Souverain“ markierte Paul McNamara einen besonderen Höhepunkt des Abends. Abgesehen vom Vorspiel zum 3. Akt der „Carmen“, bei dem die vorher verteilen Wunderkerzen für ein romantisch-traumhaftes Stimmungsbild sorgten, gab es bei den reinen Orchesterstücken spanische Musik zu hören, etwa von Juan Crisóstomo de Arriaga, der auch als der „spanische Mozart“ bezeichnet wird. Seine Oper „Los esclavos felices“ schrieb er mit 13 Jahren.

Die Ouvertüre dazu ist ein sehr reizvolles Stück, bei dem Mozart und noch mehr Rossini (mit seiner Gewittermusik aus dem „Barbiere“) Pate gestanden haben. Die Deutsche Kammerphilharmonie unter dem Gastdirigenten Pablo Gonzáles spielte diese Rarität beschwingt und präzise. Überhaupt ist anzuerkennen, dass die Musiker nur für diesen einen Abend weitere Schätze gehoben haben, etwa „Camperola“, ein kleines, sehr hübsches Orchesterstück über das Leben auf dem Bauernhof von Eduard Toldrà.

Das berühmteste Werk von Emmanuel Charbier ist die Rhapsodie „España“ und hätte gut ins Programm gepasst. Für die Operngala hatte man sich für die Ouverüre zu seiner Oper „Gwendoline“ entschieden. Ein kompaktes Stück, das fast spätromantische Anklänge vorwegnimmt und die Kammerphilharmonie unter Gonzáles zu eruptiver Klangpracht animierte. Als Rausschmeißer des offiziellen Programms kam mit dem „Zapateado“, einem Stampftanz von Tomás Bretón, genau die Musik ins Spiel, die man mit Spanien und der Welt der Zarzuelas verbindet. Und bei den Zugaben, darunter mit „Non puede ser“ die bekanntesten Tenor-Arie aus einer Zarzuela von Pablo Sorozábal, teilten sich Eva Vogel und Paul McNamara den Evergreen „Granada“ -– ungewöhnlich und effektvoll.

Wer trotz der späten Stunde noch ausharrte, wurde mit dem bis weit nach Mitternacht dauernden Auftritt von „Ulta High Flamenco“ belohnt. Das sind vier Musiker in der Besetzung Kontrabass, Geige, Gitarre und Perkussion, die mit atemberaubenden Improvisationen Flameno-Elemente mit Jazz verbinden.

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