„Ungeniert hedonistisch“

Regisseurin Elizabeth Huffman spricht über über „Bon Temps Roulez at the Shakespeare Café“

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Ithica Tell gehört zum internationalen Ensemble von „Bon Temps Roulez at the Shakespeare Café“.

Bremen - Von Rolf Stein. Karneval ist, trotz des Samba-Umzugs, nicht unbedingt das Erste, woran man bei Bremen denkt. Elizabeth Huffman bringt in „Bon Temps Roulez at the Shakespeare Café“ den Mardi Gras von New Orleans an die Weser, ins Theater am Leibnizplatz.

Frau Huffman, was hat der Karneval in New Orleans mit Shakespeare zu tun?

Elizabeth Huffman: Das ganze Stück ist reiner Shakespeare. Der Text kommt aus verschiedenen Stücken, und ich habe daraus ein Stück gemacht, das in einer Bar in New Orleans an Mardi Gras, dem Faschingsdienstag, spielt. Jeder, der Shakespeare kennt, wird fast alles wiedererkennen. Aber die Figuren sind aus verschiedenen Charakteren zusammengesetzt.

Warum haben Sie New Orleans als Schauplatz gewählt?

Huffman: New Orleans ist die Wiege des Blues und Jazz, des Rock‘n’Roll. Es ist ein einzigartiger Ort, an dem sich französische, kreolische, afrikanische, haitianische und amerikanische Kultur mischen. Es ist anders als jede andere Stadt, die ich kenne. Es gibt einen tiefen Aberglauben, es hat einen eigenen Schneid, New Orleans ist ungeniert hedonistisch. Und das mag ich. Mardi Gras war für mich interessant, weil ich ein Element der Maskierung brauchte für die Geschichte. Zu Mardi Gras drehen die Leute durch und tragen die abgefahrensten Kostüme. Und mein Stück gerät auch ziemlich außer Kontrolle.

Elizabeth Huffman

Haben Sie „Bon Temps Roulez“ extra für Bremen geschrieben?

Huffman: Eigentlich habe ich es 2007 für meine Theatertruppe in Los Angeles geschrieben. Wir zeigten es dann bei einem kleinen Festival in Hanau. Eigentlich wollte ich mit einem anderen Stück kommen. Weil aber einer der Schauspieler nicht mitreisen konnte, musste ich schnell etwas Neues schreiben. „Bon Temps Roulez at the Shakespeare Café“ entstand damals in einer Kamikaze-Aktion in zwei Wochen. Und zu meiner Überraschung war das Stück ein großer Erfolg, vor allem bei jungen Leuten. Es ist ein bisschen wie in der TV-Serie „Friends“. Die Protagonisten gehen alle in die gleiche Bar, es spielt an einem einzigen Abend, es geht um Liebe, alle trinken zu viel, die Dinge geraten außer Kontrolle.

Was geschah dann mit Ihrem Stück?

Huffman: Nach dem Festival in Hanau beschäftigte ich mich mit anderen Dingen. Ich zog nach Portland, arbeitete mit einer griechischen Theatergruppe zusammen. 2014 entdeckte ich das Stück neu und dachte, dass das vielleicht auch etwas für Portland wäre. Ich überarbeitete es, fügte die Figur des Bartenders Pim ein, Ithica Tell war als Sängerin dabei. Und wenn man eine so tolle Sängerin hat, soll sie auch singen. Andy Qunta aus Los Angeles hatte schon für die erste Fassung ein bisschen instrumentale Musik und einen Song geschrieben. In Portland hatten wir dann sechs Songs.

Wie kam das Stück nach Bremen?

Huffman: Ich war im Oktober 2016 mit „The Re-Imagining of French Gray by the Displaced Woman“ am Leibnizplatz zu Gast – eine völlig andere Art von Stück. Als wir hier waren, erzählte ich Renate Heitmann von der Shakespeare Company von „Bon Temps Roulez at the Shakespeare Café“. Die Company entschied schließlich, das Stück zu machen. Im Vorfeld erzählte mir Renate, dass viele der Schauspieler der Company auch singen und Instrumente spielen. Ich setzte mich also mit Andy Qunta in Verbindung, der noch einmal vier Songs schrieb.

Haben Sie auch bei den Songs mit Shakespeares Texten gearbeitet?

Huffman: Es ist alles Shakespeare. Ich habe keinen Text dazugenommen. Ich benutzte das, was ich hatte, und kreierte daraus Refrains und Strophen. Andy schickte mir seine Ideen, und ich konnte kaum glauben, wie toll sie waren. Da merkte ich: Ich habe ein Musical! Insofern ist diese Version mit diesem Ensemble eine echte Premiere.

Muss man Englisch verstehen für Ihr Stück?

Huffman: Es ist auf Deutsch mit ein bisschen Englisch und Französisch. Aber das meiste ist Deutsch, bis auf die Songs.

Ist es eigentlich schwierig für Sie, auf Deutsch, also in einer Sprache, die Sie nicht sprechen, zu inszenieren?

Huffman: Wir haben eine Woche an der Textfassung gearbeitet, weil die Schauspieler ihre eigenen Vorstellungen zur Übersetzung hatten. Ich kenne den Text sehr, sehr gut. Als wir angefangen haben zu arbeiten, haben wir immer wieder Dinge verändert, aber ich konnte hören, was sie sagten – oder was fehlte. Sie sprechen alle Englisch und wir können gut kommunizieren. Ithica lernt sogar extra Deutsch!

Wie wollen Sie das Bremer Publikum in Mardi-Gras-Stimmung bringen?

Huffman: Wir erschaffen eine richtige Bar, und das Publikum sitzt zum Teil in dieser Bar. Zwölf Plätze auf der Bühne und rund zwanzig direkt davor werden unter den Zuschauern ausgelost. In der Pause kann sich das Publikum Bier, Wein und einen speziellen Mardi-Gras-Cocktail bestellen.

Der deutsche Karneval ist eher im Rheinland zuhause.

Huffman: Aber es gibt einen Karneval hier. Und Bremen ist definitiv eine Party-Stadt. Wenn ich abends nach Hause gehe, sehe ich überall Leute auf der Straße, die eine gute Zeiten haben – oder auch nicht, je nachdem.

Premiere: Donnerstag, 8. Februar, 19.30 Uhr, Theater am Leibnizplatz, Bremen.

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